Die Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Italien werden sich am Samstag in Paris treffen, um eine gemeinsame EU-Antwort auf die Finanzkrise auszuarbeiten. Zuvor verursachten Vorschläge Aufruhr, einen Fonds nach US-Muster einzurichten, um in Bedrängnis geratene europäische Banken zu retten.
Der Gipfel soll Uneinigkeiten zwischen den EU-Länder beseitigen, die sich darum streiten, wie ihre Finanzsektoren aus der Misere geholt werden sollen.
Griechenland kündigte gestern an, dass es sämtliche Spareinlagen seiner Banken absichern werde. Finanzminister George Alogoskoufis versprach, dass das Geld vollständig durch den Staat abgesichert sei, um der Bevölkerung ihre wachsenden Ängste zu nehmen.
Dieser Vorstoß Griechenlands ähnelt dem irischen Plan, der in Europa für Bedenken gesorgt hatte, da er als wettbewerbshemmend angesehen wurde. Mitte der Woche hatte die irische Regierung dem Finanzsektor Staatsgarantien von möglicherweise bis zu 440 Milliarden Euro angeboten. Das ist das Zweifache des irischen Bruttoinlandsprodukts (BIP).
Der Plan, der am Donnerstag (2. Oktober 2008) vom irischen Parlament angenommen wurde, sorgte für eine Erholung an der irischen Börse, da Investoren auf Sicherheiten gedrängt hatten. Der Vorstoß wurde von der British Bankers’Association (BBA) und der EU-Kommissarin für Wettbewerb Neelie Kroes allerdings als unfairer Wettbewerb kritisiert.
Der Mini-Gipfel am Samstag wird versuchen, das Durcheinander ein wenig zu ordnen. Kommissionspräsident José Manuel Barroso wiederholte gestern seine Forderung nach einer „strukturierten europäischen Antwort“ auf die Krise (EURACTIV vom 2. Oktober 2008).
Einige stellen jedoch den Sinn des Gipfels in Frage. Da die Iren nicht eingeladen seien, sei es zweifelhaft, ob dieser Gipfel substanzielle Ergebnisse zu diesem Thema liefern könne, auch wenn die EU-Staats- und Regierungschefs ihrer Empörung Ausdruck verleihen könnten, schrieb Eurointelligence, ein Blog zu Finanz- und Wirtschaftangelegenheiten.
Unterdessen bestritt der französische Präsident Sarkozy frühere Vorschläge seiner Finanzministerin Christine Lagarde, einen Fonds über 300 Milliarden Euro zur Rettung von Banken in Schieflage einzurichten. Frankreich habe niemals an einem solchen Plan gearbeitet oder einen solchen Plan vorgeschlagen, erklärte Henri Guaino, einer von Sarkozys engsten Beratern. Es sei sehr schwierig, einen solchen Fonds kurzfristig einzurichten und dann auf europäischer Ebene zu verwalten, erklärte er dem Fernsehsender Canal Plus.
Die Europäische Zentralbank schlug am Donnerstag (2. Oktober 2008) einen ähnlichen Weg ein und ging einen Schritt weiter Richtung Senkung des Leitzinses als der Präsident der EZB Jean-Claude Trichet sagte, dass die Inflationsgefahr aufgrund der sehr unglücklichen Folgen für die Wirtschaft der derzeitigen Turbulenzen an den Finanzmärkten gebannt sei.
Aus dem Kommentar von Jean Claude Trichet gehe hervor, dass die EZB gestern einer Zinssenkung einen Schritt näher gekommen sei, meint Eurointelligence. Die Zinssenkungen würden früher kommen, als auf den Märkten derzeit erwartet werde, und sie würden höher ausfallen, sagt der Blog in seiner täglichen Presseschau voraus.

