Alle Zeichen stehen auf Rezession

Das ifo hat seine Konjunkturprognose weiter gesenkt. Ein harter Brexit oder eine weitere Eskalation des US-Handelskriegs könnten zu einer weiteren Abschwächung führen. [shutterstock]

Das ifo Institut hat seine Prognose für das Wirtschaftswachstum für dieses und kommendes Jahr gesenkt. Statt 0,6 Prozent erwarten die Forscher nun für 2019 nur noch 0,5 Prozent – und das, obwohl das Institut die Prognose mit der Annahme erstellte, dass ein harter Brexit oder eine Eskalation des US-Handelskriegs ausbleiben.

„Der deutschen Wirtschaft droht eine Rezession. Die Schwäche in der Industrie breitet sich wie ein Ölfleck nach und nach in andere Wirtschaftszweige aus, wie beispielsweise in die Logistik, die zu den Dienstleistern zählt“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser zur neuen Prognose, die heute, Donnerstag, veröffentlicht wurden.

Nach dem Schrumpfen der Wirtschaft im zweiten Vierteljahr um 0,1 Prozent rechnet das ifo mit ebenfalls minus 0,1 Prozent im dritten Quartal. Das bedeutet: Deutschland schlittert in die technische Rezession. Das entspricht den Erwartungen, so das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI). Jedoch sei die Abschwächung der Konjunktur deutlicher ausgefallen als zuvor angenommen.

Insgesamt dürften die prognostizierte leichte Erholung im vierten Quartal und die starken plus 0,4 Prozent aus dem ersten Vierteljahr trotzdem ein Plus von 0,5 Prozent für das Gesamtjahr bedeuten.

„Dieser Abschwung wurde durch eine Reihe weltpolitischer Ereignisse ausgelöst, die eine über Jahrzehnte gewachsene, globale Wirtschaftsordnung in Frage stellen“, sagt Wollmershäuser. Unter den EU-Staaten spürt Deutschland die schlechte Weltwirtschaftslage am deutlichsten, da es stark nach außen geöffnet ist und auf Exporte baut. Dabei litt eine Schlüsselindustrie des Landes, der Automobilsektor, besonders unter einem Abflauen der Nachfrage.

Handelskonflikte: Deutschland schlittert in die Rezession

Deutschland bereitet sich auf die Rezession vor, die Stimmung in den Unternehmen ist so schlecht wie zuletzt während der großen Weltwirtschaftskrise. Die Forderungen nach mehr Investitionen werden immer lauter – möglicherweise aus den falschen Gründen.

Auch für das kommende Jahr wurde der Ausblick der ifo-Prognose pessimistischer: Statt bislang 1,7 Prozent erwartet das Institut jetzt nur noch 1,2 Prozent Wachstum. Für 2021 veranschlagen die Forscher 1,4 Prozent.

„Die Konjunkturschwäche hat ihre Spuren mittlerweile auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen“, sagt Wollmershäuser. Während die Beschäftigung in der Industrie bereits seit dem Frühjahr sinkt, kam der bislang kräftige Zuwachs bei den privaten Dienstleistern und im Baugewerbe im Sommer zum Erliegen. Die Arbeitslosigkeit steigt bereits den vierten Monat in Folge, und der Anteil der Unternehmen, die Kurzarbeit angemeldet haben, hat deutlich zugenommen. Für 2020 erwartet das ifo einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen auf 2,313 Millionen, von 2,275 in diesem Jahr. Die Zahl der Beschäftigten soll allerdings weiter langsam zunehmen, von 45,2 Millionen über 45,4 auf 45,5 Millionen im Jahre 2021.

Währendessen stützen die hohen Einkommenszuwächse der privaten Haushalte die Konjunktur. Hintergrund sind die kräftigen Tariflohnsteigerungen und die Ausweitung der staatlichen Transfer-Leistungen.

Der Finanzüberschuss des Staates wird laut ifo von 45,8 Milliarden Euro in diesem Jahr wird im kommenden Jahr auf 23,1 abschmelzen und 2021 dann weiter auf 18,6 Milliarden sinken.

Anders entwickelt sich der viel kritisierte Überschuss der Leistungsbilanz, also die Summe von Exporten, Importen, Dienstleistungen und Übertragungen. Er wird von 245 Milliarden über 258 auf 265 Milliarden Euro 2021 steigen.

Vor diesem Hintergrund wird die heutige EZB-Pressekonferenz von Mario Draghi mit Spannung verfolgt werden. Kommt der geldpolitische Knall? Das HWWI meint dazu, es sei zu erwarten „dass die Geldpolitik hier noch nachlegen wird, wenngleich die geldpolitischen Handlungs- und Wirkungsspielräume deutlich kleiner geworden sind.“

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