EZB: Sberbank Europe droht die Pleite

Der Hauptsitz der russischen Bank Sberbank Europe AG in Wien, Österreich. [CHRISTIAN BRUNA / EPA-EFE]

Die Sberbank Europe wird wahrscheinlich pleitegehen. Zu diesem Schluss kam die Europäische Zentralbank (EZB) kam am Montag (28. Februar). In den vergangenen Tagen wurden erhebliche Beträge von den Konten der europäischen Tochterbank von Sberbank abgehoben.

Kurz nach der Ankündigung der EZB bestätigte der Einheitliche Abwicklungsausschuss (SRB), der für eine geordnete Abwicklung ausfallender Banken in der Eurozone zuständig ist, die Einschätzung der EZB und verhängte ein Moratorium für die Sberbank Europe.

Dies bedeutet, dass bis mindestens Dienstag, den 1. März um 23:59 Uhr keine Überweisungen oder größeren Barabhebungen von einem Konto der Sberbank Europe mehr möglich sind.

Die Sberbank Europe befindet sich vollständig im Besitz der russischen Sberbank, der größten Universalbank des Landes. Sie hat ihren Sitz in Österreich und verfügt über Tochterbanken in Slowenien und Kroatien, die ebenfalls von dem Moratorium betroffen sind.

In der vergangenen Woche haben viele Kunden der Sberbank Europe als Reaktion auf die Sanktionen gegen die russische Sberbank ihr Geld abgezogen, so ein Sprecher der EZB.

Die Abhebungen erfolgten, obwohl die Sberbank Europe selbst nicht von den Sanktionen der letzten Woche betroffen war.

„Die Bankkunden scheinen eine weitere Verunsicherung erwartet zu haben“, so der EZB-Sprecher gegenüber EURACTIV.

Ein Sprecher der SRB erklärte gegenüber EURACTIV: „Die Bank geht pleite oder wird wahrscheinlich pleite gehen, weil die derzeitige geopolitische Lage sich negativ auf das Vertrauen der Kunden auswirkt. Dies führte zu raschen Liquiditätsabflüssen und beeinträchtigte die Fähigkeit der russischen Muttergesellschaft, ihre europäische Gruppe zu unterstützen.“

Während des Moratoriums können Bankkunden täglich nur sehr begrenzte Mengen an Bargeld abheben. Österreichische Kunden können zum Beispiel nicht mehr als 100 € pro Tag abheben.

Dennoch werden Kunden, die keine hohen Einlagen bei der Sberbank Europe hatten, wohl nicht viel Geld verlieren. Denn die Einlagen von Privatkunden sind in der EU bis zu einem Betrag von 100.000 Euro pro Einleger und Bank geschützt.

Wie geht es weiter?

Derzeit prüft der SRB in einem als „Bewertung des öffentlichen Interesses“ bezeichneten Prozess, wie mit der Sberbank Europe nach dem Ende des Moratoriums am Mittwoch (2. März) vorgegangen werden soll.

Zu den Optionen gehören dem Abwicklungsausschuss zufolge: ein Verkauf von Teilen oder der gesamten Bank, die Übertragung von Teilen der Bank auf eine temporäre Institution, die sich in öffentlichem Besitz befinden kann, eine Abschreibung von Eigenkapital und Schulden oder ein normales Insolvenzverfahren.

Laut EURACTIVs Partner, der kroatischen Nachrichtenseite Jutarnji list, strebt die SRB derzeit einen Verkauf der kroatischen Tochterbank der Sberbank Europe an.

Mit nur 13,6 Milliarden Euro an Vermögenswerten Ende 2021 ist die Sberbank Europe ein kleiner Akteur im EU-Bankensektor. Ihr Risiko, andere europäische Banken anzustecken, ist daher begrenzt.

Dennoch bleibt der Abwicklungsausschuss vorsichtig. „Wir sehen dies als ein idiosynkratisches Problem in dieser Bank und würden nicht über andere Banken spekulieren“, sagte ein Sprecher in einer E-Mail an EURACTIV.

Die wahrscheinliche Pleite der Sberbank Europe erfolgt inmitten großer Turbulenzen auf den russischen Finanzmärkten.

Als Reaktion auf die westlichen Sanktionen, insbesondere das Einfrieren der Hälfte der Reserven der russischen Zentralbank, fiel der russische Rubel am Montagmorgen um rund 30 Prozent gegenüber dem US-Dollar. Der russische Aktienmarkt blieb daraufhin geschlossen.

EU kündigt Sanktionen gegen die russische Zentralbank an

Spitzenbeamte der Europäischen Union kündigten am Sonntag (28. Februar) neue EU-Sanktionen gegen die russische Zentralbank (CBR) an. Dabei sollen die Möglichkeiten der Zentralbank, auf ihre Reserven zuzugreifen, stark eingeschränkt werden, um damit den Rubel zu destabilisieren.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]

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