Teil-Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik

EZB-Chef Mario Draghi. [INSM/Flickr]

In der Eurozone zeichnet sich eine geldpolitische Wende ab. Am gestrigen Donnerstag kundigte die EZB an, die umstrittenen Anleihenkäufe bis Ende des Jahres auslaufen zu lassen. Die Niedrigzinsphase soll allerdings noch viele Monate anhalten.

Das kündigten die Währungshüter nach der Zinssitzung in Riga an. Insbesondere, dass im Rahmen von Quantitative Easing (QE) auch unsichere Staatsanleihen gekauft werden, stößt in Deutschland von Anfang an auf viel Kritik. Auch das Bundesverfassungsgericht war damit befasst. Es wird befürchtet, dass dadurch einerseits die Reformanreize und damit der Anpassungsdruck in den Defizitländern geschmälert wird. Sie argumentieren, dass es sich bei QE um eine unzulässige Staatsfinanzierung handle. Befürworter der Programme halten dem entgegen, dass sich die EZB im Rahmen ihres Mandates bewege und dass diese Maßnahmen dazu beitrugen, die Eurokrise nicht weiter eskalieren zu lassen.

Derzeit kauft die EZB im QE-Rahmen Monat für Monat Anleihen in einem Volumen von 30 Milliarden Euro. Dieses Volumen soll nun ab Oktober halbiert werden, um das Programm in einem weiteren Schritt zum Jahresende ganz auslaufen zu lassen und zur „geldpolitischen Normalität“ zurückzukehren. In Deutschland dürfte das für Erleichterung sorgen, in Südeuropa eher für Besorgnis.

Die EZB-Präsidenten: Europas heimliche Könige

Heute vor 20 Jahren nahm die Europäische Zentralbank ihre Arbeit auf. Mario Draghi tritt im kommenden Jahr ab. Einen heimlichen Favoriten gibt es längst.

Die gleichermaßen umstrittene Niedrigzinspolitik soll derweil noch bis mindestens 2019 fortgeführt werden. Der Leitzins liegt seit März 2016 bei 0,0 Prozent und wird dort auch erstmal bleiben. So will die Zentralbank die Wirtschaft ankurbeln. Da zugleich aber durch die so genannte Sparpolitik in vielen Ländern die Nachfrage rückläufig ist, ist der Effekt bisher weitestgehend verpufft. Zudem monieren Kritiker, dass durch die Niedrigzinsen Vermögenswerte aufgebläht und Kleinsparer ereignet werden.

Die Währungshüter gehen zudem davon aus, dass die Leitzinsen noch bis einschließlich Sommer 2019 auf dem aktuellen Niveau bleiben werden. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Die EZB hatte zum letzten Mal im Jahr 2011 ihre Sätze angehoben, bevor sie wegen der Staatsschuldenkrise zu einer extrem lockeren Geldpolitik umschwenkte.

Der Vertreter der Bundesbank geriet während der Krise im EZB-Rat immer wieder in eine Minderheitenposition, weil Deutschland die lockere Geldpolitik nicht mittragen wollte. Die Amtszeit von EZB-Chef Mario Draghi läuft allerdings bald aus. Ein heißer Kandidat für die Nachfolge ist Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Der ließ nie einen Zweifel daran, dass er wenig von QE und Niedrigzinsen hält und sich einen rascheren Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik wünscht.

Weitere Informationen

Die gefährliche Nähe der EZB zur Finanzindustrie

Sogar die EU-Ombudsfrau kritisiert die Mitgliedschaft des EZB-Präsidenten in einem exklusiven Finanz-Club. Gerade Notenbanker sollten über jeden Zweifel erhaben sein. Ein Kommentar.

EZB gibt zu: Geldpolitik hatte negative Effekte auf deutsche und spanische Banken   

Die nach der Finanzkrise getroffenen geldpolitischen Entscheidungen hätten eine neutrale Wirkung auf die Geldhäuser der Eurozone gehabt - mit Ausnahme der deutschen und spanischen Banken.

EZB verdient gut an Anleihenkaufprogramm

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat 2017 beachtliche Gewinne erzielt. Das weckt auch Begehrlichkeiten.

Subscribe to our newsletters

Subscribe