Britischer Handel mit Irland bricht nach dem Brexit ein

Die Wareneinfuhren aus Großbritannien nach Irland sind seit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem Binnenmarkt um 20 % zurückgegangen, wie aus den am Montag vom irischen Zentralamt für Statistik veröffentlichten Daten hervorgeht. [EPA-EFE/AIDAN CRAWLEY]

Die Warenexporte von Großbritannien nach Irland sind seit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem Binnenmarkt um 20 % zurückgegangen. Dies zeigen die am Montag vom irischen Zentralamt für Statistik veröffentlichten Daten.

Das Statistikamt meldete Einfuhren im Wert von 12.501 Millionen Euro zwischen Januar und November 2021, was einem Rückgang von 3.272 Millionen Euro gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2020 entspricht.

Gleichzeitig stiegen die Ausfuhren nach Großbritannien im selben Zeitraum um 20 %.

Eine der Auswirkungen des Nordirland-Protokolls war ein starker Anstieg des inneririschen Handels. Mit dem Protokoll wurden Zollkontrollen für Waren eingeführt, die von Großbritannien nach Nordirland verbracht werden. Die nordirische Provinz blieb jedoch im EU-Binnenmarkt für Waren.

Das Protokoll hat zu einer Situation geführt, in der nordirische Exporteure vom doppelten Zugang zum EU-Binnenmarkt und zum britischen Binnenmarkt profitieren. Gleichzeitig müssen Importeure jedoch damit rechnen, dass ihre Waren auf beiden Seiten Zollkontrollen unterzogen werden, wodurch die Lieferketten unterbrochen werden.

Die Einfuhren aus Nordirland stiegen im Vergleich zu den ersten elf Monaten des Jahres 2020 um 64 % auf 3.679 Millionen Euro, während die Ausfuhren aus Irland nach Nordirland um 48 % zunahmen.

Laut einer im letzten Monat von den britischen Handelskammern veröffentlichten Umfrage berichteten 45 % der britischen Unternehmen über Schwierigkeiten bei der Anpassung an die durch das Handels- und Kooperationsabkommen geänderten Regeln für den Kauf oder Verkauf von Waren. Das Abkommen regelt die neuen Handelsbeziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich nach dem Austritt des Landes aus der Union.

„Diese Daten verdeutlichen, dass es sich bei den Problemen mit dem Handelsabkommen nicht um Anlaufschwierigkeiten handelt. Vielmehr handelt es sich um strukturelle Mängel, die zwar behebbar sind, die aber, wenn sie nicht behoben werden, unserer Wirtschaft langfristig schaden werden“, sagte Shevaun Haviland, Generaldirektorin der britischen Handelskammern.

Neben dem zusätzlichen Verwaltungsaufwand, den das Protokoll mit sich bringt, berichteten die Unternehmen auch über neue Belastungen aufgrund von MwSt-Anforderungen, Zollkontrollen und Anforderungen an die Ursprungsregeln.

Wirtschaftsführer in Nordirland erklärten gegenüber EURACTIV, dass die meisten britischen Unternehmen, die nach Nordirland exportieren, nicht auf das Leben nach dem Brexit vorbereitet seien. Ein Fünftel der Unternehmen in Nordirland hätten berichtet, dass ihr britischer Lieferant keine Geschäfte mehr machen würde.

Beamte des Vereinigten Königreichs und der EU verhandeln seit sechs Monaten über eine Entlastung der Unternehmen in Nordirland, während die pro-britischen unionistischen Parteien in Nordirland der Meinung sind, dass das Protokoll die Stabilität in der Provinz untergraben könnte.

Letzte Woche erklärte die britische Außenministerin Liz Truss, dass sie eine Regelung nicht akzeptieren würde, bei der der Warenverkehr innerhalb des Vereinigten Königreichs weiterhin Kontrollen unterliegt. Stattdessen schlägt sie ein System der Selbstzertifizierung vor, wobei sie davon ausgeht, dass die meisten Waren nicht über Nordirland hinaus befördert werden und daher weder kontrolliert noch mit zusätzlichen Papieren belegt werden müssen.

Großbritannien droht mit Aussetzung des Nordirland-Protokolls

Brexit-Ministerin Liz Truss hat die Verhandlungen der britischen Regierung mit Brüssel wieder aufgenommen. Sie ist bereit, das Nordirland-Protokoll auszusetzen und möglicherweise den Handelspakt mit der EU platzen zu lassen.

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