Die Deutsche Bank kann aufatmen: Die Bankenregulierer machen es europäischen Großbanken leichter, die kritische Verschuldungsquote zu erfüllen. Die zweierlei Maß, mit denen in Europa und den USA gemessen wird, sollen fallen.
Die Notenbankgouverneure und Chefs der Aufsichtsbehörden, die den Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht überwachen, nickten am Sonntag (12. Januar) eine weltweit einheitliche Definition für die maximale Verschuldungsquote (Leverage Ratio) ab. Damit sollen europäischen Banken keinen Nachteil gegenüber der US-Konkurrenz erleiden. Die Lockerung der Regel soll zudem verhindern, dass Banken den Kredithahn zudrehen, um die Verschuldungsquote einzuhalten. Denn das würde die Konjunktur abwürgen.
Die Leverage Ratio war auf drei Prozent festgelegt worden. Das bedeutet, dass Banken von 2018 an Eigenkapital in Höhe von mindestens drei Prozent der Bilanzsumme und außerbilanzieller Verpflichtungen vorhalten müssen, unabhängig davon, wie riskant die damit verbundenen Geschäfte sind. Doch Regulierer aus den USA und Großbritannien dringen Aufsichtskreisen zufolge auf eine strengere Quote – die Rede ist oft von vier Prozent. Die endgültige Entscheidung soll 2017 fallen. Ab 2018 soll die Leverage Ratio für Großbanken verbindlich sein. Veröffentlichen müssen sie sie bereits vom kommenden Jahr an.
Mit der Leverage Ratio, die zusätzlich zu den am Risiko ausgerichteten Eigenkapitalquoten nach dem Basel-III-Regelwerk gilt, wollen die Aufseher verhindern, dass sich Banken über Gebühr aufblähen und wegen ihrer schieren Größe gefährlich für das System werden.
Unterschiedliche Regeln in USA und Europa
Doch die Bilanzsumme, die der Quote zugrunde liegt, wird in der US-Rechnungslegung (US-GAAP) anders kalkuliert als nach dem in Europa gültigen IFRS-Bilanzstandard. Das betrifft vor allem den Umgang mit Derivaten. Während US-GAAP erlaubt, die Bilanz um Positionen zur Absicherung von Risiken auf beiden Seiten der Bilanz zu kürzen (Netting), müssen die Papiere in Europa offen ausgewiesen werden, was die Bilanzsumme aufbläht und damit die Erfüllung der Verschuldungsquote erschwert. Für die Leverage Ratio wird das Netting nun für kurzlaufende Derivate und Repo-Geschäfte erlaubt, wenn diese mit dem gleichen Handelspartner abgeschlossen worden sind. Auch für Exportfinanzierungen gibt es Erleichterungen.
In Deutschland betrifft das vor allem die Deutsche Bank. Sie ist die einzige Großbank mit einem großen Derivate-Buch. Dadurch kommt sie nach US-GAAP auf eine Bilanzsumme von rund 1,2 Billionen Euro, nach IFRS sind es rund zwei Billionen. Ohne eine Vereinheitlichung hätte sie damit deutlich mehr Kapital gebraucht als ihre US-Konkurrenten wie JP Morgan, um die Leverage Ratio einzuhalten.
Die Leverage Ratio findet zunehmend Beachtung, weil viele Banken und auch ihre Aufseher die übrigen Basel-III-Regeln für zu kompliziert und damit anfällig für Manipulationen halten. Das Aufsichtsgremium für den Baseler Ausschuss beschloss, in diesem und im nächsten Jahr an der Vereinfachung der Regeln zu arbeiten. "Die Festlegung eines international einheitlichen Maßstabs für die Verschuldung von Banken ist ein bedeutender Schritt zur vollen Umsetzung von Basel III", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, der dem Gremium vorsitzt.
Auch an den beiden Liquiditäts-Kennziffern (LCR und NSFR), die Teil von Basel III sind, wollen die Aufseher noch einmal schrauben. Mit der NSFR zielen die Aufseher auf eine Ursache der Finanzkrise ab: Viele Banken hatten damals langfristige Kredite zu kurzfristig refinanziert. Deshalb müssen die Banken künftig ausreichend langfristige Papiere vorweisen. Nach einem Änderungsvorschlag sollen aber auch Papiere mit einer Laufzeit bis zu zwölf Monaten zum Teil angerechnet werden.
EURACTIV/rtr

