Chinesische Unternehmen investieren weniger in Deutschland und in Europa

In ganz Europa zählte EY in den ersten sechs Monaten des Jahres nur 81 Übernahmen und Beteiligungen, 28 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das Investitionsvolumen ging demnach sogar um 84 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar zurück, weil es kaum große Transaktionen gab. [EPA-EFE/ROMAN PILIPEY]

Die Zahl der Firmenübernahmen durch chinesische Investoren in Deutschland ist im ersten Halbjahr deutlich zurückgegangen. Die Zahl der Zukäufe und Beteiligungen schrumpfte im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 von 25 auf elf, das Investitionsvolumen von 10,1 Dollar auf 0,5 Milliarden Dollar (448 Millionen Euro), wie die Unternehmensberatung EY am Montag, 12. August, mitteilte.

Hauptgrund für diese Zurückhaltung sei die derzeit schwierige konjunkturelle Lage in China. Der größte Deal in Deutschland im ersten Halbjahr war demnach der Kauf einzelner Geschäftsbereiche des Kupferproduzenten KME durch Zhejiang Hailiang für 136 Millionen Dollar. Europaweit war die größte Transaktion demnach der Einstieg der chinesischen Evergrande Group bei NEVS, dem Saab-Nachfolgeunternehmen und heutigen Hersteller von Elektroautos.

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In ganz Europa zählte EY in den ersten sechs Monaten des Jahres nur 81 Übernahmen und Beteiligungen, 28 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das Investitionsvolumen ging demnach sogar um 84 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar zurück, weil es kaum große Transaktionen gab. Mehr Übernahmen und Beteiligungen als in Deutschland, nämlich 17, zählte EY in Großbritannien. Die investierte Summe dort lag aber bei nur 400 Millionen Dollar.

„Die Transaktionsaktivitäten lagen in Deutschland und in Europa im ersten Halbjahr zwar deutlich niedriger als im Vorjahreszeitraum, sie haben sich aber immerhin auf dem niedrigen Niveau des zweiten Halbjahres 2018 stabilisiert“, erklärte EY-Expertin Yi Sun. „Damit dürfte die Talsohle erreicht sein.“

Zur konjunkturell schwierigen Lage in China kommt demnach als weiterer Grund die derzeit große Unsicherheit aufgrund des US-chinesischen Handelskonflikts hinzu. Zudem gebe es derzeit auch „relativ wenige attraktive Übernahmekandidaten“ für chinesische Investoren.

Grundsätzlich sei das Interesse chinesischer Unternehmen an europäischen Firmen allerdings immer noch groß, erläuterte Sun. „Wir sehen mehrere Trends: Nach wie vor kaufen einige chinesische Unternehmen in Europa Kompetenzen für ihre ambitionierten Strategien zu.“ Beispiel dafür sei die aktuelle europaweite Einkaufstour des chinesischen Evergrande-Konzerns im Bereich der Elektromobilität.

Chinesische Unternehmen interessierten sich zudem immer noch sehr für klangvolle Namen aus Europa etwa im Konsumgüterbereich. Dass punktuell auch noch große Transaktionen möglich sind, habe zudem gerade erst der Einstieg des chinesischen Autokonzerns BAIC bei Daimler gezeigt.

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