Was hinter dem Unternehmen steckt, in dem Friedrich Merz Aufsichtsrat ist

BlackRock: Hier konzentriert sich Macht. [shutterstock/Isabelle OHara]

Das US-Unternehmen Blackrock verwaltet Vermögen in Höhe von 6,4 Billionen US-Dollar. Ein Strippenzieher, wie der CDU-Mann es ist, würde der Firma fehlen.

Martin Lück ist in Frankfurt ein gefragter Gesprächspartner, wenn es um die Lage an den Finanzmärkten geht. Kein Wunder: Er ist Chefanlagestratege von Blackrock für Deutschland, die Schweiz und Österreich, sein Arbeitgeber ist der weltgrößte Vermögensverwalter. Bei allen 30 Unternehmen, deren Aktien im Deutschen Aktienindex Dax gelistet sind, mischt Blackrock mit.

Und das mit teilweise gewichtigen Anteilen: Sieben Prozent sind es bei Bayer, 5,8 Prozent bei Siemens, womit Blackrock dort jeweils größter Einzelaktionär ist. Bei SAP kommt der US-Konzern auf 5,9 Prozent, bei der Deutschen Bank und Daimler auf fünf Prozent. Insgesamt dürfte Blackrock mit einem hohen zweistelligen Milliardenbetrag bei deutschen Unternehmen engagiert sein.

Das sichert Einfluss – auch Friedrich Merz, der seit 2016 den Aufsichtsrat der deutschen Sparte von Blackrock leitet. Sollte Merz zum CDU-Vorsitzenden gewählt werden, werde er diesen Posten nicht behalten können. Das sei für ihn klar, heißt es. Für Blackrock allerdings dürfte ein solcher Strippenzieher schwer zu ersetzen sein. Denn Blackrock spielt in der Finanzwelt eine herausragende Rolle.

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Blackrock ist „aktiv, nicht aktivistisch“

Allein die Liste der Kunden ist illuster. Versicherungen, Pensionskassen, Unternehmen, Staatsfonds, Banken, auch Kirchen vertrauen auf die Dienste von Blackrock. Der größte Teil des Geldes diene der Altersvorsorge, heißt es. Deutschland sei ein wichtiger Markt, der durch die Büros in Frankfurt und München von rund 150 Beschäftigten betreut wird.

Die gigantische Summe von 6,4 Billionen Dollar verwalten die Amerikaner für Kunden aus rund 100 Ländern. Dazu gehören auch Privatanleger. Die haben ihr Geld in ETFs – passiv gehandelte kostengünstige Fonds – der Tochtergesellschaft iShares angelegt. Diese Fonds setzen etwa auf die Entwicklung des Dax oder des Weltaktienindex MSCI. Damit ist Blackrock weltweit indirekt an Tausenden von Unternehmen beteiligt. Das Geschäft lohnt sich. Allein im dritten Quartal hat Blackrock, deren Aktien selbst an der Börse notiert sind, 1,4 Milliarden Dollar verdient.

Bei Blackrock bestreitet man den erheblichen Einfluss nicht. Man betont aber, als als Treuhänder zu fungieren und kein eigenes Geld anzulegen. Man agiere nicht im eigenen Interesse, sondern im Interesse der Kunden, die für die Geldanlage klare Vorgaben machten. „Wir machen das aktiv, aber nicht aktivistisch“, sagt ein Blackrock-Manager. Vertreter des Vermögensverwalters sprechen nicht auf Hauptversammlungen, sie sitzen nicht in Aufsichtsräten. Sie machen ihre Positionen in direkten Gesprächen mit Vorstand und Aufsichtsrat der Unternehmen deutlich.

Viele Firmen in Deutschland seien gut geführt, sagt Blackrock-Chef Larry Fink. Bei anderen müsse man auf die Bedeutung einer langfristigen Strategie hinweisen. Generell heißt es in Frankfurt, gehe es um langfristiges Denken, nicht um kurzfristige Konzepte. Schließlich wollten die Kunden, dass ihr Geld langfristig gewinnbringend angelegt werde. Insofern, so heißt es bei Blackrock, nehme man Einfluss, „aber mehr im Hintergrund“.

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Fragwürdige Beratungsleistungen

Verwundern muss freilich, dass Blackrock auch auf einem anderen Feld mitspielt – bei Beratungsmandaten für die Europäische Zentralbank (EZB) etwa während der Griechenland-Krise 2012. Auch bei der Durchführung des jüngsten Stresstests der Bankenaufseher in Europa ist Blackrock beteiligt. Das Mandat habe eine Sparte des Vermögensverwalters im Rahmen einer normalen Ausschreibung erhalten, heißt es in Notenbankkreisen.

Fragwürdig bleibt es trotzdem: Schließlich ist Blackrock dadurch etwa an der Prüfung der Deutschen Bank beteiligt, bei der Vermögensverwalter zu den größten Aktionären gehört. Kritiker halten Blackrock zudem vor, den Wettbewerb zu torpedieren, die Altersvorsorge bewusst zum eigenen Vorteil zu privatisieren, sehr eng mit Behörden zusammenzuarbeiten und damit auch Einfluss auf die Regulierung der Finanzbranche zu nehmen. Das machen Kritiker auch daran fest, dass Fink beste Kontakte zu vielen Staatschefs pflege.

Merz selbst weist Kritik an Blackrock zurück. Das Unternehmen sei keine Private Equity Firma und damit keine Heuschrecke – diese kaufen oft angeschlagene Firmen, sanieren, streichen massiv Arbeitsplätze und verkaufen mit hohem Gewinn weiter – sondern ein Vermögensverwalter, der das Geld der Kunden treuhänderisch verwalte. Selbst wenn Merz Vorsitzender der CDU werden sollte und damit bei Blackrock ausscheidet, dürften beide Seiten in Verbindung bleiben.

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