EZB gibt zu: Geldpolitik hatte negative Effekte auf deutsche und spanische Banken   

Die EZB in Frankfurt: Hier konzentriert sich viel Macht. [European Central Bank / Flickr]

Angesichts der wachsenden Besorgnis über die Rentabilität der Banken der Eurozone hat die EZB mitgeteilt, dass die nach der Finanzkrise getroffenen geldpolitischen Entscheidungen eine neutrale Wirkung auf die Geldhäuser des Währungsgebiets hatten – mit Ausnahme der deutschen und spanischen Banken.

In ihrem am gestrigen Montag veröffentlichten Jahresbericht für 2017 räumte die Europäische Zentralbank die negativen Auswirkungen ihrer seit 2014 durchgeführten außerordentlichen Maßnahmen ein, darunter niedrige bis negative Zinsen und das Anleihenprogramm.

Aber: „Die negativen Aspekte wurden bisher im Allgemeinen durch die positiven Auswirkungen einer soliden und breiten wirtschaftlichen Expansion auf die Rentabilität der Banken ausgeglichen,“ betont der Bericht.

Obwohl in dem Dokument also herausgestellt wird, dass die Netto-Auswirkungen der geldpolitischen Maßnahmen auf die Rentabilität zwar „begrenzt“ seien, verwies die EZB auf Unterschiede innerhalb des Euroraums. So sei bei italienischen Banken die Gesamtkapitalrendite vor allem durch die Verbesserung der Kreditqualität leicht angestiegen.

Doch die Zentralbank musste auch zugeben, dass dieser Effekt für deutsche und spanische Banken negativ ausfiel. Im Falle des französischen Bankensektors waren die Auswirkungen weitgehend neutral.

Bessere Bedingungen

Die EZB stellte weiter fest, das Niedrigzinsumfeld habe die Margen der Banken verringert, während der negative Zinssatz für die Einlagefazilität der EZB überschüssige Liquiditäten im Euroraum bestraft habe.

Diese Effekte wurden jedoch durch den Rückgang der Risikovorsorgekosten der Banken weitgehend neutralisiert: Die Kreditnehmer konnten aufgrund der wirtschaftlichen Erholung ihre Konditionen somit verbessern.

Darüber hinaus hat die verbesserte Wirtschaftslage auch das Kreditvolumen und die Kapitalgewinne aus den steigenden Vermögenspreisen angeheizt und dadurch weitere Vorteile für die Kreditgeber gebracht.

EZB: Banken sollten Gebühren für die Kunden erhöhen

Die europäischen Banken sollten die Gebühren für ihre Kunden erhöhen, um bei den aktuell niedrigen Zinsen zu überleben, so die EZB.

Diese Schlussfolgerung weicht leicht von der Auffassung der EZB ab, die im Ende März veröffentlichten Bericht über ihre Aufsichtstätigkeit dargelegt wurde.

Die EZB räumte in diesem Aufsichtsbericht nämlich ein, das Hauptrisiko für die Banken der Eurozone sei das niedrige Zinsumfeld und dessen negative Auswirkungen auf die Rentabilität der Banken.

Die Ertragskraft sei „die größte Herausforderung für die Banken im Euroraum“, sagte die Vorsitzende des EZB-Aufsichtsrats, Danièle Nouy, damals.

Unterschiedliche Gründe

In einer Anhörung mit den Europaabgeordneten zum neuesten Bericht argumentierte EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio gestern hingegen, das Niedrigzinsumfeld allein könne die Unterschiede in der Rentabilität der Banken nicht erklären.

Er nannte als Beispiel Schweden (das nicht Teil der Eurozone ist) als ein Land mit negativen Zinssätzen, dessen Eigenkapitalrendite der Banken (12 Prozent) aber über dem Durchschnitt des Euroraums (7 Prozent) lag.

Constâncio erklärte weiter, in einigen Ländern spielten auch notleidende Kredite eine wichtige Rolle, während in anderen Mitgliedstaaten, einschließlich Deutschland, die Kosteneffizienz ein Schlüsselfaktor sei.

Trotz der insgesamt positiven Auswirkungen ihrer geldpolitischen Impulse gab die EZB zu, dass die Aussichten der Banken in der Eurozone eher düster sind. Die Hauptgründe dafür seien die strukturellen Herausforderungen, denen sich der Finanzsektor gegenübersieht, einschließlich der Entstehung neuer Start-ups, die Finanzdienstleistungen anbieten (Fintech).

Ein anderes Problem sei der Überschuss an Filialen und der immer noch hohe Anteil an notleidenden Krediten in einigen Ländern.

EU-Kommission fordert neue Maßnahmen gegen faule Kredite

Die EU-Kommission will gegen „toxische“ Kredite vorgehen. Außerdem soll ein europäischer Markt für den Verkauf von notleidenden Krediten entwickelt werden.

Die EZB legte den Banken daher nahe, ihre Konsolidierung, eine stärkere Digitalisierung ihrer Aktivitäten sowie grenzüberschreitende Fusionen und Übernahmen fortzusetzen.

In Bezug auf die notleidenden Kredite empfahl die in Frankfurt ansässige Institution die Schaffung einer „Transaktionsplattform“, um die Bereinigung dieser noch in den Bilanzen der Banken vorhandenen Kredite zu beschleunigen.

Auch die Europäische Kommission hatte kürzlich vorgeschlagen, einen Sekundärmarkt für den Handel mit notleidenden Krediten zu schaffen.

Trotz der Bedenken des italienischen Bankensektors sowie von Großkonzernen wie der Deutschen Bank zeigte sich Constâncio in Bezug auf die aktuelle Situation weitgehend optimistisch.

Er erläuterte gegenüber den EU-Abgeordneten, die Widerstandsfähigkeit der Banken in der Eurozone habe sich in den letzten Jahren im Durchschnitt verbessert. So hätten die Banken ihre Solvabilitätsposition im dritten Quartal 2017 auf 14,5 Prozent der Kernkapitalquote gesteigert – im Vergleich zu lediglich sieben Prozent im Jahr 2007.

 

 

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