Stärke des Euros könnte Wachstum dämpfen [DE]

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Die EU-Beamten warnen: Die Stärke des Euros schade der Wirtschaft der 15 Staaten, die die Währung nutzten, und könnte eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums in der Union im kommenden Jahr nach sich ziehen.

Jean-Pierre Jouyet, der französiche Minister für Europäische Angelegenheiten, betonte am Rande der offiziellen Feierlichkeiten zum Beitritt Maltas zur Eurozone (ab 1. Januar 2008), man könne nicht mit einem Euro dieses Niveaus leben. Er fügte hinzu, das Problem sei die Geschwindigkeit seiner Wertsteigerung sowie die Tatsache, dass die drei anderen wichtigen Währungen  – der Yuan, der Yen und der Dollar – zu schwach seien.

Der italiensche Premierminister Romano Prodi stimmte zu, dass viele diese Sorge teilten.

Der Euro hatte 2007 gegenüber dem Dollar an 15% gewonnen. Dies erschwert es Exporteuren der Region, global wettbewerbsfähig zu sein, und führt zu Befürchtungen, die Union könnte die angenommene wirtschaftliche Abschwächung nicht bewältigen, welche die Kreditknappheit in den Vereinigten Staaten mit sich brachte.

Der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker, der den Vorsitz der Eurogruppe innehat, gestand ein, dass die Wachstumsprognosen für die Eurozone 2008 wahrscheinlich von 2,2% auf nur 1,8% gesenkt werden würden.

Der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, hat jedoch Behauptungen zurückgewiesen, dass der Euro zu stark geworden sei. Er fügte hinzu, der Erfolg des Euros spiegle das Vertrauen in die europäische Wirtschaft wieder. Barroso verwies weiter auf das Beispiel Deutschland: Der Export des Landes erlebe einen Boom und man exportiere in Staaten, die den Euro nicht besäßen.

Der EU-Kommissar für Wirtschaft und Währung, Joaquín Almunia, räumte nichtsdestotrotz ein, dass der derzeitige Wechselkurs des Euro nahe an historischen Grenzwerten liege. Man müsse sehr aufmerksam sein und den Partnern vermitteln, wie man beabsichtige, das weltweite Ungleichgewicht in kooperativer Weise zu beheben. 

Es wird erwartet, dass die EU-Staaten während eines Treffens der Gruppe der Sieben in Tokio im Februar 2008 Maßnahmen einleiten, um dieses Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen großen Währungen zu beheben. Dabei wird der Fokus hauptsächlich auf dem chinesischen Yuan liegen. Die Europäer sind der Meinung, der Yuan sei absichtlich um 20 bis 25% unterbewertet, was China einen unfairen Handelsvorteil verschaffe (EURACTIV vom 26. November 2007).

Derweil könnte die Stärke des Euros auch in Europa zu Problemen führen: Die rapide Wertminderung des britischen Pfund dauert weiter an, nachdem es im November 2007 gegenüber dem Euro um fast neun Prozent gefallen ist.

Die Aufmerksamkeit Europas liegt hauptsächlich auf der Schwäche des Dollars. Dennoch exportiert die Eurozone mehr in das Vereinigte Königreich als in die USA. Dies bedeutet, dass der Rückgang des Pfunds die Gewinnverluste der Union ernsthaft verschlimmern könnte.

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