Der Euro soll stärker werden

Die Wirtschaftskraft der EU spiegelt sich nicht in der Macht des Euro wider, findet die EU-Kommission. [Images Money/Flickr]

Die Europäische Kommission hat am Mittwoch eine Strategie zur Stärkung des Euro auf internationaler Ebene vorgelegt. Währenddessen zögern die Mitgliedstaaten aber bei der Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion weiterhin.

Die Eurozone steht für 12 Prozent des globalen BIP. Das ist etwas weniger als die US-Wirtschaft (rund 15 Prozent). Gleichzeitig macht der Euro aber nur 20 Prozent der internationalen Reserven bei  ausländischen Zentralbanken aus – verglichen mit 60 Prozent im Falle des Dollar.

„Die internationale Rolle des Euro hat sich durch die Krise der Eurozone verringert,“ sagte der für den Euro zuständige Vizepräsident der Kommission Valdis Dombrovskis gestern.

Lediglich beim Anteil an internationalen Transaktionen liege der Euro an zweiter Stelle knapp hinter dem Dollar: 36 gegenüber 40 Prozent.

„Es besteht ein eklatantes Missverhältnis zwischen unserer Wirtschaftskraft und der Macht des Euro,“ kommentierte auch Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici auf derselben Pressekonferenz.

„Wir müssen mehr tun, damit unsere gemeinsame Währung auf
dem internationalen Parkett die Bedeutung erlangen kann, die ihr zusteht,“ heißt es in einer ebenfalls gestern veröffentlichten Mitteilung der Kommission.

EZB: Eine starke Eurozone in einer "instabilen Welt"

EZB-Vertreter haben am Montag erneut die „Vollendung“ der Eurozone sowie den Abbau von Divergenzen zwischen West- und Ostmitgliedern der EU gefordert.

Europa strebt finanzielle Autonomie von den USA auf der globalen Bühne an – eine Priorität, die besonders dringlich wird, seit US-Präsident Trump immer wieder mit Sanktionen gegen Staaten droht, die seinen politischen Vorstellungen nicht folgen wollen.

Eine stärkere Rolle des Euro auf globaler Ebene würde auch den europäischen Bürgern und Unternehmen Vorteile bringen, einschließlich geringerer Risiken und währungsbedingter Kosten.

Fortschritte bei WWU erforderlich

Die Kommission stellte in ihrer Mitteilung fest, dass es dafür allerdings noch Fortschritte bei der Vertiefung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) geben muss, einschließlich der Vollendung der Bankenunion und der Schaffung einer Fiskalkapazität der Eurozone.

Auch die Kapitalmärkte des Euroraums müssten erweitert und vertieft werden.

Das in dieser Hinsicht bedeutsame Treffen der EU-Finanzminister zur Stärkung der WWU Anfang dieser Woche hat jedoch gezeigt, dass die Mitgliedstaaten sich weiterhin nicht über das richtige Verhältnis zwischen Risikominderung und Risikoverteilung einig sind – weder bei den Steuern noch beim Thema Banken.

Das Ergebnis war ein recht begrenztes Paket zur Stärkung der Eurozone.

Einigung über Reform der Eurozone gelungen

Bei den nächtlichen Verhandlungen der EU-Finanzminister ist ein Durchbruch gelungen. Sie haben sich auf ein System zur Abwicklung von Krisenbanken und auf die Eckpunkte eines Euro-Rettungsfonds geeinigt.

„Wir haben in dieser Woche in der Eurogruppe mehrere wichtige Entscheidungen getroffen,“ sagte Dombrovskis unter Bezugnahme auf den neuen „Backstop“ zur Unterstützung angeschlagener Banken und die neuen Instrumente für den Europäischen Stabilitätsmechanismus.

Doch auch er musste zugeben: „Wir sind noch nicht ganz da, wo wir hinwollen.“

Niederlande: Finanzkraft fängt zu Hause an

Aus Sicht der Niederlande, eine der führenden Stimmen im Lager gegen die Vertiefung der WWU, muss die Stärkung des Euro vor allem auf nationaler Ebene beginnen: „Meiner Meinung nach schaffen wir einen stärkeren Euro auch zu Hause: Mit einer soliden makroökonomischen Politik, und mit einer soliden institutionellen Grundlage für die WWU,“ sagte der niederländische Finanzminister Wopke Hoekstra gegenüber EURACTIV.com.

Er fügte allerdings hinzu, dass „eine stärkere globale Verankerung des Euro offensichtlich Vorteile“ habe. Er wolle den Vorschlag der Kommission daher „genau prüfen“.

Übermächtiger Dollar

Da die EU weiterhin nur mit kleinen Schritten in Bezug auf die Banken- und Steuerunion voranschreitet, hat die Kommission bereits eine weitere Liste von Initiativen vorgeschlagen, um zu versuchen, diesen Mangel zu beheben.

Das Paket basiert vor allem auf soliden Zinsbezugswerten und einem integrierten Sofortzahlungssystem innerhalb der EU.

Ökonomen warnen vor Eurozonen-Budget

Im Januar 2018 hatte eine Gruppe deutscher französischer Ökonomen einen gemeinsamen Vorschlag zur Reform des Euroraums vorgelegt, der nach Macrons Idee ein Eurozonen-Budget vorsah. Doch es einige gibt Gründe dagegen.

Die Kommission fordert die Mitgliedstaaten darüber hinaus jedoch auch auf, mehr Euros zu verwenden, beispielsweise wenn sie ihre Energieversorger bezahlen oder Rohstoffe, einschließlich Lebensmittel, auf den globalen Märkten einkaufen.

„Ich erwarte nicht, dass dies zu einer sehr großen Veränderung führen würde“, glaubt hingegen Francesco Papadia vom Think-Tank Bruegel.

Seiner Ansicht nach könnten die geplanten Maßnahmen zwar dazu beitragen, den Einfluss des Euro gegenüber dem Dollar auszubauen – „aber komplette finanzielle Autonomie vom Dollar erreichen? Das glaube ich nicht.“

Französische Beamte hatten hervorgehoben, dass eine stärkere WWU und Kapitalmarktunion einen „echten Unterschied“ im globalen Wettkampf mit dem Dollar machen könne.

Doch selbst eine vollwertige Währungsunion würde den Euro kaum an den Einfluss des Dollars auf der Weltbühne angleichen. Die Gründe dafür sind nicht nur die geopolitische Macht der USA, sondern auch die sogenannten „Netzwerkexternalitäten“ von Währungen.

Papadia erklärt: „Das funktioniert wie bei Telefongesellschaften: Der Wert von Währungen hängt zu einem Teil davon ab, wie viele Menschen man durch sie erreichen kann“; also wie viele Menschen eine bestimmte Währung benutzen.

Er schließt: „Das gibt dem Dollar einen Vorteil, den jede Herausforderer-Währung nur schwer aufholen kann.“

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