Finanz-Richtlinie MiFID II besteht ersten Test

Die neue Richtlinie, genannt MiFID II, soll besseren Schutz für Investoren sowie mehr Transparenz im Handel mit Vermögenswerten bringen. [David Shankbone/Flickr]

Trotz vorheriger Bedenken und einiger Verzögerungen bewerten Gesetzgeber, Regulierungsbehörden und Experten die EU-Richtlinie über Märkte und Finanzinstrumente (MiFID II) nun positiv. Die Richtlinie trat am 3. Januar in Kraft und gilt als größte Reform im Finanzsektor seit der Krise von 2007/2008.

„Ich war sehr beeindruckt davon, dass alle Systeme am 3. Januar stabil waren,” lobte Markus Ferber, der Berichterstatter des EU-Parlaments, gegenüber EURACTIV.com den Einführungsprozess. Der deutsche CSU-Parlamentarier fügte hinzu, er sei „wirklich zufrieden, dass Alle so gut vorbereitet waren” – trotz der zahlreichen Anforderungen, die zu erfüllen waren.

Ebenfalls zufrieden zeigte sich die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA), die für die Ausarbeitung technischer Details, die von Finanzmarktakteuren umgesetzt werden müssen, vernatwortlich ist. „Insgesamt ist alles relativ glatt gelaufen,“ kommentierte ein Sprecher der Behörde.

Die MiFID II-Richtlinie wurde vor acht Jahren eingebracht und 2014 finalisiert. Sie soll mehr Schutz für Investoren sowie erhöhte Transparenz beim Handel mit Vermögenswerten wie Dividendenpapieren, börsengehandelten Fonds und Devisen bieten.

Erneute Verzögerung

Diese Woche musste die ESMA allerdings die Umsetzung eines Teils der Regeln verzögern, die verhindern sollen, dass Vermögenswerte in sogenannten ‚Dark Pools‘ gehandelt werden. Viele Handelsplätze hatten die benötigten Daten nicht rechtzeitig oder nicht komplett übermittelt.

Laut ESMA werde sich die Veröffentlichung der Daten zum „double volume cap“ (DVC) daher um einige Wochen verzögern.

Dark Pools sind private Plattformen, die hauptsächlich von institutionellen Anlegern genutzt werden, um große Vermögenswerte zu handeln und dabei die Absichten gegenüber anderen Akteuren zu verschleiern.

MIFID II: Gegen Fehlanreize bei Bankberatung und Börsenhandel

Interview mit Markus Ferber (CSU)Bankkunden sollen künftig vor Falschberatungen besser geschützt und der Hochfrequenzhandel eingeschränkt werden. Über die Details der entsprechenden EU-Richtlinie (MIFID II) verhandeln derzeit Parlament und Rat. Der verantwortliche Berichterstatter Markus Ferber (CSU) erläutert im Interview mit EURACTIV.de wichtige Neuerungen und strittige Punkte.

Aus Sicht von Nicolas Véron vom Think-Tank Bruegel liegt die Schuld für die Verzögerungen jedoch teilweise bei der ESMA selbst: „Leider kam ein großer Teil der Beratung der ESMA [zur Implementierung der MiFID-Richtlinie] viel später, als für die Marktteilnehmer wünschenswert gewesen wäre.“

Dennoch sei es „eine gute Nachricht“, dass bei der Umsetzung keine größeren Probleme aufgetreten sind – trotz der weitreichenden Umwälzungen, die die neuen Regeln mit sich bringen, und trotz der vielen Befürchtungen, so Véron weiter.

Banken hatten gewarnt, dass viele Händler nach wie vor noch ihre Identifikationsnummer (Legal Entity Identifier, LEI) erhalten müssen, mit der sie handeln dürfen. Die ESMA akzeptierte daher eine Verzögerung dieser Pflicht. Eine Umsetzung nach Plan hätte bedeutet, dass hunderte Anleger ihren Geschäften nicht mehr hätten nachkommen können.

Unterbesetzte ESMA – und viel Papier

Aus Sicht von Véron ist ein Grund für die Verzögerungen auch die Unterbesetzung der ESMA.

ESMA-Beamte hatten bereits in der Vergangenheit den personellen Ressourcenmangel gegenüber EU-Parlamentariern beklagt. Ein Sprecher der Behörde wollte sich allerdings nicht dazu äußern, ob die Umsetzung von MiFID mit zusätzlichem Personal besser abgewickelt worden wäre.

MiFID II wurde insbesondere in Reaktion auf die mangelnde Transparenz und Informierung von Anlegern, die zum Ausbruch der Finanzkrise 2007 beigetragen hatten, entworfen. „Die Kunden werden die Veränderungen spüren, weil sie mehr Papier erhalten werden,“ erklärte MEP Ferber. „Ich kenne das Problem; aber ganz ehrlich: Information und offene Angaben sind sehr wichtig. Ich hoffe, dass die Kunden in Zukunft besser beraten werden, als es in der Vergangenheit der Fall war.“