Absatz von Neuwagen in Europa bricht wegen Chipmangels brutal ein

Die europäische Autoindustrie ist stark vom Halbleitermangel betroffen. [Shutterstock]

Der Halbleitermangel bremst die Autohersteller in Europa brutal aus. Im September fiel der Absatz im Vergleich zum Vorjahresmonat um 23,1 %, wie der Herstellerverband Acea am Freitag (15. Oktober) in Brüssel mitteilte.

Auch der Verkauf der stark nachgefragten Elektroautos leidet, weil die Hersteller nicht genügend Fahrzeuge anbieten können. Laut Acea fiel der Absatz im September auf 718.598 Autos und damit auf das Niveau von 1995.

Die erhoffte rasche Erholung nach der Corona-Krise fällt wegen des Chipmangels aus. Der globale Halbleitermangel belastet zahlreiche Wirtschaftsbereiche, besonders aber die Automobilindustrie, die Halbleiter in vielen Teilen verbaut: Motorsteuerung, Bremssystem, Einparkhilfe oder Airbag.

Wegen der Chipkrise hatten in Deutschland während der letzten Monate Volkswagen, Daimler, BMW und Opel ihre Produktion für Tage oder Wochen herunterfahren und die Beschäftigten in Kurzarbeit schicken müssen.

Eine kurzfristige und durchgreifende Besserung sei derzeit nicht zu erwarten, erklärte Autoexperte Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY. Materialengpässe und Lieferketten würden die Branche noch bis weit ins Jahr 2022 beschäftigen. „Erst zur Jahresmitte rechnen wir mit einer spürbaren Entspannung der Situation.“

Dies haben – für die Gesamtwirtschaft – auch die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute prognostiziert. Laut EY stieg der Absatz von E-Autos im September in den fünf größten Märkten Westeuropas (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) zwar um 60 % im Vorjahresvergleich.

Im August war die Zahl aber um 67 % und im ersten Halbjahr um 147 % nach oben gegangen. Bei Plug-in-Hybriden betrug die Steigerung im September in den fünf Märkten nur noch 28 %, wie EY mitteilte. Im August hatte die Wachstumsrate noch bei 52 % gelegen, im ersten Halbjahr bei 174 %.

Die „stärkere Absatzdynamik“ bei reinen Elektroautos werde sich fortsetzen, erwartet Fuß: „Es ist klar, dass Plug-in-Hybride nur eine Brückentechnologie darstellen und dass die Entwicklungsressourcen eindeutig auf reine Elektroautos konzentriert werden.“

Der Dieselantrieb verliert rapide an Bedeutung; der Anteil von Dieselautos lag im September bei nur noch 15,2 % aller Neuwagen. Laut EY wurden im September in Deutschland und in Österreich erstmals mehr E-Autos als Dieselfahrzeuge neu zugelassen.

In Großbritannien war dies bereits im Juni der Fall. Der Technologiewandel finde „in einem enormen Tempo“ statt, konstatierte Fuß.

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