Britische Sorge vor schlechtem Handelsabkommen mit EU

Premierminister Boris Johnson hat einen Austritt seines Landes aus der EU zum 31. Januar versprochen. [EPA-EFE/VICKIE FLORES]

Der frühere britische EU-Botschafter Ivan Rogers erwartet harte Freihandelsgespräche zwischen Brüssel und London, besonders mit Blick auf die USA.

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson werde „die EU in den Freihandelsgesprächen im kommenden Jahr gegen die USA ausspielen“, sagte Rogers dem „Handelsblatt“ vom Sonntag. Rogers war bis 2017 britischer EU-Botschafter in Brüssel.

„Er wird den Europäern sagen, wenn ihr zu viele Bedingungen für ein Abkommen stellt, kann ich auch einen Deal mit Donald Trump machen“, sagte Rogers. „Ich wäre auch nicht überrascht, wenn Johnson die Verhandlungen mit den USA priorisiert. Er liebt die Theatralik.“
Ein umfassendes Freihandelsabkommen nach dem Vorbild von Kanada ist laut Rogers bis Ende 2020 nicht möglich. „Es könnte höchstens ein schnelles, schmutziges Abkommen geben“, sagte er. „Damit meine ich eine Vereinbarung, die null Zölle und null Quoten für Güter vorsieht. Großbritannien müsste sich auf strikte Wettbewerbsregeln einlassen und den europäischen Fischern Zugang zu britischen Gewässern geben. Das wäre das Einzige, was in der kurzen Zeit machbar wäre.“

Brexit unterm Weihnachtsbaum

Boris Johnson kann mit breiter konservativer Mehrheit den Ausstieg aus der EU Ende Januar liefern. Und dann? Neue Verhandlungen mit Brüssel und vielleicht Aufruhr in Schottland. EURACTIVs Medienpartner Deutsche Welle berichtet.

Ein solches Minimalabkommen nur für Güter sei aus britischer Sicht jedoch „kein guter Deal“, weil britische Firmen vor allem Dienstleistungen exportierten. Die britische Regierung gebe damit ihren einzigen Trumpf aus der Hand. „BMW könnte dann weiter zollfrei Autos nach Großbritannien exportieren, aber ein Londoner Broker könnte keine Dienstleistungen in der EU anbieten“, sagte der Ex-Botschafter.

Johnson werde ein solches Abkommen trotzdem anstreben, sagte Rogers. „Er ist ein Mann in Eile, weil er Ende 2020 frei und unabhängig sein will. Er steht politisch unter Druck, den Brexit schnell abzuschließen.“

Johnson hatte die vorgezogenen britischen Parlamentswahlen am Donnerstag mit einer klaren Mehrheit der Sitze gewonnen. Im Wahlkampf hatte er einen Austritt seines Landes aus der EU zum 31. Januar versprochen.

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