15 Milliarden Euro und „grüne“ Ziele für Frankreichs Luftfahrtbranche

Volle Kraft voraus für die französische Luftfahrtindustrie: Präsident Emmanuel Macron während einer Flugshow in Le Bourget im Jahr 2017. [EPA/Michel Euler / POOL MAXPPP OUT]

Die französische Regierung hat heute ein 15 Milliarden Euro schweres Unterstützungspaket für die lukrative, aber angeschlagene Luft- und Raumfahrtbranche Frankreichs vorgestellt. Das Programm umfasst einen 500 Millionen Euro schweren Investitionsfonds für kleinere Unternehmen sowie einen Plan zur Einführung eines CO2-neutralen Flugzeugs bis 2035.

Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire sagte bei der heutigen Präsentation, das Paket ziele in erster Linie auf die Rettung von 300.000 direkt und indirekt mit dem Sektor verbundenen Arbeitsplätzen sowie auf die 1.300 Unternehmen, die an der umfangreichen Lieferkette in der Luft- und Raumfahrt beteiligt sind.

„Wir erklären praktisch einen Ausnahmezustand, um unsere Luftfahrtindustrie zu retten; damit sie wettbewerbsfähiger werden kann,“ sagte Le Maire der Presse in Paris. „Hätten wir nicht sofort eingegriffen, wäre ein Drittel der Arbeitsplätze in diesem Sektor weggefallen“, so der Minister weiter.

AirFrance/KLM fordert: Flugsteuern wegen Coronavirus verschieben

Der Vorstandsvorsitzende von Air France-KLM hat gefordert, dass Pläne zur Erhebung von Umweltsteuern auf den Flugverkehr wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus verschoben werden sollten.

Das angekündigte Paket beinhaltet die sieben Milliarden Euro, die die Führung in Paris bereits zugesagt hat, um die nationale Fluggesellschaft Air France zu unterstützen, sowie eine Reihe weiterer Maßnahmen, darunter 300 Millionen Euro für Modernisierungen sowie einen gemeinsamen Investitionsfonds mit vier großen Konzernen (Airbus, Safran, Dassault und Thales) im Wert von zunächst 500 Millionen Euro.

Schwer getroffene Branche

Das komplexe Netzwerk von Herstellern und Zulieferern in der Luftfahrtbranche ist vom Coronavirus-Ausbruch hart getroffen worden. Die Nachfrage nach Flugreisen sank rapide – was sich auch in den Auftragsbüchern von Flugzeugbauern wie Airbus und Boeing niederschlug.

Fluggesellschaften auf der ganzen Welt stehen vor dem Bankrott und versuchen aktuell, bestehende und zugesagte Aufträge für neue Maschinen zu reduzieren, um ihre Finanzlage zu stabilisieren.

Als Teil des Plans von Le Maire soll der Staat daher auch mit Banken und Zulieferern gemeinsam an der Frage arbeiten, wie die durch die Verlangsamung der Nachfrage entstandene Flut an zusätzlichen Bauteilen bewältigt werden kann. Außerdem sollen die an Airbus vergebenen Rüstungsaufträge in Höhe von insgesamt 600 Millionen Euro eingehalten und sogar beschleunigt umgesetzt werden.

Zusätzlich zu den Corona-Sorgen: US-Flugzeugzölle treten in Kraft

Das Weiße Haus versetzte der europäischen Luftfahrtindustrie heute einen weiteren Schlag: Um Mitternacht sind die Zollerhöhungen für EU-Flugzeuge in Kraft getreten.

Der Vorstandsvorsitzende von Airbus, Guillaume Faury, hatte in einem Interview in der vergangenen Woche bereits nahegelegt, es solle auf EU-Ebene eine Art „Abwrackprämie“ für die Luftfahrtbranche geben, um die Nachfrage nach neuen Maschinen anzukurbeln: „Es gibt aktuell eine geringere Nachfrage, also brauchen wir weniger Flugzeuge. Lassen Sie uns also die alten Flugzeuge, die viel Treibstoff verbrauchen und viel CO2 erzeugen, in den Ruhestand schicken und den schnelleren Übergang zu neuen Flugzeugen durch ein Förderprogramm unterstützen,“ sagte er im Gespräch mit dem Online-Magazin Politico.

„Wir glauben, dass es aus Business-Sicht wirklich gute Gründe gibt, dies für Europa zu tun,“ fügte Faury hinzu.

„Grünes“ Fliegen

Der französische Rettungsplan für die Luft- und Raumfahrt soll derweil nicht nur die führende Rolle des Landes beim Bau von Flugzeugen und anderen Maschinen sicherstellen, sondern auch Umweltziele berücksichtigen. 1,5 Milliarden Euro werden ausdrücklich für Forschung und Entwicklung bereitgestellt.

Unter anderem wird der Branche das Ziel gesetzt, bis 2035 einen CO2-neutralen Nachfolger des marktführenden A320 auf den Markt zu bringen. Erste Protoypen sollen bis 2028 vorgestellt werden. Im Plan wird vorgeschlagen, dafür entweder Motoren zu entwickeln, die vollständig mit Biokraftstoffen betrieben werden können, oder gleich auf Wasserstoff als emissionsfreien Kraftstoff zu setzen.

Für Regionalflüge wird in der Regierungsstrategie ein hocheffizientes Hybrid-Elektro- oder Wasserstoff-Flugzeug anvisiert, das für kürzere Distanzen eingesetzt werden könnte.

Airbus hatte aufgrund der Pandemie erst kürzlich Pläne zur Vorstellung eines Hybridflugzeugs im kommenden Jahr verworfen.

"Technisch ist CO2-neutrales Fliegen schon jetzt kein Problem"

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Indes haben die Verkehrsministerien aus sechs EU-Staaten (Finnland, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, die Niederlande und Spanien) die Kommission aufgerufen, Minimalkriterien für nachhaltige Flugtreibstoffe zu definieren. Die Produktion von saubereren Alternativen zu Kerosin müsse angekurbelt werden.

Der Druck der Mitgliedstaaten, die Umweltauswirkungen des Luftverkehrs zu verringern, während sich der Sektor wirtschaftlich wieder fängt, könnte nun auch die EU-Kommission dazu veranlassen, eine härtere Gangart gegenüber der Industrie einzuschlagen. Diese hatte sich zuvor vor allem wegen der stetig steigenden Passagierzahlen schwer getan, ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren.

Die Kommission prüft bereits, wie Flugzeugtreibstoff, der bisher von Abgaben befreit war, künftig besteuert werden kann.

[Bearbeitet von Benjamin Fox und Tim Steins]

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