Weniger faule Kredite im Euro-Finanzsektor

Im Jubiläumsjahr der Lehman-Pleite kämpft die EU weiter mit faulen Krediten. [shutterstock]

Am gestrigen Donnerstag stellte die EU-Kommission ihren Fortschrittsbericht zum Abbau notleidender Kredite vor. Es geht voran.

Im Nachgang der großen Finanzkrise gilt der hohe Anteil notleidender Kredite – also von Krediten mit hohem Ausfallrisiko – als eines der größten Probleme des Euro-Finanzsektors. Aber auch politisch stellen die prekären Bankbilanzen ein Problem da. So sieht die Vollendung der Bankenunion auch eine gemeinsame Einlagensicherung vor. Deutschland und andere stellen sich quer, solange das Ausmaß fauler Kredite in anderen Ländern so hoch ist, dass die nächste Bankenkrise nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint. Die EU-Kommission verabschiedete daher im Juli 2017 einen Aktionsplan zur Reduzierung der faulen Papiere in den Bankbilanzen.

Finanz-Richtlinie MiFID II besteht ersten Test

Trotz vorheriger Bedenken und einiger Verzögerungen bewerten Gesetzgeber, Regulierungsbehörden und Experten die Einführung der MiFID II-Richtlinie zur Finanzregulierung positiv.

Nun legte sie den ersten Fortschrittsbericht vor. Aus diesem Anlass erklärte der zuständige Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis: „Zur Verringerung der Risiken im Bankensektor und zur Vollendung der Bankenunion ist es unerlässlich, die Zahl der notleidenden Kredite zu senken. Die gemeinsamen Anstrengungen von Banken, Aufsichtsbehörden, Mitgliedstaaten und Kommission tragen bereits Früchte. Doch müssen wir uns auch künftig für einen weiteren Abbau der NPL-Bestände einsetzen. Wir möchten, dass die Banken in allen EU-Ländern ihre volle Kapazität für die Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte zurück erlangen und gleichzeitig der Anhäufung neuer fauler Kredite vorbeugen.“

Mit den Ergebnissen der Untersuchung zeigt sich die Kommission zufrieden. So sei der Anteil notleidender Kredite in nahezu allen Ländern zurückgegangen. Im EU-Durchschnitt liegt die Quote bei 4,6 Prozent. Vor zwei Jahren lag sie noch über sechs Prozent. Die Kommission wertet das als Beleg, dass „der Risikoabbau im europäischen Bankensystem konsequent fortgesetzt wird“. Allerdings ist dem Bericht auch zu entnehmen, dass die Quote in neun Mitgliedsländern im zweistelligen Bereich liegt.

Vor allem in Italien, Griechenland und Portugal stellen faule Kredite nach wie vor ein hohes Risiko für die Finanzstabilität da. Die Gefahr einer weiteren großen Finanzkrise im südeuropäischen Raum ist lange nicht gebannt.

Die Kommission will daher im Frühjahr diesen Jahres ein Maßnahmenpaket vorschlagen, um die Bestände notleidender Kredite zu senken. Enthalten sein sollen aufsichtliche Maßnahmen,  Reformen des Umschuldungs- und Insolvenzrahmens, die Entwicklung eines Sekundärmarktes für ausfallgefährdete Vermögenswerte sowie eine Förderung struktureller Maßnahmen im Bankensektor.

 

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