Rentabilität der EU-Banken fällt deutlich

Aufgrund von Sondermaßnahmen der Staaten sowie dank des von den Zentralbanken bereitgestellten zusätzlichen Gelds geht es den EU-Banken aktuell noch gut. Die EBA warnt jedoch vor mehr "faulen" Krediten in der Zukunft, wenn diese Maßnahmen auslaufen. [EPA-EFE/RONALD WITTEK]

Europäische Banken sehen sich mit großen Verlusten durch faule Kredite sowie andere durch die COVID-19-Pandemie verursachte Kosten konfrontiert: Ihre Rentabilität ist auf einem Negativrekord-Niveau, warnt die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) in einem am Freitag veröffentlichten Bericht.

In ihrer jährlichen Risikobewertung des europäischen Bankensystems teilt die Aufsichtsbehörde mit, die durch die Pandemie und die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit verursachten Kosten würden die Rentabilität der europäischen Banken merklich belasten. Dies komme erschwerend zu niedrigen Zinssätzen und der Konkurrenz durch Fintech hinzu.

Im Juni 2020 lag die durchschnittliche Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE), ein Indikator zur Messung der Rentabilität, demnach bei nur noch 0,5 Prozent. Im Juni des Vorjahres waren es noch 6,7 Prozent gewesen.

Ein Teil dieser Kosten werde wohl wieder wegfallen, wenn die Pandemie vorüber ist. Die Aufsichtsbehörde stellt außerdem fest, dass die Pandemie für viele Kunden eine Art „Katalysator“ sein könnte, auf digitale Geschäfte umzusteigen – was weitere Einsparungen bringen dürfte.

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Dennoch empfiehlt die Bankenbehörde den europäischen Banken, potenzielle Fusionen und Übernahmen zu prüfen, um so Synergien zu nutzen und Kosten zu senken.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Banken des Blocks während der ersten Welle der Pandemie solide Kapital- und Liquiditätsquoten aufrechterhalten und ihre Kreditvergabe an die Realwirtschaft sogar erhöht haben. Auch die Menge an sogenannten notleidenden oder „faulen“ Krediten sei zum Ende des zweiten Quartals auf 2,9 Prozent der Gesamtkredite zurückgegangen.

Die finanziellen Auswirkungen des Virus konnten dank der Sondermaßnahmen eingedämmt werden, die von Regierungen und Regulierungsbehörden ergriffen wurden, beispielsweise Verzögerungen bei der Rückzahlung von Krediten und öffentlichen Bürgschaften, sowie dank des von den Zentralbanken bereitgestellten zusätzlichen Gelds.

Sobald jedoch diese COVID-19-bezogenen Maßnahmen auslaufen, sei es „sehr wahrscheinlich“, dass sich die Qualität der Bankaktiva weiter verschlechtert, warnt die EBA. In diesem Zusammenhang stellt die Aufsichtsbehörde fest, dass zwar das Niveau der notleidenden Kredite zurückging, andere Indikatoren jedoch bereits Anzeichen einer Verschlechterung in den künftigen Bilanzen der Banken zeigten: So sei beispielsweise die Anzahl und das Schuld-Volumen der Schuldner, die aktuell noch von der Stundung oder Aussetzung ihrer Zahlungen profitieren, „deutlich gestiegen“.

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Aus diesem Grund empfiehlt die EBA den Banken, sich auf zu erwartende kommende Turbulenzen vorzubereiten: Vor allem solle man sich „so bald wie möglich“ mit (potenziell) finanziell gefährdeten Kreditnehmenden zusammensetzen, um Lösungen zu finden.

Die EBA weist des Weiteren darauf hin, dass private Umschuldungen so bald wie möglich erfolgen sollten. Im Vergleich zur vorherigen Finanzkrise stünden nun mehr Optionen zur Verfügung, wie beispielsweise ein verbesserter Rahmen für Insolvenzverfahren.

In diesem Jahr startete die EBA darüber hinaus auch eine Untersuchung zu „Klimarisiken“, mit einer Stichprobe von 29 Banken, die freiwillig an der Studie teilnehmen.

Die Bankenaufsichtsbehörde kommt dabei zu dem Schluss, dass langfristig mehr als 50 Prozent der Geschäfte mit Großunternehmen auf Wirtschaftsbereiche entfallen, die potenziell anfällig für derartige Klimarisiken sind.

[Bearbeitet von Benjamin Fox und Tim Steins]

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