Weidmann will schnelle Wende bei der Geldpolitik

Bundesbank-Chef Jens Weidmann. [EPA/CARSTEN KOALL]

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat dazu aufgerufen, die Beendigung der in Deutschland umstrittenen Anleihekäufe im Euro-Raum nicht zu lange hinauszuzögern.

Das Ende der Käufe wäre erst der Anfang einer geldpolitischen Normalisierung, die einige Zeit in Anspruch nehmen werde, sagte Weidmann am gestrigen Mittwoch auf einer Veranstaltung in Mannheim. „Gerade deswegen ist es aber auch so wichtig, den Beginn nicht unnötig aufzuschieben.“ Eine Normalisierung verschaffe der Geldpolitik zudem wieder mehr Spielraum, um auf etwaige künftige konjunkturelle Einbrüche zu reagieren. “Denn ewig fortdauern wird auch der aktuelle Aufschwung nicht”, warnte Weidmann.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte vergangene Woche angesichts von Sorgen vor einem eskalierenden Handelsstreit und einer möglichen Abschwächung der Konjunktur noch keine Kursänderung gewagt. Zuletzt hatte sie allerdings ihren Ausblick entsprechend korrigiert und immer wieder angedeutet, dass die Zinswende und ein Auslaufen des so genannten Quantitative Easing bevorstehe.

Die meisten Volkswirte gehen einer Befragung zufolge davon aus, dass die inzwischen auf 2,55 Billionen Euro angelegten Anleihekäufe, die noch bis mindestens Ende September fortgesetzt werden sollen, noch dieses Jahr beendet werden. Dafür muss allerdings die Konjunktur weiter mitspielen. Mit der ersten Anhebung von Schlüsselzinsen seit 2011 wird an den Börsen ab der Jahresmitte 2019 gerechnet. Derartige Erwartungen bezeichnete Weidmann erneut als „nicht ganz unrealistisch“.

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Mit Beobachtern, die in der jüngsten konjunkturellen Abkühlung Hinweise auf ein nahendes Ende des Aufschwungs sehen würden, stimme er nicht überein, sagte der Bundesbank-Präsident. „Derartige Sorgen halte ich allerdings für übertrieben.“ Die Abkühlung zu Beginn des Jahres sei nicht als konjunktureller Wendepunkt zu sehen, sondern als Delle in einem Aufwärtstrend. Sorgen bereiten Weidmann aber protektionistischen Tendenzen, die derzeit international zu sehen seien. „Hierin liegt tatsächlich ein Konjunkturrisiko.“ Es sei daher wichtig, dass der Handelskonflikt sich nicht zu einem Handelskrieg hochschaukelt.

Weidmann setzt sich mit seinen Äußerungen weiter als potenzieller Nachfolger von EZB-Chef Mario Draghi in Szene. Er schärft allerdings auch sein Hardliner-Profil und gibt jenen Stoff, die bezweifeln, dass er tatsächlich ein Präsident wäre, der die gesamte Währungsunion im Blick hat. Bisher liegen seine geldpolitischen Vorschläge stets sehr nah an deutschen Wirtschaftsinteressen. Noch ist er ja aber auch Präsident der deutschen Bundes-, nicht der Europäischen Zentralbank.

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