„Das Anti-Krisen-Geschütz der EZB wirkt“

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi. Foto: dpa

Vor einem Jahr beschlossen die Währungshüter um EZB-Präsident Mario Draghi ein Programm, das ihnen den weiteren Ankauf von Staatsanleihen hoch verschuldeter Krisenstaaten ermöglichen sollte, notfalls in unbegrenzter Höhe. Das Anti-Krisen-Geschütz der EZB wirkt, meinen nun Forscher des IW-Köln.

Der Autor

Hermann Bohle (Genf), Jahrgang 1928, Kommentator und Buchautor, langjähriger Journalist in Brüssel zu EU- und NATO-Themen. Ehemals DIE ZEIT, Die Presse (Wien), Neue Zürcher Zeitung NZZ und Weltwoche (Zürich), Rheinischer Merkur, Unternehmensberatung Deutscher Wirtschaftsdienst (DWD-Köln). BLOG: Bohle-Echo.de.
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Sieben von 10 jungen Leuten in Deutschland sehen zuversichtlich in die Zukunft. Das belegt die "Ausbildungsstudie 2013". In den größten Volkswirtschaften der Erde (G7) erwartet die OECD 2,5 Prozent Wirtschaftswachstum für den Rest dieses Jahres, zitiert die "Financial Times" den Pariser Verband der 30 Marktwirtschaften der westlichen Welt: "Die Märkte platzen vor Vertrauen." Es sei der größte Sprung nach vorn seit der 2008 von den "Finanzmärkten" ausgelösten Welt- und nicht etwa "Euro-"krise.

Das alles kontrastiert arg zu den Verkündigungen der politischen Miesmacher. Mit der größten Kaufoffensive seit 1977 wollen Amerikas Großinvestoren – an der Spitze Pensionsfonds – ihr Geld wieder in Europa anlegen: 65 Milliarden US-Dollar planen sie umgehend an den europäischen Börsen zu investieren – das sind immerhin noch knapp 50 Milliarden Euro. Denen, die z.B. Deutschlands Wählern den Euro madig machen, bleibt die Luft nun weg.

Kölns "Institut der deutschen Wirtschaft" nimmt dazu kein Blatt vor den Mund. Vor genau einem Jahr "wagten" die EU-Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) Atemberaubendes gegen die so genannte Eurokrise. Sie beschlossen, den sogar unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen hochverschuldeter Euro-Länder. Das "Zeter und Mordio" von Finanzblättern und Expertenbrigaden tönte daraufhin"martialisch" gegen diesen großen Wurf. Sie redeten von gewaltigen Inflationsgefahren, "Milliardenkosten" würden nun angeblich auf Deutschland zurollen.

Der deutsche Bundesbankpräsident Jens Weidmann fiel dem EZB-Präsidenten Mario Draghi und den übrigen 22 Mitgliedern des EZB-Rats in den Rücken. Er lehnte das Programm ab. Als Einziger der 23 kapierte er nicht, daß man gegenüber "nervösen, immer wieder verrückt spielenden" Finanzmärkten (IW-Nachrichten) mit dem ganz großen Kaliber antreten muss. Jedenfalls solange, wie die Volkswirtschaften der westlichen Welt diesen Kräften allzu schutzlos ausgeliefert sind.

Die EZB-Botschaft – "Ihr kriegt den Euro durch Spekulation nicht kaputt" – sieht das IW erfüllt. Immerhin ist es die publizistische und wirtschaftswissenschaftliche Vertretung der deutschen Gesamtwirtschaft. "Bisher Erfolgreich" habe das "Anti-Krisen-Geschütz" der EZB gewirkt: Ohne den Einsatz der Druckerpresse. Alle Prognosen sagen Geldwertstabilität bis 2018 voraus (weiter reichen keine seriösen Prognostikerkünste). Das Inflationsgerede löst sich in Nichts auf, es repräsentiere also die "grobe Irreführung".

Dennoch warnt EZB-Chef Draghi vor "exzessiver Begeisterung". Nur Zeit sei zum Kampf um Geldwert und Euro-Stabilität gewonnen. Der ganze Krieg also noch nicht. Tatsächlich hat die Willkür der Finanzmärkte, denen eine unverantwortbare Leichtfertigkeit angelsächsischer Politik regelrechte Narrenfreiheit gewährt – längst die ganze Welt befallen. In einer Art des modernen Feudalismus: Statt Adel und Geistlichkeit beherrschen heute Banken und andere "Kapitalsammelstellen" das politische Geschehen.

Ihre Lobbies lassen nichts unversucht, die Politik an drakonischen Korrekturen dieses für alle Völker ruinösen Missstandes zu hindern. Da heißt es anzupacken – um den Euro zu sichern. Ihn abzuschaffen, kann nur den Fusskranken des in Europas Kriegen verdorrten Nationalismus einfallen.

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