Davos: CEOs optimistisch, IWF warnt

IMF-Chefin Christine Lagarde (l.) und die Schauspielerin Cate Blanchett, die beim Weltwirtschaftsforum in Davos am Montag für ihren Einsatz für Geflüchtete geehrt wurde. [WEF]

Die Weltwirtschaft wächst schneller als erwartet. Dementsprechend geben sich CEOs im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums in Davos optimistisch. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hingegen warnt, die nächste Krise könnte schneller und heftiger kommen, als wir uns bisher vorstellen.

Die Weltwirtschaft übertrifft weiterhin die Vorhersagen. Der IWF korrigierte seine Wachstumsvorhersage für dieses und kommendes Jahr um 0,2 Prozentpunkte nach oben. Die Prognosen für Europa wurden um 0,3 Prozentpunkte angehoben (auf 2,2 Prozent dieses Jahr und 2,0 Prozent in 2019).

Die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde warnte kurz vor Beginn der offiziellen Eröffnung des Wirtschaftstreffens gegenüber Reportern allerdings, „Selbstgefälligkeit“ sei nun eine der „größten Risiken“.

Die Wirtschaft wachse zwar; doch die Staaten hätten ihr Wachstum nicht über Investitionen in Humankapital oder Technologie erzielt. Stattdessen seien die Reformen trügerisch und das Wachstum komme nur Denjenigen zugute, die ohnehin am oberen Ende stehen.

„Wir sind nicht zufrieden,“ machte Lagarde deutlich. „Zu viele Menschen bleiben beim ökonomischen Wachstum außen vor.”

Mit Verweis auf das wackelige Wachstum und große Herausforderungen wie die hohen Schuldenstände unterstrich der Chefökonom des IWF Maurice Obstfeld: „Die nächste Rezession wird schnell kommen und schwieriger zu bekämpfen sein.“

Davos: Warten auf die nächste Krise

Die Entwicklung der Menschheit sei in Gefahr und der wirtschaftliche Aufschwung kaschiere die Wurzeln der nächsten großen Krise, so das Weltwirtschaftsforum.

Obstfeld warnte weiter, die aktuelle gute Lage sei durch Faktoren bedingt, „die nicht lange anhalten werden“. Dazu zähle die geldpolitische Ankurbelung der Wirtschaft und der wohlwollende finanzpolitische Kurs.

Daher müssten die Staaten Maßnahmen ergreifen, um ihre Gesellschaften im Licht der digitalen Revolution widerstandsfähiger zu machen und ihre Inklusivität zu erhöhen.  In dieser Hinsicht hätten einige europäische Länder wie Spanien und Italien seit der Krise von 2007/2008 „wichtige Strukturreformen“ durchgeführt.

Auch die Ankündigungen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron seien „ambitioniert“. Bei der Reform der Eurozone sei eine Vollendung der Bankenunion mit einem europäischen Einlagensicherungssystem ein Schritt nach vorne, ebenso wie die Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion mit zusätzlichen fiskalischen Strukturen.

Wachsende Ungleichheit

Beim diesjährigen Treffen in Davos sind die global wachsende Ungleichheit und die daraus resultierenden Unsicherheiten das Hauptthema.

Das Scheitern der etablierten politischen Parteien, die Wirtschaftsgewinne besser zu verteilen, hat weltweit zum Aufstieg von Anti-Establishment-Parteien und Populisten geführt. So gewann in den USA Donald Trump die Präsidentschaftswahl, indem er diejenigen ansprach, die von der Globalisierung ‚im Stich gelassen‘ wurden.

Der IWF warnte allerdings einige Tage vor Trumps Auftritt in Davos, „dass ein Wechsel hin zu nationalistischeren oder autoritäreren Regierungsformen in einem Stillstand der Reformen im Inland resultieren und zum Ende von grenzüberschreitender wirtschaftlicher Integration führen könnte.“

Moscovici: "Wir wissen nicht, wie Trumps Wirtschaftspolitik aussehen wird"

US-Präsident Donald Trump gegenüber müsse man abwarten, stimmt Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici in den allgemeinen Davos-Konsens mit ein. Dennoch erwartet er mehr Nationalismus und Protektionismus aus dem Weißen Haus. EURACTIV Brüssel berichtet.

Nicht alle profitieren

Laut einer Studie der Beratungsfirma PwC, die am Montag in Davos vorgestellt wurde, glauben 46 Prozent der befragten CEOs von rund 1300 Firmen, dass das beobachtete Wirtschaftswachstum nur wenigen Menschen zugute kommt. 48 Prozent hingegen denken, dass das Wachstum breit gefächert ist.

Es zeigt sich, dass trotz bestehender Ungleichheit und sozialer Unruhen die Dringlichkeit, zu handeln, schrumpft, solange die Bruttoinlandsprodukte (BIP) der Weltwirtschaft – und besonders der Industriestaaten – weiter wachsen.

Insgesamt sagten 57 Prozent der befragten Unternehmensführer, sie seien optimistisch, was die Weltwirtschaft in 2018 angeht. Das sind auffällige 28 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr.

Das BIP-Problem

Vor diesem Hintergrund hat das Weltwirtschaftsforum am Montag vorgeschlagen, andere Indikatoren für Wohlstand einzusetzen. Es reiche nicht aus, zu messen, welches Einkommen die einzelnen Wirtschaften generieren. Stattdessen müsse man auch wissen, wie Wohlstand und Einkommen verteilt sind. Andere Indikatoren wären Lebenserwartung, Produktivität, Schuldenstände oder Arbeitslosenzahlen.

„Jahrzehntelang wurde ökonomisches Wachstum über soziale Gerechtigkeit gestellt. Dadurch haben wir historisch hohe Wohlstandslevel und gleichzeitig Einkommensunterschiede. Die Regierungen haben es verpasst, einen Kreislauf zu schaffen, in dem das Wachstum gestärkt wird, indem es breiter verteilt wird und keine unnötigen Schäden für die Umwelt oder zukünftige Generationen verursacht werden,“ so WEF-Experten. Sie kritisierten das „übermäßige Vertrauen“ auf das BIP als Wirtschaftsindikator.

Auch Obstfeld gab zu, dass Ökonomen nach wie vor Probleme hätten, die Reichstumsverteilung zu messen. Das BIP müsse aber ein „Anker“ bleiben, der durch andere Indikatoren wie soziale und Umweltkosten der Produktion ergänzt werden könnte.

„Es ist unmöglich, eine einzelne Zahl anzugeben, mit der die Zufriedenheit der Menschen gemessen wird,“ fasste er zusammen.

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