Billigfluggesellschaften fordern von der EU eine Abschaffung der Ausnahmeregelung, die europäischen Langstreckenlinien eine Kostenbefreiung ihrer CO2-Emissionen auf Flügen außerhalb Europas ermöglicht.
In einer gemeinsamen Erklärung haben Ryanair, easyJet, Jet2 und WizzAir die Regeln des Emissionshandelssystems (ETS) für den Luftverkehr kritisiert. Sie argumentierten, dass die Rechtsvorschriften den Großteil der CO2-Emissionen von Flügen, die von EU-Flughäfen abfliegen, vom EU-Kohlenstoffmarkt ausschließen.
Das EU-Emissionshandelssystem verpflichtet die Fluggesellschaften, für jede ausgestoßene Tonne CO2 Emissionsrechte zu kaufen – allerdings nur bei Flügen innerhalb der EU. Die Emissionen des internationalen Luftverkehrs fallen unter das CORSIA-System der Vereinten Nationen, ein globales System zum Ausgleich von CO2-Emissionen, das als weniger streng gilt als der EU-Kohlenstoffmarkt.
Die gemeinsame Erklärung wurde von der NGO Transport & Environment (T&E) unterstützt. In ihren Worten sei es eine „Anomalie“, dass es Flüge gibt, die von EU-Flughäfen abfliegen, die nicht unter das EU-Emissionshandelssystem fallen.
„Es ist absurd, dass Menschen, die nach Madrid oder Budapest fliegen, CO2-Steuern zahlen müssen, aber weitaus umweltschädlichere Reisen nach New York oder Singapur davon ausgenommen sind“, sagte William Todts, Geschäftsführer von T&E.
Nach Angaben der Luftverkehrsagentur EUROCONTROL waren im Jahr 2020 etwa 6 Prozent der Langstreckenflüge für rund 52 Prozent der CO2-Emissionen des europäischen Luftverkehrs verantwortlich.
Angesichts der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Emissionen bei Flügen über 4000 km entstehen, gebe es keinen Grund, Langstreckenflüge von Klimamaßnahmen auszunehmen, argumentierte Ryanair-Chef Michael O’Leary.
„Alle Fluggesellschaften behaupten zwar, dass sie sich für die Dekarbonisierung einsetzen, aber Taten sagen mehr als Worte. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Legislativvorschläge wie das Fit-for-55-Paket gleichermaßen für alle Flüge gelten, unabhängig von Zielort oder Entfernung“, sagte O’Leary.
Bedrohte Wettbewerbsfähigkeit
Die traditionellen Fluggesellschaften haben sich entschieden dagegen ausgesprochen, Langstreckenflüge in den EU-Kohlenstoffmarkt einzubeziehen. Sie argumentieren, dass dies die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Luftfahrtindustrie beeinträchtigen und ihre Fähigkeit einschränken würde, in innovative, kohlenstoffarme Flugzeuge zu investieren.
Sie behaupten auch, dass die Politik die Fluggesellschaften dazu veranlassen könnte, Flüge und Tätigkeiten außerhalb des Geltungsbereichs der grünen Maßnahmen zu verlagern – ein Phänomen, das als „Carbon Leakage“ bekannt ist.
Diese Bedenken teilt auch Henna Virkkunen, Abgeordnete der Mitte-Rechts-Partei EVP und Mitglied des Industrie- und des Verkehrsausschusses des Europäischen Parlaments.
„Wir müssen die effizientesten Instrumente zur Reduzierung der Emissionen finden, ohne unsere Wettbewerbsfähigkeit zu beeinträchtigen. Die Schaffung europäischer Regeln für globale Industrien wie die Luftfahrtindustrie darf nicht dazu führen, dass der Luftverkehr in Zukunft außerhalb der EU verlagert wird“, so Virkkunen gegenüber EURACTIV.
„Mit dem ETS müssen wir einen schrittweisen Übergang gewährleisten, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Die europäische Luftverkehrsbranche braucht ausreichend Zeit, um sich auf den Wandel des gesamten Sektors einzustellen“, fügte sie hinzu.
Nach Ansicht von József Váradi, dem CEO der Wizz Air Group, sind die Bedenken hinsichtlich des Carbon Leakage jedoch übertrieben.
„Wir sollten uns nicht von den unbegründeten Behauptungen der großen europäischen Fluggesellschaften über die Verlagerung von CO2-Emissionen beeindrucken lassen“, sagte er.
„Wenn es nach ihnen ginge, wären ihre ineffizienten, ‚Hub and Spoke‘-Langstreckenflüge von der Politik ausgenommen. Kohlenstoff macht nicht an den EU-Grenzen halt“, fügte er hinzu.
Eine im Januar veröffentlichte Studie von T&E kam zu dem Ergebnis, dass das Risiko einer Verlagerung von CO2-Emissionen außerhalb der EU aufgrund des ETS gering ist. Die zusätzlichen Kosten für Treibstoff, Personal und Flugzeuge infolge von Zwischenlandungen außerhalb der EU würden jeden wirtschaftlichen Vorteil zunichte machen.
[Bearbeitet von Benjamin Fox]



