UN-Klimafonds will Paradigmenwechsel in Projektfinanzierung

Yannick Glemarec, der Geschäftsführer des Green Climate Fund (GCF) und die südkoreanische Außenministerin Kang Kyung-wha am 4. Juni in Seoul. EPA-EFE/YONHAP

Der UN-Green Climate Fund hat sich ambitionierte Ziele gesteckt: Beim Vorstandstreffen vom 6. bis 8. Juli soll nicht weniger als ein „Paradigmenwechsel“ in der Klimafinanzierung eingeläutet werden, so ein Fondsmitarbeiter gegenüber EURACTIV. Schnellere Entscheidungsprozesse sollen dann die Wiederauffüllung des Fonds ankurbeln.

Der Green Climate Fund (GCF) will der globalen Klimafinanzierung bis Ende dieses Jahres einen kräftigen Schub geben. Die Strategie dazu wollen die 24 Vorstandsmitglieder bei ihrem Treffen am Wochenende in der koreanischen Stadt Songdo beschließen. Etwa soll neu geregelt werden, nach welchen Kriterien Gelder an Projekte vergeben werden und wie Investoren stärker dafür begeistert werden können, nachhaltige Projekte zu finanzieren, so ein Mitarbeiter des Fonds im Vorfeld des Treffens gegenüber EURACTIV.

Denn derzeit läuft vieles zu langsam, Bewilligungen dauern mitunter Jahre. „Das schreckt Privatinvestoren ab. Dieses Wochenende geht es darum, wichtige Fortschritte zu machen – vor allem damit der Fonds im November gut aufgefüllt wird“, sagt Alexandra Tracy, die Vertreterin der Climate Markets and Investment Association (CMIA) beim GCF. Denn im November treffen sich die Geberländer und der GCF-Vorstand, um verbindliche Zusagen für die weitere Finanzierung zu machen.

Europäischer Rat will UN-Klimafonds auffüllen

Die Mitgliedsstaaten wollen sich verpflichten, die Mobilisierung internationaler Klimafinanzierung auf ein neues Level zu heben. Dazu soll der Green Climate Fund aufgefüllt werden, heißt es in einem Entwurf der Ratserklärung, der auf dem EU-Gipfel nächste Woche verabschiedet werden soll. EURACTIV konnte die Erklärung vorab einsehen.

Globaler Süden spürt Klimakonsequenzen am stärksten 

Industrieländer haben sich schon 2009 bei der UN-Klimakonferenz COP15 in Kopenhagen dazu verpflichtet, ab spätestens 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar in klimabezogene Projekte in Entwicklungsstaaten zu investierten. Das war die Bedingung vieler ärmerer Staaten, den Klimazielen zuzustimmen – Unterstützung für die vielen notwendigen Investitionen müsse von wohlhabenden Staaten kommen. Schließlich ist die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, rund 3.5 Milliarden Menschen, aktuell für nur rund 10 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich, während sie die Konsequenzen des Klimawandels am stärksten zu spüren bekommt.

Der GCF ist einer der Kanäle, durch die zusätzliche finanzielle Mittel mobilisiert werden sollen. Von 7 Milliarden US-Dollar, die dem Fonds von den Staaten überwiesen wurden, sind in den letzten vier Jahren 5 Milliarden Dollar in 102 Projekten gesteckt worden.

Beim Treffen dieses Wochenende sollen zehn weitere Projekte im Wert von 266 Millionen Dollar beschlossen werden. Das größte unter ihnen ist die Finanzierung eines chilenischen Pumpspeicher-Kraftwerks, mit dem das Land den Anteil seines Wind- und Solarstroms auf ein Fünftel steigern will.

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Weniger Hürden für vielversprechende Projekte

Experten warten gespannt auf die Ergebnisse in Korea am Wochenende. So war die Aufstockung des Fonds Gegenstand vieler Gespräche in den Korridoren während der UNFCCC-Konferenz in Bonn vergangene Woche. „Wir hoffen auf Beschlüsse, die den GCF effektiver gestalten. Der Fonds zeigt viele Ambitionen – das ist ein wichtiges Signal vor dem UN-Gipfel am 23. September“, so Yamide Dagnet, Analystin am American Think Tank World Resources Institute, am Rande der Konferenz.

Zum Thema Effizienz soll erreicht werden, dass Projekte in Zukunft schneller genehmigt werden können. Bisher müssen sich Organisationen zuerst beim GCF akkreditieren und sich dann in einem zweiten Schritt mit einzelnen Projekten bewerben – dieser Prozess soll vereinfacht werden. Es gelte, bürokratische Hürden abzubauen, so der GCF-Mitarbeiter.

Auch werde der Fonds über neue interne Beschlussmechanismen entscheiden, um etwaige Blockaden zu verhindern: Anstelle des Einstimmigkeitsprinzips, könnten zentrale Entscheidungen bald mit einfacher Mehrheit verabschiedet werden.

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„Das große Ziel fürs Wochenende“

“Die Reformen sollten die Industrieländer dazu ermutigen, den Beitrag zum Fonds zu erhöhen“, so die Analystin Dagnet. Deutschland und Norwegen kündigten im Dezember vergangenen Jahres an, ihre Beiträge an den GCF zu verdoppeln. Nachdem sich die 28 EU-Mitgliedsstaaten im letzten Europäischen Rat nicht auf weitere Schritte in Bezug auf die Klimaneutralität bis 2050 einigen konnten, seien neue Signale wichtig.

„Deutschland hat einen Schub gegeben, und wir möchten, dass andere Länder das Gleiche tun”, fügt sie hinzu. Es sei notwendig, die Beiträge der Staaten einzumahnen – vor allem da etwa die Vereinigten Staaten und Australien keine weiteren Einzahlungen planen.

Die Lücke, die diese Staaten hinterlassen, müsse geschlossen werden, sagt dazu Tracy von CMIA. Sie setzt auf Japan, sowie die EU-Staaten. Und auch nicht-staatliche Akteure sollen gezielt angesprochen werden – doch um sie zu erreichen, müsse der Fonds effizienter werden. „Das ist das große Ziel fürs Wochenende“, so Tracy.

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