Türkische Zentralbank geht in die Offensive

Die türkische Lira steht unter enormem Druck. [shutterstock/ Mehmet Kalkan]

Im Clinch mit Staatschef Recep Tayyip Erdogan wagt die türkische Notenbank den Befreiungsschlag und hat dem Land mit deutlich höheren Zinsen zunächst etwas Luft in der Währungskrise verschafft.

So unterschiedlich können geldpolitische Realitäten sein: Während die EZB verkündete, den Euro-Leitzins weiterhin bei null Prozent zu belassen, hob die türkische Zentralbank den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld von 17,75 auf 24 Prozent an – gegen ausdrücklichen Willen von Staatschef Erdogan. Die Nachfrage nach Lira stieg durch die Maßnahme an und trägt zur vorläufigen Stabilisierung des Kurses bei.

Die Notenbank begründete ihre Entscheidung auch damit, dass es „erhebliche Risiken“ für die Preisstabilität gebe. Die Inflation war im August auf 17,9 Prozent gestiegen. Das war der höchste Wert seit Ende 2003. Commerzbank-Ökonom Ulrich Leuchtmann bescheinigte den Währungshütern „sehr viel Mut, gegen den Willen des Präsidenten zu handeln“.

Türkei-Krise bedrohlich für die EU, vor allem für Italien

Die Währungskrise in der Türkei könnte Auswirkungen auf die EU haben. Insbesondere das angeschlagene Italien ist bedroht. Auch, weil der Flüchtlingsdeal mit Ankara auf der Kippe steht.

Schließlich hatten Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank zum Verfall der Lira beigetragen. Nach dem Zinsentscheid wertete sie deutlich auf. Das dürfte auch damit zu tun haben, dass die Zweifel an der Unabhängigkeit mit der Entscheidung weitgehend ausgeräumt sein dürften. Der Dollar fiel im Gegenzug um mehr als fünf Prozent auf 5,98 Lira. Der Kurssprung der Lira half teilweise auch anderen Schwellenländer-Währungen. Der südafrikanische Rand und der russische Rubel legten am deutlichsten zu.

Rubel und Rand waren unter Druck geraten, da einige Investoren sich generell von Schwellenländern abwenden. Die USA locken mit steigenden Zinsen seit längerem wieder vermehrt Kapital an. Manche Experten befürchten zehn Jahre nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, dass sich die Probleme in den Schwellenländern im Verbund mit möglichen Turbulenzen in China zu einer neuen globalen Finanzkrise auswachsen können.

Weitere Informationen

Bundesregierung sieht keinen Bedarf für Türkei-Hilfe

Die Bundesregierung hat zurückhaltend auf die Idee von SPD-Chefin Andrea Nahles reagiert, unter Umständen deutsche Hilfen für die wirtschaftlich angeschlagene Türkei ins Auge zu fassen.

Absturz der Lira: Türkei plant Einsparungen und Wirtschaftsreformen

Die türkische Wirtschaft steckt in einer Talfahrt. Der Finanzminister hat heute Investoren beruhigt, sein Schwiegervater Erdogan sucht derzeit das Gespräch mit anderen Staaten.

Subscribe to our newsletters

Subscribe