Parlament setzt sich für „Ryanair-Modell“ für Banken ein [DE]

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Das Europäische Parlament wird heute (5. Juni 2008) einen Bericht billigen, der mehr Transparenz der Bankenkosten fordert und eine Art “Ryanair-Modell” für Privatkundenbanken vorschlägt. Letzteres würde auf einer vermehrten Bereitstellung von einzelnen Dienstleistungen anstelle von Paketen basieren, sagte Gianni Pittella, der Berichterstatter des Europäischen Parlaments über das Dossier, in einem Interview mit EURACTIV.

Bei der Untersuchung des Sektors der Privatkundenbanken, die von der Kommission im Jahr 2005 durchgeführt worden war, zeigte sich, dass die geringe Mobilität der Kunden einen Grund für den geringen Wettbewerb unter Banken darstellt. Kunden neigen dazu, bei der gleichen Bank zu bleiben, auch wenn deren Preise höher sind, als die der Wettbewerber (EURACTIV vom 1. Februar 2007).

In seinem Bericht räumt das Parlament ein, dass die nicht vorhandene Kundenmobilität oftmals durch das langfristige Vertrauensverhältnis zwischen Banken und Kunden bedingt sei, gleichzeitig aber die Existenz bürokratischer und wirtschaftlicher Hindernisse betone, die von einem Wechsel abhielten.

Die Gebühren für das Schließen eines Bankkontos gehören zu den Kosten, die das Parlament verringern, wenn nicht sogar abschaffen will. Zudem drängt der Bericht auf eine geringere Anzahl gebündelter Produkte, die einen Wechsel von Konten erschweren und die Kosten für die Bürger erhöhen.

„Jeder muss in der Lage sein, zwischen einem einzelnen Dienst oder einem ganzen Paket auszuwählen“, sagte Pittella EURACTIV gegenüber. Mit anderen Worten sollten Banken es ihren Kunden ermöglichen, nur das zu erwerben, was sie möchten, statt Pakete, die voll mit Produkten sind, die sie nicht benötigen. Pittella vergleicht dies mit der preiswerten Fluggesellschaft Ryanair, die es ihren Kunden ermöglicht, getrennt voneinander Flüge, Versicherungen und Speisen zu kaufen oder Gepäckabfertigungsgebühren zu zahlen.

Pittella befürwortet einen ausgewogenen Ansatz zum komplexen Thema der multilateralen Abwicklungsgebühren (Multilateral Interchange Fees, MIFs), welche die Hersteller von Zahlungskarten Händlern berechnen. Während MasterCard und Visa mit möglichen Sanktionen für ihre wettbewerbsfeindlichen MIFs seitens der Kommission konfrontiert sind, sieht die Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes keine direkte Abschaffung dieser Gebühren vor, wie dies die Händler fordern. Pittella ist der Ansicht, die Kommission sollte die „Branche weiterhin untersuchen“.

Über den Bericht, der im Parlamentsausschuss für Wirtschaft weitgehend gebilligt wurde, wird das Plenum heute abstimmen. Auch hier wird erwartet, dass er vollständig gebilligt wird.

Unterdessen leitete die Kommission im Anschluss an ihre Untersuchung eine öffentliche Konsultation ein. Im Herbst wird ein Weißbuch über das Privatkundengeschäft erwartet.

Um das vollständige Interview zu lesen, klicken Sie bitte hier.

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