Bei Airbus überleben die Risiken der Krise

Airbus weist gute Zahlen auf, ist aber weiterhin mit Risiken konfrontiert. [AIRBUS]

Airbus-Chef Tom Enders kommt in seinem letzten Jahr an der Spitze des europäischen Flugzeugbauers nicht zum Durchatmen.

„Wir haben jede Menge Herausforderungen vor uns“, sagte Enders am gestrigen Donnerstag im französischen Toulouse. Sie seien aber beherrschbar. So reisen bei der neuen Generation des Kassenschlagers A320 die Probleme mit den Triebwerks-Lieferanten nicht ab.

Enders ist genervt: „Wir sind seit zwei bis drei Jahren ständig im Krisenmodus“, schimpfte er auf der Bilanzpressekonferenz. An einer Lösung hängen auch die Ertragsziele für 2018. Dagegen habe Airbus mit der vorläufigen Einigung mit den sieben Käuferstaaten über neue Zeitpläne für den Militärtransporter A400M die Kuh vom Eis geholt. “Da liegt das Schlimmste hinter uns.”

Wegen der Verzögerungen beim A400M hat Airbus noch einmal 1,3 Milliarden Euro abgeschrieben. Damit reduzierten sich aber die finanziellen Risiken deutlich, sagte Enders, dessen Abschied im nächsten Jahr schon feststeht. Die 53ste und letzte Maschine soll nun erst 2025 ausgeliefert werden, mehrere Jahre später als geplant. Insgesamt hat Airbus acht Milliarden Euro für den A400M zurückgestellt. Enders hatte zwischenzeitlich mit einem Abbruch des Programms gedroht. Doch auch das steckte der französisch-deutsche Konzern gut weg.

Thyssenkrupp: Totgesagte leben länger

Der Traditionskonzern Thyssenkrupp treibt trotz florierender Stahl-Geschäfte die Abspaltung der Sparte in ein Joint Venture mit Tata Steel voran.

Die Börse bejubelte ein bereinigtes Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 4,25 Milliarden Euro, das unerwartet um acht Prozent über dem Vorjahresniveau lag. Die Airbus-Aktie schoss um bis zu elf Prozent auf 93 Euro. „Bei Airbus Commercial scheint sich alles zurechtgerüttelt zu haben“, schrieb Jefferies-Analystin Sandy Morris.

„Dank unserer sehr guten operativen Ergebnisse – insbesondere im letzten Quartal – haben wir alle Ziele für 2017 übertroffen“, sagte Enders. Einiges habe ihn sogar überrascht. Zum Beispiel, dass sich der Nettogewinn auffast auf 2,87 (2016: 0,99) Milliarden Euro verdreifachte.

Der Umsatz stagnierte dagegen bei 66,8 (66,6) Milliarden Euro, obwohl Airbus mit 718 Verkehrsflugzeugen so viele auslieferte wie noch nie. Der Auftragseingang wuchs auf 158 (134) Milliarden Euro, in den Orderbüchern stehen nun mehr als 7200 Flugzeuge im Wert von fast einer Billion Euro. Nach dem jüngsten Großauftrag der arabischen Fluglinie Emirates ist auch die Zukunft des Großraumflugzeugs Airbus A380 gesichert. „Darauf können wir aufbauen“, sagte Enders. Er hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass nun noch mehr Orders für den einstigen Hoffnungsträger hereinkommen. Vor allem China brauche eigentlich viele A380, weil die wachsende Mittelschicht in dem Riesenland immer öfter mit dem Flugzeug reist.

Uber fährt kräftige Verluste ein

Trotz einer leichten Verbesserung zum Jahresende hat der umstrittene Fahrdienstvermittler Uber 2017 ein Milliardenminus eingefahren.

Gleichzeitig drohen die Schatten der Vergangenheit Airbus erneut einzuholen. Im Geschäftsbericht heißt es, auch die US-Behörden hätten Informationen zu den Korruptions-Ermittlungen gegen Airbus in Frankreich und Großbritannien um den Verkauf von Verkehrsflugzeugen angefordert. Das könne auch US-Gesetze betreffen. In den USA sitzt der Airbus-Rivale Boeing. Volkswagen kann ein Lied davon singen, wenn in den USA ein ausländisches Unternehmen vor Gericht kommt, das große inländische Wettbewerber hat.

Die Krise scheint also überwunden. Die aktuellen Zahlen sind gut. Risiken gibt es aber noch zu viele, um sich zu entspannen. Enders wird sich wohl mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass auch der Rest seiner Amtszeit ihm viel Engagement und Flexibilität abverlangen wird.

Subscribe to our newsletters

Subscribe