Monte dei Paschi: Comeback einer Krisenbank

Das Hauptquartier der Monte dei Paschi di Siena. [Foto: Paolo Querci/shutterstock]

Die italienische Krisenbank Monte dei Paschi di Siena ist am gestrigen Mittwoch nach zehnmonatiger Abwesenheit an die Börse zurückgekehrt. Die Pleite wurde damals durch eine umstrittene Rettungsaktion des italienischen Staates abgewendet.

Monte dei Paschi. Vor über 500 Jahren gegründet, heute die älteste noch existierende Bank der Welt. Mit einer Bilanzsumme von rund 180 Milliarden Euro das drittgrößte Geldhaus Italiens. Entsprechend groß war im Winter 2016/17 die Angst vor dem Kollaps. Er hätte womöglich, wie zehn Jahre zuvor die Lehman-Pleite, eine neue Phase der Finanzkrise eingeleitet. Zumindest in Europa.

Dabei handelte es sich bei der Monte dei Paschi nicht um eine der zahlreichen Zockerbuden, die sich im Vorfeld der großen Krise verspekuliert haben. Monte dei Paschi ist im Kern eine seriöse Bank mit traditionellem Geschäftsmodell. Der Fokus liegt auf dem Privat- und Firmenkundengeschäft. Bevor die Bank ins Straucheln kam, boten bis zu 35.000 Mitarbeiter rund fünf Millionen Kunden klassische Bankdienstleistungen wie Abwicklung des Zahlungsverkehrs, Einlagenverwaltung und Kreditvergabe. Der Großteil der Kunden ist dem italienischen Mittelstand zuzuordnen. Das Investmentbanking spielt im Vergleich zu anderen Geldhäusern dieser Größenordnung eine untergeordnete Rolle.

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Trotzdem häufte die Bank bis Mitte 2016 faule Kredite in Höhe von rund 50 Milliarden Euro an. Im Dezember scheiterte eine geplante Kapitalerhöhung. Der Kurs brach ein. Die tiefe Wirtschaftskrise des Landes hatte zu viele Kunden der Bank mitgerissen. Zu viele Kredite waren ausgefallen. Hinzu kamen Fehlinvestitionen wie die 17 Milliarden schwere Übernahme der Regionalbank Antonveneta 2007. Im Dezember 2016 stand die Bank kurz vor der Pleite.

Zu diesem Zeitpunkt war die Abwicklungsrichtlinie der EU-Bankenunion bereits in Kraft. Steuerfinanzierte Bankenrettungen sollen vermieden werden. Stattdessen sollten die Aktionäre und Einleger der jeweiligen Bank und ein von den Banken gefütterter Krisenfonds zur Kasse gebeten werden. Bail-in statt Bail-out. Zukunftsfähige Banken sollen so saniert werden, welche denen die EU-Institutionen keine Zukunftsfähigkeit bescheinigen, sollen abgewickelt werden.

Doch die Folgen einer Abwicklung der Monte dei Paschi oder einer versuchten Sanierung durch Schröpfung der Spareinlagen hätten unüberschaubare Folgen für die italienische Wirtschaft gehabt. Dieses Risiko wollte offenbar niemand tragen. Durch die Nutzung eingebauter Schlupflöcher und Sonderregelung wurde die Abwicklungsrichtlinie faktisch außer Kraft gesetzt. Italien sprang zum wiederholten Male ein, diesmal mit acht Milliarden Euro. Insgesamt ist der Staat mit 68 Prozent mittlerweile Mehrheitseigner der Monte dei Paschi.

Am gestrigen Mittwoch kehrte das Geldhaus nun erstmals seit Dezember 2016 zurück an die Börse. Zum Wert von 4,10 Euro pro Aktie. Der Kurs stieg rasch auf 5,24 Euro. Einerseits ein gutes Zeichen, dass die Bank tatsächlich zukunftsfähig ist. Andererseits liegt der Kurs noch deutlich unter den 6,49 Euro, für die der Staat im Dezember 2016 die Aktien erwarb. Nicht zu sprechen von den 15,08 Euro, die vor dem staatlichen Engagement noch auf dem Markt erzielt wurden.

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Analysten gehen allerdings davon aus, dass es Monate dauern wird, bis sich ein aussagekräftiger Kurs entwickelt. Der italienische Staat will vorerst an seinem Engagement festhalten. Würde der Wert der Bank sich wieder dem früheren Niveau annähern, könnte Italien am Ende sogar finanziell von der Aktion profitieren.

Beachtliche Risiken bestehen im Finanzsektor des Landes allerdings weiterhin, auch unabhängig vom weiteren Werdegang der Monte dei Paschi. Insgesamt beträgt der Anteil der notleidenden Kredite satte 16 Prozent. Höhere Werte weisen laut Europäischer Bankenaufsicht nur Zypern, Griechenland und Portugal auf. Angesichts einer Schuldenquote von 132 Prozent und einer weiterhin sich nur schleppend entwickelnden Wirtschaftskraft sind auch die staatlichen Rettungskapazitäten begrenzt.