Lagarde wird Vertrauen der Deutschen zurückgewinnen müssen

Heute übernimmt Christine Lagarde den Vorsitz der EVB von Mario Draghi. [Erik S. Lesser]

Heute übernimmt Christine Lagarde den Vorsitz der EZB von Mario Draghi. An der ultralockeren Geldpolitik ihres Vorgängers wird sie voraussichtlich nichts ändern. Dennoch gilt es Vertrauen zurückzugewinnen.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sieht die Rolle der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde auch darin, die Glaubwürdigkeit der Institution in Deutschland zu stärken. Unter ihrem Vorgänger Mario Draghi habe die Europäische Zentralbank (EZB) an Glaubwürdigkeit verloren, diese müsse Lagarde hierzulande „erst wieder herstellen“, sagte Fratzscher den Sendern ntv und RTL. In anderen Ländern werde die EZB-Geldpolitik „mehr akzeptiert“.

Die Französin Lagarde tritt am Freitag offiziell ihr Amt als EZB-Präsidentin an. Draghi hatte ihr das Zepter symbolisch bereits am Montag übergeben. Lagarde hat bereits angekündigt, sie wolle die Spaltung im EZB-Rat wegen der Geldpolitik überwinden. Zudem will sie das Themenspektrum der EZB um gesellschaftliche Fragen wie Klimapolitik und Frauenförderung erweitern.

Draghis Abschiedsrede: Viel Versöhnung, viel Lob – und der Eurozonen-Haushalt

Der scheidende EZB-Präsident Mario Draghi hat in seiner Abschiedsrede versucht, die Einheit der Zentralbanker der Eurozone zu beschwören – aber er verteidigte auch seine jüngsten, teils umstrittenen geldpolitischen Entscheidungen.

Fratzscher erwartet indes von Lagarde auch keine Kehrtwende in der ultralockeren Geldpolitik, die angesichts der niedrigen Zinsen in Deutschland vor allem die Sparer immer wieder verärgert. Kritikern des EZB-Kurses müsse klar sein, dass Lagarde die Geldpolitik allein gar nicht ändern könne. „Natürlich wollen wir, dass die Zinsen wieder steigen“, sagte Fratzscher den Sendern. „Das gelingt aber nur mit mehr Wachstum in Europa, und dafür muss auch die Politik ihre Hausaufgaben machen.“

Zunächst müsse die frühere Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) dringend Brücken schlagen. „Gerade die Deutschen fühlen sich ausgeschlossen und werfen der EZB vor, dass ihre Interessen nicht berücksichtigt werden“, sagte der DIW-Präsident. Sie müsse „den Kritikern klarmachen, dass jeder von einem stabilen Euro profitiert“.

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