Was folgt aus der Niki-Pleite?

Die Zukunft der Niki-Airline ist weiterhin ungewiss. [Shutterstock]

Nach der gescheiterten Übernahme durch die Lufthansa steht die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki vor der Pleite. Österreichs Regierung muss die Rückholung Tausender Passagiere organisieren. Deutschland wird einen Teil des Staatskredits von Air Berlin nicht zurückbekommen.

„Insolvenz und Grounding von Niki sind jetzt die Folge“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch. Ein Teil des 150 Millionen-Euro-Staatskredites an Air Berlin könnte verloren sein, weil er mit den Verkaufserlösen abgesichert war. Die Lufthansa hat sich kurzfristig gegen eine Übernahme von Niki entschieden – weil die kartellrechtlichen Bedenken der EU-Kommission zu groß waren. Damit könnten kurz vor Weihnachten rund 1.000 Mitarbeiter ihren Job verlieren und tausende Passagiere stranden.

Air Berlin prüft nach eigenen Angaben derzeit „Verwertungsalternativen“ für Niki. Zuletzt hatte das Unternehmen auch mit der British-Airways-Mutter IAG und der Thomas Cook-Tochter Condor verhandelt. Die Bundesregierung betonte jedoch dazu: „Alternative Käufer für Niki standen und stehen bis heute nicht zur Verfügung, trotz allerlei öffentlicher Ankündigungen und intensiven Bemühens des Generalbevollmächtigten von Air Berlin.“ IAG hatte jüngst abgewinkt, Condor wollte sich nicht äußern. Die Lufthansa hatte Niki zuletzt mit einer Brückenfinanzierung in zweistelliger Millionenhöhe in der Luft gehalten – diese fällt nun weg.

Die schwierige Lage ruft auch Österreichs Regierung auf den Plan. „In Sachen Niki braucht es eine Lösung, die möglichst viele heimische Arbeitsplätze sichert und gerade jetzt, in der anstehenden Reisezeit rund um Weihnachten, Chaos für die Kundinnen und Kunden vermeidet“, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Wien.

Die Lösung werde in enger Abstimmung mit der EU-Kommission und Deutschland zu finden sein. Der Sprecher wollte nicht kommentieren, ob es von der Regierung möglicherweise einen Überbrückungskredit für Niki geben könnte.

Zunächst muss die Regierung die Rückholung Tausender Reisender organisieren. Betroffen seien rund 5.000 Reisende, sagte am Donnerstag ein Sprecher des österreichischen Verkehrsministeriums und korrigierte damit Angaben von Minister Jörg Leichtfried nach unten. Er hatte von bis zu 10.000 Betroffenen gesprochen.

Mit dem Insolvenzantrag verlieren nämlich alle ausgestellten und bezahlten Niki-Flugtickets ihre Gültigkeit, wie Insolvenzverwalter Lucas Flöther erklärte. Knapp 40.000 Passagiere haben demnach bis zum 27. Dezember den Heimflug mit Niki geplant – rund 15.500 von ihnen hätten selbst gebucht, rund 25.500 über Reiseveranstalter und Reisebüros.

Lufthansa treibt nach Air-Berlin-Pleite Preise hoch

Die Lufthansa macht sich nach dem Aus für Air Berlin ihre Vormachtstellung zunutze. Die EU könnte das unterbinden.

Lufthansa hatte sich im Oktober mit der insolventen Air Berlin darauf geeinigt, Niki und LGW für 210 Millionen Euro zu übernehmen. Das Scheitern des Deals dürfte auch dazu führen, dass die Bundesregierung ihren Staatskredit an Air Berlin nicht vollständig zurückbekommt, wie Seibert einräumte. Air Berlin teilte mit, der Kaufpreis von rund 18 Millionen Euro für LGW werde bei Vollzug des Kaufvertrags angepasst und im Wesentlichen zur Tilgung des KfW-Darlehens eingesetzt. Lufthansa hält an der Übernahme der Dortmunder Regionalflugtochter fest. Die EU-Kommission erklärte, im Fall der Niki-Übernahme noch keine Entscheidung getroffen zu haben. Nun werde man die weitere Kartelluntersuchung auf LGW konzentrieren.

Die EU-Kommission hatte zuvor bekräftigt, dass Lufthansa auf einigen Strecken ein Monopol haben könnte und sich sehr skeptisch zum Deal geäußert. „Wir haben ziemlich starke Wettbewerbsbedenken“, sagte die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager am Freitag in Brüssel.

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