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23/01/2017

DAX-Unternehmen als Retter der Deutschen Bank?

Finanzen und Wirtschaft

DAX-Unternehmen als Retter der Deutschen Bank?

Bär und Bulle vor der Frankfurter Börse.

[Rob Wilson/Shutterstock]

Deutschlands Wirtschaftsriesen könnten die Deutsche Bank in einem gemeinsamen Kraftakt davor bewahren, noch tiefer in der Krise zu versinken – eine Option, die öffentliche Rettungsmaßnahmen hinfällig machen würde. EurActiv-Kooperationspartner La Tribune berichtet.

Die 30 DAX-Unternehmen an der Frankfurter Börse könnten ­– wenn nötig – zur Kapitalerhöhung beitragen, so das Handelsblatt. „Einige der Firmen“ hätten bereits über die Möglichkeit diskutiert, sich an Rettungsmaßnahmen zu beteiligen. Die Deutsche Bank spielt für die Wirtschaftsriesen vor allem im Investmentbereich eine überaus wichtige Rolle.

Sie könnte sich bei ihrer Rettung womöglich auch auf ihren Mehrheitseigner, die katarische Königsfamilie, verlassen, so Reuters. Diese hält mehr als elf Prozent der Aktien. Beide Optionen sorgen womöglich dafür, dass staatliche Finanzhilfen nicht notwendig sein werden.

Bloomberg zufolge sei die Deutsche Bank auf zusätzliche fünf Milliarden Euro an Kapital angewiesen, sollte die Geldstrafe des US-Justizministeriums nicht gesenkt werden und die Bank keinen anderweitigen Deal aushandeln können.

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Vergangene Woche schlug die Financial Times vor, das angeschlagene Bankinstitut könne mit seiner Vermögensverwaltung an die Börse gehen, um Kapital einzutreiben. Die Deutsche Bank kann die Sparte jedoch nur teilweise, nicht komplett abspalten. Wenn sie so den geschätzten Wert von 2,5 Milliarden Euro für die Vermögensverwaltung einstreichen würde, müsste sie noch immer anderweitig zwei Milliarden Euro eintreiben.

Die Bundesregierung scheint eine saftiges Bußgeld vermeiden zu wollen. Letzte Woche hieß es laut Reuters, Berlin verhandle direkt mit Washington über eine mildere Strafe. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ließ die Ermittlungen im zehn Milliarden Euro schweren Geldwäsche-Skandal mit Russland fallen.

Berlin zielt scheinbar darauf ab, die Deutsche Bank „indirekt“ mithilfe staatlicher Unterstützung, nicht jedoch mit staatlichen Geldern zu retten. Die eigentliche Frage bleibt jedoch, ob ein Rettungsversuch egal von welcher Seite her an Reformen gebunden sein wird – hinsichtlich der Struktur oder der Führungsetage der Bank. Sollte eine Rettung nicht an Bedingungen geknüpft werden, würde man letzten Endes nur gutes Geld schlechtem hinterherwerfen.

 

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