Fidor Bank: Opfer des Bitcoin-Booms

Der Bitcoin-Hype kennt Gewinner und Verlierer. [Antana/Flickr]

Durch den Hype um die Kryptowährung gewinnt die Münchner Fidor Bank immer mehr Neukunden. Die überfordern das kleine Institut.

Der Unmut bei den Kunden der Münchner Direktbank Fidor ist groß. „Diese Bank ist eine Lachnummer von A bis Z und nicht mehr.“ „Das sind nicht hinnehmbare Zustände.“ „Werde meine Registrierung stornieren und mir eine andere Bank suchen.“ Im Forum auf der Webseite des Unternehmens wimmelt es nur so von verärgerten Neukunden, die seit Wochen darauf warten, dass Sie sich endlich registrieren können.

Wer ein Konto bei der Direktbank eröffnen möchte, muss sich vorher über den Dienst IDnow per Videochat identifizieren. Das Verfahren ist in der Theorie deutlich einfacher als die herkömmliche Registrierung über Postident, doch derzeit ist der Dienstleister vollkommen überlastet. Schuld daran ist der Hype um die Kryptowährung Bitcoin, deren Kurs in den vergangenen Tagen immer neue, aberwitzige Höhen erreicht hat. Und damit immer mehr Möchtegern-Profiteure anlockt.

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„Die Zahl der täglichen Idents erhöht sich ständig, da immer neue Bitcoin-Anbieter dazu kommen“, sagt Danielle Ritsch, Marketingchefin bei IDnow. Für insgesamt acht Bitcoin-Anbieter in Deutschland, Österreich und der Schweiz wickelt IDnow derzeit die Identifizierungen ab. Auf die gestiegene Zahl an Anfragen kann das Unternehmen aus München nicht reagieren. Kurzfristig hundert Mitarbeiter einzustellen, sei nicht möglich. Zumal der Andrang auf den Bitcoin auch jederzeit wieder vorbei sein könne.

Die Nachfrage nach Videoidentifizierungen durch IDnow ist in den vergangenen Monaten aber nicht nur stark gewachsen, sondern schwankt auch gewaltig. In einem Monat steigen die Anfragen um 50 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im nächsten Monat stagnieren sie oder sinken sogar. Das erschwert die Planung. Im November hat IDnow alleine im Bereich Bitcoin eine fünfstellige Anzahl an Identifizierungen abgewickelt.

Besonders die Fidorbank ist bei Bitcoin-Anlegern beliebt. Denn sie ist der Partner der Plattform bitcoin.de, auf der Anleger mit der Kryptowährung handeln können. Wer ein Konto bei der Fidorbank hat, kann am Expresshandel teilnehmen und Bitcoins innerhalb von Sekunden kaufen oder verkaufen. Dieses Angebot wird für die Bank zunehmend zum Fluch.

Mehr als nur eine Störung

Der Kundenservice der Bank ist jedenfalls völlig überlastet. Wer einen Betreuer ans Telefon bekommen will, braucht viel Zeit und vor allem Glück. Zeitweise ist die Servicenummer sogar vollkommen unerreichbar.

Nick Riegger, bei der Fidorbank für das Marketing verantwortlich, gibt zu, dass die vielen Neueröffnungen die Bank vor große Herausforderungen stellen. „Es kann im wahrsten Sinne des Wortes bei Kontoeröffnungen zu Spitzen kommen“, sagt er. „Gemeinsam mit unserem Partner arbeiten wir daran, die Kapazitäten optimiert planen zu können. Nicht leicht, in Zeiten wie diesen.“

Ob Überlastungen durch die gestiegene Zahl an Bankkunden auch für die weiteren Probleme der Bank mitverantwortlich sind, will diese nicht kommentieren. Mehrere Tage lang funktionierte bei etlichen Kunden das Abheben am Geldautomaten oder das Bezahlen mit der Karte nicht. Eilüberweisungen, die eigentlich innerhalb weniger Stunden auf dem Konto des Empfängers sein sollten, bleiben teilweise tagelang liegen und werden nicht bearbeitet.

Die Kontoauszüge für den November liegen auch Mitte Dezember immer noch nicht vor. „Fidor bewirbt seine Dienstleistung mit einer hohen Agilität. Dann sollen sie es auch liefern“, beschwert sich ein Kunde.

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Die große Zahl der Kundenbeschwerden ist nicht nur schlechte Werbung für die Bank. Etliche Bestandskunden spielen bereits mit dem Gedanken, zur Konkurrenz zu wechseln. Manch einer droht sogar mit weiteren Schritten. „Wo leben die denn nur? Ich werde eine Beschwerde bei der Bankaufsicht machen“, schreibt ein Kunde. Die BaFin kommentiert mögliche Beschwerden über die Fidor Bank nicht. Zu einzelnen Kreditinstituten gebe man grundsätzlich keine Stellungnahmen ab.

Die Kunden ärgern sich auch über die Kommunikationspolitik der Bank. Über die Probleme mit der Kartenzahlung wurden sie nicht eigens benachrichtigt, meinen sie. Lediglich auf der Internetseite finde sich ein Hinweis zu den Störungen. „Die Kommunikation seitens der Bank ist schlicht nicht hinnehmbar“, schreibt ein Kunde im Forum und ist mit dieser Meinung nicht alleine.

Der Bitcoin nähert sich langsam der 20.000 US-Dollar-Marke. Wie lange der Kurs noch weiter steigen wird, oder, ob demnächst die Blase platzt, weiß niemand. Bei Fidor dürften sie auf ein Ende des Hypes hoffen, damit bei der Bank endlich wieder Normalität einkehren kann.