„One Belt, One Road, One Million“

2018 seien mehr als 280.000 Container registriert worden. Die totale Anzahl, die im selben Jahr zwischen China und Europa ausgemacht wurde, liege bei etwa 370.000 Transportation Unit. [EPA/BODO MARKS]

Die neue Seidenstraße hat das Potential, den Warenverkehr zwischen China und Europa auf der Schiene wettbewerbsfähiger als auf dem Seeweg zu machen. EURACTIV sprach mit dem Transportunternehmer Alexey Grom über die Entwicklung des eurasischen Eisenbahnprojekts, die neue Seidenstraße und den Expansionskurs nach Europa.

Alexey Grom ist seit 2018 Vorstandvorsitzender von United Transport and Logistics Company – Eurasian Rail Alliance (UTLC ERA). Er absolvierte 1993 die Russian Transport University (MIIT) und 2004 die Stockholm School of Economics.

Der Warenverkehr zwischen Asien und Europa wächst rasant. Unternehmer wie Alexey Grom versprechen sich davon gute Geschäfte. „Eines unserer Ziele liegt darin, die Anzahl der zwischen den beiden großen Wirtschaftsmächten China und Europa transportierten Container zu erhöhen“, erklärt er. Sein Unternehmen strebe eine Rate von einer Million Tranportation Units, kurz TU, pro Jahr an. Eine TU entspricht 20 Containern.

UTLC ERA ist ein Dienstleister für Containertransporte auf der Schiene zwischen Europa, China und Südostasien. Das Unternehmen wurde gemeinsam von der Russischen, der Belarussischen und der Kasachischen Eisenbahn mit einer Beteiligung von je 33 Prozent gegründet.

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Bereits 2016 sei ein Drittel des von UTLC festgelegten Ziels von einer Millionen TU abgedeckt gewesen, führt Grom weiter aus. 2018 seien mehr als 280.000 Container registriert worden. Die totale Anzahl, die im selben Jahr zwischen China und Europa ausgemacht wurde, liege bei etwa 370.000 TU.  

Die Ausbreitung des Schienennetzes verteile sich auf drei große Länder, nämlich Russland, Weißrussland und Kasachstan, erklärt der Chef des Trabsportunternehmens. Nun möchte er sein Unternehmen auch in Europa etablieren. Grom ist überzeugt, dass sein Vorhaben relativ einfach umzusetzen ist, da Europa bereits in ein Eisenbahnsystem involviert ist.

Schon jetzt sind deutsche, polnische und österreichische Unternehmen die wichtigsten Kunden von UTLC ERA, sagt er. Das Frachtaufkommen zwischen China und der Slowakei, Italien und der Tschechischen Republik habe in letzter Zeit ein erhebliches Wachstum erfahren, auch französische Unternehmen zählen zu den Kunden, fügt er hinzu.

„Geografisch gesehen sind Polen und Deutschland leicht zugänglich, aber auch das Interesse in die süd- und westeuropäischen Staaten ist groß. Einige Züge von und nach Frankreich, Italien, die Niederlande oder Belgien fahren schon,“ so Grom weiter.

„Die Umsetzung dieses Projekts war vor drei Jahren noch utopisch, doch im Laufe der letzten Jahre traten immer mehr Länder dem Unternehmen bei, der Konzern konnte zunehmend Kunden für sich gewinnen,“ so Grom weiter.

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Vorteil durch Geschwindigkeit

Auf die Frage, wie das Unternehmen mit den unterschiedlichen Spurweiten der Schienen zwischen den verschiedenen Ländern umgeht, antwortet Grom mit einem Beispiel: Auf einer Strecke von China nach Madrid würden mehr als 13.000 km zurückgelegt werden. Das sei die weltweit längste Route für den Transport von Containern, es dauert 17-18 Tage, bis die Fracht die Strecke passiert hat. Außerdem würden drei Landesgrenzen überquert werden: Kasachstan/China, Weißrussland/Polen und Frankreich/Spanien. An jeder dieser Grenze müssen alle Container auf einen neuen Zug transferiert werden. Diese hätten jedoch alle unterschiedliche Maße. Doch trotzdem könne man diese Maßnahme in unter eine Stunde bewältigen.

„Das Bahnnetz und die Container sind dank moderner Technologien dafür ausgestattet, solche Manöver schnell zu vollziehen,“ so Grom. Der Vorteil zum Transport über den Seeweg: es geht erheblich schneller. „Alle technologischen Bemühungen sind darauf ausgelegt, die Überlieferungszeit der Güter zu minimieren. Deswegen nehmen vor allem Kunden mit einem sensiblen Zeitplan diese Form des Transports in Anspruch“ sagt Grom.

„Kunden legen mehr Wert auf Schnelligkeit als auf Kosten,“ fügt er hinzu. Spielzeug- und Textilwaren sowie Nahrungsmittel gehören zu den von UTLC ERA meist transportierten Waren, doch auch der Handel mit preisgünstigeren Gütern wachse.

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Er verweist auf den Eurasian Rail Alliance Index (ERAI-Index), der es Kunden ermöglicht, aktuelle und transparente Informationen über die Kosten des Schienentransports zu erhalten. Außerdem bittet diese Plattform eine vergleichende Analyse für verschiedene Zeiträume, fügt er hinzu.

Darüber hinaus können Kunden sich direkt ein Angebot für die benötigten Container holen. Dabei geht vor allem darum, Informationen über Kosten, Schnelligkeit und Strecke so nah wie möglich an den Kunden zu bringen, so Grom.

Teil der neuen Seidenstraße

Im wachsenden Güterverkehr zwischen China und Europa sieht der Transportunternehmer eine kommerzielle Chance für sein Unternehmen, Teil der neuen Seidenstraße zu werden.

„Ich hoffe doch, dass wir zur neuen Seidenstraße gehören“, sagt Grom. „Allein von der chinesischen zu polnischen Grenze sind es 5.500 Kilometer. Damit decken wir ein Drittel der gesamten modernen Seidenstraße ab.“

Für die teilnehmenden Länder, Russland, Weißrussland, Kasachstan und China sei der gemeinsame Schienenverkehr von großem Vorteil, meint Grom. Neben der Eisenbahnindustrie würden sich auch andere Schwerindustrien wie z.B. die IT-Branche vergrößern. Das käme auch China zugute, das schon jetzt dank der Schienenanbindung mehr europäische Handelspartner habe als zuvor.

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