EZB: Firmenkredite auf Langzeithoch

Mit ihrem Leitzins von 0% sorgt die Europäische Zentralbank (EZB) seit 2016 für günstiges Geld für Kreditinstitute. [Kiefer./Flickr]

Banken in der EU vergeben so viele Kredite an Firmen und Privathaushalte wie seit neun Jahren nicht mehr. Das ist ein gutes Zeichen für den Wirtschaftswachstum in der Eurozone.

Die US-Zölle auf Stahl und Aluminium liegen noch immer wie eine Gewitterwolke über der europäischen Wirtschaft und auch die Konkuktur sinkt ab. Dennoch hatte die EZB heute aus ihrer Sicht gute Nachrichten zu verkünden: im Vergleich zum Vorjahr haben europäische Banken im Mai 3,6 Prozent mehr Darlehen an Firmen außerhalb des Finanzsektors vergeben. So kräftig hat die Kreditvergabe zuletzt im Jahr 2009 zugenommen. Im April lag das Plus noch bei 3,3 Prozent.

An die Privathaushalte vergaben die Geldhäuser im Mai 2,9 Prozent mehr Darlehen als ein Jahr zuvor. Die Entwicklung kommt der EZB entgegen. Sie strebt eine allmähliche Abkehr von ihrem Kurs der Niedrigzinsen und Anleihekäufe an, mit denen sie die Konjunktur und Kreditvergabe anschieben will.

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Experten werteten die Zahlen als Beleg dafür, dass die Wirtschaft trotz der jüngsten Abkühlung auf Wachstumskurs bleibt. “Das spricht dafür, dass der Aufschwung in der Euro-Zone zwar einen Gang zurückschaltet, aber anhält”, erklärte der Chefökonom der Förderbank KfW, Jörg Zeuner. Bislang deute nichts auf einen Konjunktureinbruch hin. “Sollten die politischen Spannungen in Europa und mit den USA jedoch noch zunehmen, dürfte das Banken und Unternehmen bewegen, vorsichtiger zu agieren.” Die Wirtschaft im Währungsraum war im ersten Quartal um 0,4 Prozent gewachsen – in den drei Vorquartalen waren es noch jeweils 0,7 Prozent.

Die EZB hält ihren Leitzins seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent, um für günstige Finanzierungsbedingungen zu sorgen. Erst kürzlich stellten sie in Aussicht, ihren Niedrigzinskurs noch bis mindestens über den Sommer 2019 hinweg beizubehalten. Seit mehr als drei Jahren erwerben die Euro-Wächter zudem in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere, um Banken zur stärkeren Darlehensvergabe anzuregen. Wegen der rundlaufenden Konjunktur will die EZB aber die Käufe bis Ende dieses Jahres einstellen. Dann werden sie eine Größenordnung von 2,6 Billionen Euro erreicht haben.

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