Kreditkarten: „Neue EU-Regeln könnten diskriminieren“

"Falls der Verbraucher gezwungen wird, all die Kosten einer Kartenzahlung selbst zu tragen, werden die Menschen wieder mehr mit Bargeld bezahlen wollen", sagt MasterCard-Chef Javier Perez. © Daniel Rennen / PIXELIO

Interview mit MasterCard-Chef Javier PerezIn Kürze wird die EU-Kommission neue Regeln für Zahlungsdienste vorschlagen. Darin sollen auch die Abwicklungsgebühren für Kartentransaktionen reguliert werden. Im Interview mit EURACTIV erklärt Javier Perez, Präsident von MasterCard Europe, wieso er unfaire Nachteile gegenüber Wettbewerbern befürchtet.

Zur Person

" /Javier Perez ist Mitglied des Management Council von MasterCard. Er ging 1996 zu MasterCard. Zuvor hatte er Führungspositionen bei Banco de Vizcaya Argentaria (BBVA), Banca Catalana und Visa International inne.

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EURACTIV: Eine Studie des Research Center for Financial Services der Steinbeis Hochschule Berlin sagt, dass die Nutzung von Bargeld relativ hohe Kosten verursacht: 150 Euro pro Jahr und Person. Sollte die EU-Kommission dies in ihren Plänen zur neuen Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD) berücksichtigen, die sie demnächst vorlegen will?

PEREZ: Falls der Verbraucher gezwungen wird, all die Kosten einer Kartenzahlung selbst zu tragen, während die Kosten zuvor geteilt wurden, werden die Menschen wieder mehr mit Bargeld bezahlen wollen. Schließlich denken sie, Bargeld sei kostenlos. Wenn wir also die Karten sehr teuer machen, werden sie sagen: "Hier habe ich kostenloses Bargeld, warum sollte ich für die Karte zahlen?"

Das wäre wirtschaftlich gesehen ein Desaster, da man eine kostengünstigere Zahlungsform durch eine teurere ersetzen würde. Zudem befördert Bargeld Steuerhinterziehung, Schattenwirtschaft und weitere rechtswidrige Handlungen.

EURACTIV: Denken Sie, dass die Kosten des Bargelds in der Folgenabschätzung der EU-Kommission eine Rolle spielen werden?

PEREZ: Wenn wir die Vergangenheit als einen Indikator für die Zukunft nehmen, sollten wir uns Sorgen machen. Denn die Kommission stützte ihre Ausgangsuntersuchung für den Gesetzesentwurf auf die "20/30-Vereinbarung", nach der Karten für Transaktionen mit 0,20 Prozent taxiert wurden und Bargeld mit 0,30 Prozent. Die EU-Kommission kündigte schon vor dreieinhalb Jahren an, dass sie eine Studie über die Kosten von Bargeldzahlungen durchführen werde. Bisher ist jedoch nichts passiert.

EURACTIV: In wenigen Tagen findet eine mündliche Verhandlung vor dem Europäischen Gerichtshof statt, bei der MasterCard das 2007 erlassene EU-Verbot bestimmter Abwicklungsgebühren kippen will. Wieso sorgen Sie sich, dass die EU-Kommission die Regelungen zu Abwicklungsgebühren auf ihre Erfahrungen mit MasterCard und Visa stützt?

PEREZ: Die nächste Anhörung wird im Juli stattfinden. Es handelt sich um eine formelle Anhörung, die bereits läuft und weiter fortgesetzt wird. Am Ende des nächsten Jahres wird das Gericht dann eine abschließende Entscheidung zu unserem Einspruch treffen. Das ist ein anderes Thema, unabhängig vom Gesetzgebungsprozess. Die Gesetzgebung muss diejenigen Bereiche, in denen Probleme vorliegen, verbessern.

Sollten die bisherigen Erfahrungen ein Indikator für die Zukunft sein, ist meine Annahme simpel – auch wenn sich die Dinge natürlich ändern können: Dann wird die EU-Kommission den Abwärtspfad fortsetzen, den die Generaldirektion Wettbewerb der EU-Kommission [gegen Visa und MasterCard] eingeschlagen hat. Wenn also auch die Generaldirektion Binnenmarkt und Dienstleistungen die bisherige Strategie der Generaldirektion Wettbewerb fortsetzten, könnten wir eine erzwungene Verringerung der Abwicklungsgebühren erwarten.

Vermutlich werden große Akteure wie American Express und Paypal von einer solchen Regelung ausgenommen werden. Ich vermute das deshalb, weil die EU-Kommission bisher noch keine Schritte gegen sie unternommen hat. Dieses Szenario müssen wir uns vor Augen halten. Es ist nicht zu vermeiden, dass die Abwicklung von Zahlungen mit Kosten verbunden ist. Man kann nicht vortäuschen, dass Zahlungen kostenlos sind.

Was wir uns stattdessen fragen müssen ist: Um was für Kosten handelt es sich? Und wer sollte diese Kosten tragen? Die Debatte sollte zukunftsgerichtet sein, um den Kern einer Zahlungsindustrie zu bilden, die für die Zukunft der Wirtschaft essentiell ist – und auf die der E-Commerce und die Digitalwirtschaft basieren werden.

EURACTIV: Machen Sie sich auch Sorgen, dass bisher noch nicht erfundene, neue Technologien die Regulierung umgehen könnten?

PEREZ: Ich habe nichts gegen neue Akteure. Ganz im Gegenteil: Wir halten Minderheitsbeteiligungen an neuen Produkten (etwa an C-Sam, ein Anbieter digitaler Geldbörsen, sogenannter „mobile wallet solutions“). Diese werden das Spektrum der Zahlungsangebote ausweiten.

Wir haben also absolut nichts gegen Wettbewerb. Wir haben nur etwas dagegen, wenn Gewinner und Verlierer ausgewählt werden. Und wenn jemand sagt: "MasterCard, du darfst dich nicht am Wettbewerb beteiligen!" Warum? Weil das kein Golfspiel ist, bei dem einer ein Handicap hat und du dem anderen Spieler 24 Schläge überlassen musst. Besonders dann nicht, wenn das schlecht für den Verbraucher ist.

Bisher hat noch niemand behauptet, wir würden den Markt beherrschen. Wenn das also nicht der Fall ist, warum sollten wir dann nicht das Recht haben, uns dem Wettbewerb zu stellen? Wir haben sogar die Kosten für Zahlungen an Einzelhändler dramatisch reduziert. Und wir haben ihnen ermöglicht, die Eröffnung neuer Läden zu vermeiden, indem sie online expandieren können.

Das Interview führte Jeremy Fleming von EURACTIV Brüssel.

Links

EURACTIV Brüssel: MasterCard chief: ‚New card rules could discriminate‘

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