Commerzbank/Deutsche Bank: Angst um Arbeitsplätze

Frankfurt Skyline

Aufgrund der Fusion könnten bis zu 30.000 Arbeitsplätze abgebaut werden, davon allein 10.000 in Frankfurt, warnt Verdi. [shutterstock/Pigprox]

Das Management der deutschen Commerzbank habe eine klare Strategie für die geplante Fusion mit der Deutschen Bank und arbeite „hart“, um so schnell wie möglich zu einer Entscheidung zu kommen, so der Vorstandsvorsitzende Martin Zielke in einer internen E-Mail an die Mitarbeiter der Bank.

„Wir werden die aktuelle Ungewissheit so kurz wie möglich halten und hart daran arbeiten, zu einem schnellen Abschluss zu kommen,“ schreibt Zielke in der E-Mail, die EURACTIV vorliegt. Die Commerzbank trete „selbstbewusst und mit klaren Vorstellungen“ in die Verhandlungen ein. „Wir haben eine klare Strategie“, fügte Zielke hinzu.

Die geplante Fusion der beiden größten deutschen Privatbanken hat vor allem Angst vor massiven Arbeitsplatzverlusten geschürt: Bis zu 30.000 Arbeitsplätze könnten abgebaut werden, davon allein 10.000 in Frankfurt, so die Gewerkschaft Verdi. Die Deutsche Bank und die Commerzbank beschäftigen zusammen 140.000 Mitarbeiter.

Gerade bei Angestellten der kleineren Commerzbank geht die Angst vor Jobverlusten um.

Am 17. März hatten die beiden Kreditgeber bestätigt, dass sie sich in Gesprächen über eine mögliche Fusion befinden.

Deutsche Bank will mehr als 7000 Stellen streichen

Die Deutsche Bank will nach eigenen Angaben mehr als 7.000 Stellen streichen. Es bleiben dann 90.000 Vollzeitstellen. Der Abbau sei bereits im Gange.

Seit der Finanzkrise 2008 stecken beide Banken in Problemen: Während der deutsche Staat noch immer 15 Prozent der Commerzbank hält, hat auch die Deutsche Bank Schwierigkeiten, nachhaltige Gewinne zu erzielen.

Verhandlungen aufgenommen

Die Commerzbank teilte in einer Erklärung mit, die beiden Banken hätten sich „heute darauf geeinigt, ergebnisoffene Gespräche über eine mögliche Fusion aufzunehmen“. Die Deutsche Bank sagte ihrerseits, der Vorstand habe beschlossen, „strategische Optionen zu überprüfen“, betonte aber, es gebe keine Gewissheit, dass eine derartige Fusion tatsächlich zustande kommt.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing, und Commerzbank-Chef Martin Zielke, informierten am 22. März ihre jeweiligen Aufsichtsräte über den Stand der Verhandlungen zwischen den beiden Banken.

Reaktion der Mitarbeiter: Streik

„Niemand kann ernsthaft davon ausgehen, dass wir nur da stehen und starren werden,“ kündigte derweil Verdi-Chef Frank Bsirske kurz nach Bekanntgabe der geplanten Fusion an. Jan Duscheck, bei Verdi verantwortlich für den Bankensektor, sagte: „Wir lehnen eine mögliche Fusion zwischen den beiden Banken ab, weil Zehntausende von Arbeitsplätzen verloren gehen könnten.“

Das Handelsblatt berichtete am Freitag, dass Mitarbeiter der Deutschen Bank und der Commerzbank nach einem Treffen ihrer Gewerkschaftsvertreter am Donnerstagabend in Frankfurt nun gemeinsam gegen die geplante Fusion vorgehen wollen. Erste Warnstreiks sind für den 28. März geplant; danach soll jeden Tag in einer anderen Stadt gestreikt werden, berichtet die Wirtschaftszeitung.

Verdi wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Deutsche Bank im EU-Parlament: Viele Fragen, kaum Antworten

Der Geldwäschebeauftragte und „Head of Anti-Financial Crime“ der Deutschen Bank musste sich am Montag den Fragen empörter Europaabgeordneter stellen. Diesen wich er aber größtenteils aus. Der Bank wird vorgeworfen, in einen großen Geldwäscheskandal rund um die Danske Bank verwickelt zu sein.

Auch der weltweit größte Vermögensverwaltungsfonds Blackrock sieht die mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank mit Skepsis. Auf einer Konferenz in Frankfurt sagte der stellvertretende Blackrock-Vorsitzende Philipp Hildebrand, man sei von der Idee „nicht überzeugt“. Blackrock ist einer der größten Aktionäre beider Institute.

Das Ziel könne nicht darin bestehen, eine große Investmentbank nach US-Vorbild zu gründen; das würde „nicht funktionieren“, fügte Hildebrand hinzu. Er betonte außerdem, er verstehe die Gründe für eine Fusion nicht: „Welches Problem soll hier gelöst werden?“

In einem am 23. März auf Welt online veröffentlichten Interview unterstrich EU-Kommissar Valdis Dombrovskis derweil, dass es sich bei dem geplanten Zusammenschluss um eine „privatwirtschaftliche Entscheidung“ handele und die EU-Kommission sich folglich nicht einmischen werde.

„Firmen müssen selbst darüber entscheiden, ob sie zusammengehen wollen und das für vorteilhaft erachten oder nicht. Wir schauen dann nur, welche Folgen das für den Wettbewerb hat und ob wir das genehmigen können,“ erklärte der für den Euro zuständige Kommissar. Darüber hinaus gehe er davon aus, dass keine staatlichen Gelder für die Fusion fließen werden, so Dombrovskis.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

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