EZB: Banken sollten Gebühren für die Kunden erhöhen

Sorgt sich um die Profitablität der europäischen Banken: Danièle Nouy, Leiterin des Einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus (SSM) der EZB. [ECB/Flickr]

Die europäischen Banken sollten die Gebühren für ihre Kunden erhöhen, um bei den aktuell niedrigen Zinsen zu überleben, schreibt die EZB in einem neuen Bericht.

„Die Ertragskraft ist die größte Herausforderung für die Banken im Euroraum,“ heißt es im am Montag veröffentlichten Jahresbericht der EZB über ihre Aufsichtstätigkeit im Jahr 2017.

Viele Kreditgeber würden immer noch nicht ihre Eigenkapitalkosten erwirtschaften, da niedrige Zinsen die Margen reduziert haben. Gleichzeitig haben die Banken der Eurozone fast 800 Milliarden Euro an „notleidenden Krediten“ in ihren Bilanzen.

Es gibt Befürchtungen, die niedrigen Zinsraten könnten die Banken veranlassen, die Finanzierung risikoreicher Anlagen auf der Suche nach Rendite weiter zu erhöhen.

„Deshalb sind wir als Aufsichtsbehörde besorgt über die mangelnde Ertragskraft im Bankensektor des Euroraums,“ erklärte Danièle Nouy, Vorsitzende des EZB-Aufsichtsrats, die für die Überwachung der 118 systemischen Banken der Region zuständig ist.

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Überprüfung und „Risikominderungspläne“

Es ist nicht das erste Mal, dass Nouy ihre Besorgnis über das Bankensystem der Eurozone zum Ausdruck bringt. Doch nun hat die EZB im vergangenen Jahr zum ersten Mal die Geschäftsmodelle der Banken der Eurozone untersucht.

Im ersten Quartal 2017 sammelte die EZB Daten über die prognostizierten Gewinne und Verluste der Banken. Im Bericht heißt es dazu: “ Für die kommenden zwei Jahre rechnen die Banken insgesamt mit einer allmählichen Verbesserung der Ertragslage. Diese dürfte von einem soliden Kreditwachstum und niedrigeren Wertberichtigungen getragen werden, während der Druck auf die Nettozinsmargen voraussichtlich anhalten wird.“

Im zweiten und dritten Quartal diskutierte die Zentralbank mit den Banken dann deren individuelle Möglichkeiten, Erträge zu erwirtschaften und ihre geplanten Wachstumsstrategien zu verfolgen.

Die in Frankfurt ansässige Institution hatte Anfang des Jahres einige Banken aufgefordert, „Risikominderungspläne“ zu erstellen. So seien die Banken im Rahmen des Dialogs auf „Mängel im Bereich der internen Strukturen zur Ertragssteuerung und Probleme im Zusammenhang mit ihren Geschäftsplänen, etwa eine übermäßige Risikobereitschaft“, aufmerksam gemacht worden, so der Bericht.

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Risiko Nummer eins

Das größte Risiko für 2018 ist nach Ansicht der Aufsichtsbehörde weiterhin das niedrige Zinsniveau und dessen negative Auswirkungen auf die Rentabilität der Banken.

Bei Großbanken stammt mehr als die Hälfte der Betriebserträge aus Krediten, Hypotheken und anderen zinstragenden Aktiva.

Die Gebühren und Provisionen machen im Durchschnitt zwischen 20 und 30 Prozent der Nettoeinnahmen der Eurozonen-Banken aus – und etwa zwei Drittel ihrer gesamten zinsunabhängigen Erträge.

Angesichts des rekordverdächtig niedrigen Zinsniveaus sagte Nouy ausdrücklich, Banken könnten beispielsweise versuchen, ihre Erträge aus Gebühren zu erhöhen. EZB-Präsident Mario Draghi und Nouy betonten außerdem die Notwendigkeit, die Zahl der Filialen zu reduzieren – unter anderem, weil Online-Banking immer beliebter werde.

Nouy wies jedoch darauf hin, dass der Stellenabbau keine Auswirkungen auf Bereiche wie Risikomanagement oder IT-Sicherheit haben sollte: „Generell dürfen die Banken nicht an Dingen sparen, die für den zukünftigen Erfolg und die Stabilität entscheidend sind.“

Weitere Risiken für die Rentabilität der Banken seien die anhaltend hohe Zahl notleidender Kredite sowie geopolitische Unsicherheiten. Die EZB stellte in diesem Zusammenhang fest, die geopolitischen Risiken hätten „deutlich zugenommen“, hauptsächlich aufgrund der Brexit-Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien. Doch auch global gesehen gebe es aktuell mehr politische Unsicherheit.

Die Kreditgeber würden darüber hinaus unter der Konkurrenz von Nicht-Bankunternehmen wie z.B. Startups, die Finanzdienstleistungen anbieten (Fintech), leiden. Letztere werden als eine der größten Herausforderungen für die Zukunft des klassischen Bankengeschäfts angesehen.

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