2017 weltweit mehr Millionäre als jemals zuvor

Nach dem Sex-Skandal um Oxfam in Haiti spricht die Kommission von "null Toleranz" bei einem Verstoß gegen ethische Standards. [Stepahanie Lecocq/EPA]

Laut einem Bericht der NGO Oxfam gab es 2017 eine neue Rekordzahl an Millionären weltweit. Jeden zweiten Tag kam ein neuer Millionär hinzu – auch dank Steuervermeidung. EURACTIV.fr berichtet.

Die Konzentration des globalen Reichtums geht weiter, heißt es im Bericht „Reward work, not wealth“ von Oxfam. Die Organisation veröffentlicht ihren Millionärs-Bericht jährlich zum Start des Weltwirtschaftsforums in Davos, um die Ungleichheit in der Welt aufzuzeigen. So sind im vergangenen Jahr 82 Prozent des generierten Vermögens dem reichsten Prozent der Weltbevölkerung zugutegekommen, während die ärmsten 50 Prozent keinerlei finanzielle Verbesserungen erfuhren.

Dementsprechend steigt auch die Zahl der Millionäre. 2017 gab es den höchsten Anstieg aller Zeiten: Jeden zweiten Tag gab es einen neuen Dollar-Millionär auf der Erde. Laut Oxfam-Bericht ist diese Entwicklung unter anderem auf Erbe, Monopole und/oder „enge Beziehungen“ zu Regierungen zurückzuführen.

Steuervermeidung verschärft Ungleichheit

Außerdem profitieren gerade die Superreichen von Steuervermeidung und -hinterziehung. Der Ökonom Gabriel Zucman erklärt, das reichste Prozent der Bevölkerung habe vergangenes Jahr dadurch 200 Milliarden Dollar „gespart“.

Oxfam-Sprecherin Manon Aubry: „Die Unternehmen profitieren auf Kosten der Arbeiter. Diese Profite werden dann in Steueroasen verschoben, sodass die Konzerne noch höhere Gewinne erzielen. Dieser unversteuerte Reichtum kann weder umverteilt noch dazu genutzt werden, sozialpolitische Maßnahmen zur Bekämpfung der Ungleichheit zu finanzieren.“

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Wachsende Ungleichheit auch in Frankreich

Solche Ungleichheits-Tendenzen finden sich auch in Europa. In Frankreich gingen 2017 rund 28 Prozent des erwirtschafteten Einkommens an das reichste Prozent, während die ärmste Hälfte der Franzosen von lediglich fünf Prozent profitierte.

Das liegt in Frankreich hauptsächlich an den Aktionärsrenditen. Im Bericht heißt es: „Frankreich ist bei der Verteilung von Unternehmenseinkommen an Anteilseigner Spitzenreiter in Europa.“ Dies gelte besonders für die Großkonzerne Total, Sanofi und BNP Paribas.

 „Die Gesellschaft Frankreichs galt lange als vergleichsweise wenig ungleich. Seit den 1980er-Jahren haben sich die Ungleichheiten aber massiv verschärft – insbesondere, weil öffentliche Investitionen fehlen und Gesetze erlassen wurden, die eine stärkere Deregulierung fördern,“ erläutert Aubry.

Vor diesem Hintergrund kritisiert Oxfam auch Präsident Emmanuel Macron und seine Steuerreform, die aus Sicht der NGO durch eine Herabsetzung der Steuersätze auf hohe Einkommen und große Unternehmen „den Reichen noch mehr Geld zuschanzt.“

Die Organisation fordert von der französischen Regierung deswegen Maßnahmen gegen die Ungleichheit. Solche Reformen müssten aus ihrer Sicht auf drei Prinzipien beruhen: Begrenzung der Aktionärsrendite und der Einkommen der Führungen von Unternehmen, Schritte gegen Steuervermeidung, und Einführung eines Steuersystems, das echte Umverteilung ermöglicht.

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