Kreditkrise trifft europäische Banken [DE]

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Hochrangige Beamte aus Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und der EU versammelten sich am Wochenende zu Notsitzungen, um zu verhinden, dass Bank- und Versicherungsriese Fortis erstes großes Eurozonen-Opfer der weltweiten Finanzkrise wird.

Bei einem Treffen mit dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet und der EU-Kommissarin für Wettbewerb Nellie Kroes haben sich die drei Nachbarstaaten letzten Abend (28. September 2008) darauf geeinigt, der in Bedrängnis geratenen Bank mit 11,2 Milliarden Euro zur Hilfe zu kommen. Die Rettungsaktion sollte das Vertrauen in die Bank wieder herstellen, bevor die Märkte diesen Morgen öffneten. 

Die Einigung erfolgt nach einer stürmischen Woche im Handelssektor, im Laufe derer der Wert der Fortis-Aktien auf 5,18 Euro und damit den tiefsten Stand seit 15 Jahren gefallen war. Im Vergleich zum Vorjahr stellt dies einen Wertverlust von mehr als 75% dar.

Obwohl die Bank betonte, dass keine unmittelbare Gefahr der Insolvenz bestehe, wurde die Liquidität von Fortis besonders nach ihrer Teilnahme im vergangenen Jahr an einem Konsortium aus drei Banken in Frage gestellt. Dieses hatte 72 Milliarden Euro gezahlt, um ABN Amro nach dem größten Übernahmekampf in der Geschichte des Bankensektors aufzukaufen (EURACTIV vom 4. Mai 2007).

Das Krisentreffen fand statt, als Befürchtungen um sich griffen, die mögliche Insolvenz von Fortis könne auch andere europäische Banken in die Krise stürzen.  

Als Teil der Rettungsaktion werden Belgien 4,7 Milliarden Euro, die Niederlande 4 Milliarden Euro und Luxemburg 2,5 Milliarden Euro in die Bankgeschäfte von Fortis in den jeweiligen Ländern investieren. Im Gegenzug übernehmen die drei Länder 49% der nationalen Bankgeschäfte der Bank. Fortis muss außerdem seinen Anteil an ABN Amro verkaufen. Presseberichte nennen die niederländische Bank ING und die französische BNP Paribas als mögliche Käufer.

Man habe seine Verantwortung übernommen und die Kontoinhaber nicht aufgegeben, sagte der belgische Premierminister Yves Leterme Reportern gegenüber.

Als die US-Regierung in der vergangenen Woche Pläne für einen Rettungsaktion in Höhe von 700 Milliarden Euro vorlegte, um einige von den Banken gehaltenen faulen Hypothekenkredite aufzukaufen, die zu der Finanzkrise geführt hatten, hatten die EU-Staats- und Regierungschefs betont, dass ähnliche große Rettungsaktionen nicht auf der europäischen Agenda ständen, da die Geldmärkte der EU deutlich weniger von der globalen Kreditkrise betroffen gewesen seien als die der USA (EURACTIV vom 23. September 2008).

Die Probleme von Fortis zeigen allerdings, dass die US-Finanzkrise beginnt, sich auf Europa auszudehnen. Was in den USA passiert sei, habe höchstwahrscheinlich Auswirkungen auf den Finanzsektor im Rest der Welt gehabt, sagte der Präsident der niederländischen Zentralbank Nout Wellink. Sie werde zuerst Banken in einer prekären Lage treffen, sagte er und fügte hinzu, dass Fortis aufgrund von Gerüchten nun in eine prekäre Lage geraten sei.

Am Wochenende bereitete die britische Regierung außerdem die Verstaatlichung der Hypothekenbank Bradford & Bingley vor, da Befürchtungen um sich griffen, sie könne eine neue ‚Northern Rock’ werden (EURACTIV vom 10. Oktober 2007).

Nach langen Beratungen könnte das US-Rettungspaket in dieser Woche vom Kongress angenommen werden. EU-Beamte hoffen, dass die Annahme des Pakets die Situation entspannen wird. Mit Blick auf die Finanz- und Aktienmärkte, die Wechselkurse und globalen Vertrauensindikatoren hoffe er, dass die USA das Paket zügig annehmen wird, sagte der luxemburgische Premierminister und Vorsitzende der Finanzminister der Eurozone Jean-Claude Juncker. Die zögerliche Haltung der USA erhöhe die Unsicherheit.

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