Böckler-Stiftung hält deutschen Mindestlohn im EU-Vergleich für zu niedrig

Den mit Abstand niedrigsten EU-Mindestlohn hat laut WSI Bulgarien mit 1,87 Euro. In Österreich, Italien sowie nordeuropäischen Ländern gelte überhaupt kein Mindestlohn, dort setzten aber in der Regel Tarifverträge eine hohe Untergrenze. [Pete/flickr]

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung kritisiert den Mindestlohn in Deutschland im EU-Vergleich als zu niedrig. Wie sie am Donnerstag (13. Februar) unter Berufung auf Zahlen ihres Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) mitteilte, beträgt der Mindestlohn in  21 betroffenen EU-Staaten sowie Großbritannien durchschnittlich rund die  Hälfte des mittleren Lohns. In Deutschland waren es 2018 demnach mit 46  Prozent leicht weniger.

„Und dieser Wert ist seit der Einführung des Mindestlohns 2015 kontinuierlich zurückgegangen“, kritisierten die Forscher mit Blick auf das deutsche Lohnniveau. Auch in diesem Jahr sei der deutsche Mindestlohn mit 9,35 Euro pro Stunde „weiterhin spürbar niedriger als die Lohnuntergrenzen in den westeuropäischen Euro-Staaten“. In Luxemburg (12,38 Euro), Frankreich (10,15 Euro), den Niederlanden (10,14) und Irland (10,10) liegen diese demnach über zehn Euro.

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Deutschland teilt sich hinter Belgien (9,66 Euro) mit Großbritannien Platz sechs der WSI-Rangliste, wobei auf der Insel den Angaben zufolge eine baldige Erhöhung ansteht. Allerdings: Legt man die Kaufkraft der Mindestlöhne zugrunde, liegt Deutschland EU-weit auf dem vierten Platz. Im Hinblick auf die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten „reduziert sich der Abstand zwischen den EU-Ländern mit niedriger und relativ hoher Untergrenze spürbar“, erklärten
die Forscher.

Den mit Abstand niedrigsten EU-Mindestlohn hat laut WSI Bulgarien mit 1,87 Euro. In Österreich, Italien sowie nordeuropäischen Ländern gelte überhaupt kein Mindestlohn, dort setzten aber in der Regel Tarifverträge eine hohe Untergrenze. „Entscheidend für eine angemessene Lohnentwicklung ist es, das Tarifsystem zu stärken – auch in Deutschland“, forderte denn auch die Böckler-Stiftung.

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