„Übernahmen aus China machen mir keine Sorgen“

Renate Pilz ist Vorsitzende der Geschäftsführung der Pilz GmbH & Co. KG. [Bild: PR]

Nicht erst seit der Kuka-Übernahme und dem gescheiterten Versuch bei Aixtron blickt der Maschinenbau nach China. Die Chefin von Pilz-Automation macht sich deshalb keine Sorgen – wohl aber um den Unternehmer-Nachwuchs.

WirtschaftsWoche: Frau Pilz, seit einigen Jahren schaut der deutsche Mittelstand vermehrt nach Fernost – mal hoffnungsvoll wegen der neuen Geschäftsmöglichkeiten, mal besorgt bis ängstlich wegen der drohenden Übernahmen durch finanzstarke Investoren aus China. Zu welcher Gruppe gehören Sie?

Renate Pilz: Auf keinen Fall ängstlich! Wir haben seit über 20 Jahren eine Vertriebsgesellschaft in China, seit anderthalb Jahren auch eine eigene Produktion. Kurzum: Wir sind sehr zufrieden.

Zuletzt hat das Veto der USA im Falle der Aixtron-Übernahme hohe Wellen geschlagen. Sollen solche unternehmerischen Entscheidungen in diesem Ausmaß von der Politik beeinflusst werden dürfen?

Aus meiner Sicht ist es die Aufgabe der Politik, Protektionismus zu verhindern. Wir brauchen offene Märkte. Für diesen Rahmen hat die Politik zu sorgen, sollte sich aber nicht weiter in die Wirtschaft einmischen. Den Rest müssen die Unternehmen selbst lösen. Der Fall Aixtron muss aber mit einem anderen Blick betrachtet werden, da die USA befürchten, dass die Produkte für militärische Zwecke genutzt werden können.

Müssen Rahmenbedingungen nicht auf Gegenseitigkeit beruhen?

Unbedingt. Wenn man sich die Fortschritte anschaut, die China kulturell und auch politisch gemacht hat, wäre das sicher nicht ohne die wirtschaftliche Öffnung der letzten Jahrzehnte gegangen.

Sie hatten selbst ein Angebot aus China. Warum haben Sie sich dagegen entschieden?

Wir haben im Laufe der Zeit immer wieder Angebote von anderen Unternehmen bekommen. Nicht nur aus China, auch Firmen aus anderen Ländern hätten uns gerne in ihrem Portfolio gesehen. Aber wir sind ein familiengeführter Mittelständler und wollen das Unternehmen auch in Familienbesitz weiterführen – und das unabhängig. Es ist also unsere Firmen-Philosophie und nicht speziell gegen chinesische Investoren gerichtet.

Und außerhalb des eigenen Unternehmens?

Deutsche und europäische Firmen übernehmen andere Unternehmen ja auch. Man kann niemandem das verwehren, was man anderen zugesteht. Es muss nur fair zugehen. Dass chinesische Unternehmen jetzt deutsche Firmen übernehmen, macht mir keine Sorgen, solange es fair zugeht und die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Die Mitarbeiter sind für uns das Wichtigste.

Was ist für Sie fair?

Die Marktmechanismen müssen für alle gelten und alle müssen sich daran halten.

Um in der digitalen Welt und einer vernetzten Industrie mithalten zu können, sind hohe Investitionen notwendig. Schafft Pilz das ohne einen externen Investor?

Wir haben externe Investoren noch nie in Anspruch genommen. Wir investieren seit Jahren 20 Prozent unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung – nicht erst seit Industrie 4.0, sondern seit der Gründung unseres Unternehmens. Mit diesen Investitionen ist es uns gelungen, in unserer Branche immer wieder Standards zu setzen. Als klassischer Mittelständler müssen wir uns jeden Tag gegen die Großen behaupten. Und das geht am besten, wenn wir selbst entscheiden und investieren können. Und das wird auch weiter so bleiben.

Haben Sie im Haus bereits das Knowhow und die Ausrüstung bei der Sie sagen würden: „Damit sind wir für die Herausforderungen gut gerüstet“?

Ja. Wir haben bereits vor knapp zehn Jahren Jahren ein dezentrales Automatisierungssystem für vernetzte Anlagen auf den Markt gebracht, als noch gar nicht über Industrie 4.0 gesprochen wurde. In der Automatisierungstechnik spielen Steuerungen und Sensoren nicht erst seit 2011 eine große Rolle, daran arbeiten wir schon lange. Dazu kommt natürlich, dass wir unsere Entwicklungen auch in der eigenen Produktion einsetzen und erproben können.

Wo fehlt es noch? 

Industrie 4.0 kann noch gar nicht vollständig umgesetzt sein, denn es ist ein laufender Prozess. Die Auswirkungen durch die Digitalisierung werden enorm sein, hier stehen wir erst ganz am Anfang. Genauso wichtig wie die technische Entwicklung ist es jedoch, die Mitarbeiter mitzunehmen. Das geht am allerbesten, wenn die Mitarbeiter in ihrer tagtäglichen Arbeit sehen können, wohin die Entwicklung geht, welche Vorteile und Aufgaben sie bietet. Das kommt in großen Schritten.

Das Interview wurde gekürzt. Den vollständigen Text finden Sie hier.
wirtschaftswoche

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