Eurozone-Mitglieder einigen sich auf Leitlinien zur Rettung von Banken [DE]

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Die Finanzminister der 15 Eurozone-Länder haben sich gestern (6. Oktober 2008) auf Leitlinien zur Unterstützung von Banken geeinigt, da mehr Länder dem irischen und deutschen Beispiel gefolgt und in Bedrängnis geratenen Finanzinstitutionen zu Hilfe geeilt sind. 

Den Leitlinien zufolge, auf die sich die Minister während eines Treffens in Luxemburg am 6. Oktober geeinigt haben, werden nur große europäische Banken gerettet. 

Die Einigung erfolgte zu einer Zeit, da einige Länder dem deutschen Beispiel gefolgt sind und entschieden haben, Staatsgarantien für alle Bankeneinlagen privater Sparer anzubieten. Damit wurde eine abgestimmte europaweite Lösung vorerst ausgeschlossen.

Österreich, Dänemark und Schweden folgten dem deutschen Beispiel, während andere Länder mitteilten, sie würden ähnliche Schritte planen. 

Die britische Regierung erhöhte die Garantiesumme auf 64.000 Euro für private Sparer. Dieser Schritt wurde vom britischen Premierminister Gordon Brown als erforderlich in außergewöhnlichen Zeiten beschrieben. 

Spanien und Italien deuteten an, sie würden dem deutschen Beispiel auch folgen, und gaben damit ihre vorherige Haltung auf, dass eine europäische Lösung gefunden werden müsse. Es bestehe die Gefahr eines Domino-Effektes, sagte ein spanischer Vertreter der Financial Times. Nun müsse jeder für seine eigenen Banken sorgen. 

Kommissionspräsident José Manuel Barroso erkannte an, dass sich die nationalen Situationen voneinander unterscheiden würden und dass es für einen abgestimmten europäischen Ansatz noch zu früh sei. Die Gemeinschaft würde aus mehreren Staaten bestehen, sie sei kein einheitlicher Staat, sagte Barroso. Darum müsse jeder auf seiner Ebene mit seinen Instrumenten handeln. Er erkenne an, dass sich die Fälle unterscheiden würden und dass die nationalen Kontexte ebenfalls variierten. Deshalb könne es keine einheitlichen Antworten geben.

Kein europäischer Rettungsfonds

Ein europäischer Rettungsfonds, der in der vergangenen Woche von der dänischen und der französischen Regierung vorgeschlagen wurde, scheint vom Tisch zu sein, obwohl Italien die Idee voraussichtlich wieder anbringen wird, wenn sich die EU-Finanzminister heute treffen.

Alle europäischen Staats- und Regierungschefs würden sämtliche erforderliche Schritte einleiten, um die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten, durch Liquiditätsinjektionen, spezielle Aktionen für einzelne Banken, oder durch die Verbesserung der Absicherung von Spareinalgen, sagte Berlusconi im Vorfeld eines Treffens mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. 

Die europäische Shuttlediplomatie scheint sich im Vorfeld des EU-Gipfels am 14. und 15. Oktober zu intensivieren, da sich der spanische Ministerpräsident Zapatero am Freitag mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy treffen wird, dessen Land derzeit die EU-Präsidentschaft innehat. 

Unterdessen setzen die europäischen Börsen gemeinsam mit dem Eurokurs ihren Abschwung fort. Dabei brach die Börse in Deutschland um 7% ein und die europäische Währung erreichte ein 14-Monate-Tief im Vergleich zum US-Dollar. 

Die Ankündigung des deutschen Finanzministers Peer Steinbrück, dass sein Land an einem ‚Plan B’ für nationale Banken arbeite, beunruhigte die europäischen Nachbarstaaten Deutschlands zusätzlich. Man müsse versuchen, ein Schutzschild zu errichten, damit vermieden werde, dass man von einer Bankenkrise in die nächste tolpere, sagte er. 

Solvabilität II

Die EU-Finanzminister werden auch über Solvabilität II debattieren, ein Vorschlag, der die Art und Weise der grenzüberschreitenden Überwachung von Versicherungsgruppen vereinheitlichen würde. Angesichts der aktuellen Finanzkrise drängt Brüssel auf einen schnellen Abschluss der Dinge, die bereits auf dem Tisch liegen, während eine Reihe von Themen umstritten bleibt. Dabei warnen Aufsichtsbehörden vor den Risiken der Reform und die Wirtschaft drängt auf weitergehende Veränderungen. 

Derzeit scheint eine europaweite Einigung nicht in Sicht, da die Ansichten über die Gruppen-Aufsicht auseinander gehen. Eine Gruppe von 12 Ländern mit einer weniger bedeutenden Versicherungswirtschaft, besonders die osteuropäischen Länder und Spanien, befürchten, dass sich die Reform des Versicherungssektors zu sehr auf die Interessen der großen Unternehmen konzentrieren könnte. 

Der Wirtschaftsausschuss im Europäischen Parlament wird heute über den Richtlinienentwurf abstimmen, das Parlamentsplenum wird im November nachfolgen. 

Ermäßigter Mehrwertsteuersatz

Die Minister werden außerdem über Maßnahmen zur Bekämpfung des Steuerbetrugs und über ermäßigte Mehrwertsteuersätze für arbeitsintensive Dienstleistungen wie Catering diskutieren. Die französische EU-Präsidentschaft sieht die reduzierten Mehrwertsteuersätze als Schlüssel zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit von kleinen Unternehmen an (siehe LinksDossier). Länder wie Deutschland sprechen sich aber weiterhin gegen die Maßnahme aus und stellen ihre positiven Auswirkungen in Frage.

Die weltweiten Finanzmärkte gerieten Anfang August 2007 aufgrund der Subprime-Krise auf den US-amerikanischen Hypothekenmärkten in Turbulenzen und zwangen die Zentralbanken das Finanzsystem mit enormen Finanzspritzen in Gang zu halten, um eine mögliche Liquiditätskrise abzuwenden.

Obgleich Europa bereits eine Geschmacksprobe der aus den USA importierten Krise erhielt, als letztes Jahr die britische Hypothekenbank Northern Rock gerettet werden musste (EURACTIV vom 10. Oktober 2007), war zunächst hauptsächlich Großbritannien betroffen, während die großen Konzerne im Rest Europas noch verschont blieben.

Doch in der vergangenen Woche hat sich die Krise auch in Europa deutlich bemerkbar gemacht. So sahen sich die Regierungen gezwungen, dem belgisch-niederländischen Banken- und Versicherungsriesen Fortis (EURACTIV 29. September 2008), dem deutschen Kreditgeber Hypo, der britischen Bradford & Bingley (B&B), der französisch-belgischen Bank Dexia und einigen der größten irischen Banken zur Hilfe zu eilen (EURACTIV vom 30. September 2008). 

In der vergangenen Woche hat die irische Regierung dem Finanzsektor Staatsgarantien in Höhe von möglicherweise 440 Milliarden Euro, das Zweifache des irischen BIP, angeboten. Obwohl der Schritt von der EU-Kommissarin für Wettbewerb Neelie Kroes als unfair bezeichnet wurde, folgen nun andere Länder, darunter Griechenland und Deutschland, dem irischen Beispiel, um ihre Finanzsektoren zu retten. 

  • 7. Oktober 2008: Die EU-Finanzminister treffen sich heute, um über weitere Schritte zu diskutieren und den Europäischen Gipfel am 14. und 15. Oktober vorzubereiten.
  • 7. Oktober 2008: Der Wirtschaftsausschuss im Europäischen Parlament stimmt über Solvabilität II ab. 

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