Londons Bänker, grüne Vorreiter?

Londons Finanzdistrikt Canary Wharf. Geldflüsse sollen hier zukünftig zunehmend in klimabezogenen Investitionen gelenkt werden. [EPA-EFE/ANDY RAIN]

Großbritannien hat vergangene Woche als erstes großes Industrieland ein Gesetz verabschiedet, nachdem es seine Emissionen bis 2050 auf Null senken wird. Jetzt veröffentlicht London eine Strategie, wie es weltweite Finanzströme in klimafreundliche Projekte umleiten will. Bänker für den Umweltschutz – das soll in Zukunft weniger paradox klingen.

Neue Technologien, nachhaltige Serviceleistungen, CO2-neutrale Infrastruktur. Der Umstieg auf eine klimaneutrale Wirtschaft kostet rund 6,9 Billionen US-Dollar bis 2030, schätzt die OECD. Derzeit wird nicht einmal die Hälfte davon investiert. London hat hier eine Nische gefunden, die es zum Mainstream machen will: Das grüne Finanzwesen verspricht vielversprechende neue Investitionen, ist man hier überzeugt.

Das schreiben Finanzminister Philip Hammond und Staatsekretär für Wirtschaft, Energie und Industriestrategie, Greg Clark, im Vorwort der Grünen Finanzstrategie, die im Rahmen des Green Climate Summits am 2. Juli in London vorgestellt wurde.

Die Strategie hat zwei Hauptzielen: Einerseits sollen private Finanzströme mit nachhaltigem und widerstandsfähigem Wachstum zusammengebracht werden, unterstützt durch die Politik. Andererseits geht es um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts London – derzeit ein Vorreiter in Sachen grünes Finanzwesen.

Der Bericht nennt drei Strategien, wie das gelingen soll. Erstens, sollen durch Klima- und Umweltfaktoren verursachte Finanzrisiken in den Mainstream wirtschaftlicher Entscheidungen gerückt werden und die Märkte für nachhaltige Produkte robuster gestaltet werden. Zweitens plant das Strategiepapier, Finanzflüsse anzukurbeln, um die britischen Klimaziele zu erreichen. Und drittens sollen britische Finanzdienstleistungen nationale und internationale Chancen bestmöglich wahrnehmen – konkret werden die Bereiche der klimabezogenen Datenanalyse und spezielle Finanzprodukte genannt.

„Endlich beginnen auch Menschen mit Geld darauf aufmerksam zu werden, was das alles für sie bedeutet“, sagt Margaret-Ann Splawn, Geschäftsführerin der Climate Markets & Investment Association. Seit über zwanzig Jahren arbeitet sie im Bereich des Finanzmarkthandels und zeigt sich überrascht, wie breit aufgestellt das Publikum beim Green Climate Summit war: Versicherungen, Industrie, Finanzwesen, Wissenschaft – ein positives Signal, dass der Weg in Richtung nachhaltige Finanzen mehr als nur ein Lippenbekenntnis sei, sagt sie gegenüber EURACTIV.

Verpflichtende Berichterstattung zu Klimarisiken

Aufmerksamkeit für den Klimawandel soll bald sogar verpflichtend werden, kündigte Ben Caldecott, Mitglied der UK Green Finance Taskforce und Direktor des Studiengangs für nachhaltige Finanzwirtschaft an der Universität Oxford. „Das Strategiepapier ist sehr ambitioniert – gut so. Es zeigt klar, dass Großbritannien die Empfehlungen der Task Force zu Climate-related Financial Disclosures (TCFD) bis 2022 verpflichtend machen wird.“ Kurz: Unternehmen müssen dann regelmäßig einen klimabezogenen Risikobericht ihrer Aktivitäten veröffentlichen. Das soll zu mehr Transparenz führen und Greenwashing vermeiden.

Diese Schritte gelten nicht zuletzt als Vorbereitung für die COP26-Präsidentschaft Großbritanniens 2020. Bis dahin soll das Pariser Abkommen umgesetzt werden, noch ist man Meilen davon entfernt.

Was es jetzt braucht, seien „klare, laute und weitsichtige“ politische Vorgaben, sagt Splawn. Als Beispiel nennt sie Investitionen in die Steigerung von Energieeffizienz – in diesem Sektor fehle bislang das nötige Kleingeld. Die Finanzwirtschaft könne das liefern. Doch damit etwas passiert, müsse die Politik tatkräftig eingreifen. „Das ist, was wir in London derzeit versuchen. Innovation und Politik müssen zusammengedacht werden, wenn wir die nötige Reichweite erreichen wollen“, so Splawn.

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