EU-Wachstumsprognose inmitten ‚fortwährender Unsicherheit’ abgeschwächt [DE]

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Die Kommission hat die Erwartungen an die Wirtschaft der EU zwischen 2008 und 2009 heruntergespielt. Unterdessen hat die Europäische Zentralbank auf die ‚fortwährende Unsicherheit’ auf den europäischen Finanzmärkten infolge der Subprime-Krise an den US-amerikanischen Hypothekenmärkten reagiert und weitere Finanzspritzen angekündigt. Sie sagte aber auch, dass es außer Frage stehe, dass eine höhere Inflation als erwartet eine Senkung der Zinssätze bedeute.

Die europäischen Wirtschaften werden vermutlich nicht so gut abschneiden, wie dies vor sechs Monaten vorhergesagt worden war (siehe EURACTIV vom 8. Mai 2007). Grund hierfür seien „die Finanzmarktturbulenzen vom vergangenen Sommer, die schwächelnde US-Konjunktur und der anhaltende Ölpreisanstieg“. Insgesamt „dürften sich die negativen Auswirkungen jedoch in Grenzen halten“. Dies sagte der Kommissar für Wirtschaft, Joaquín Almunia, während er am 9. November 2007 die jüngste Wirtschaftsprognose der Kommission vorstellte.

Der Herbstbericht prognostiziert, dass das Wachstum der EU-Wirtschaft 2008 und 2009 2,4% betragen werde – 0,3% weniger als im Frühjahr vorhergesagt. Als Zeichen der Bestätigung, dass die weltweite Kreditknappheit, zu der es infolge der Subprime-Krise am US-amerikanischen Hypothekenmarkt gekommen war, nicht vorüber sei, hat der EZB-Rat am 8. November 2007 angekündigt, er werde am 23. November und 12. Dezember 2007 weitere Liquiditätsspritzen in Höhe von 40 bzw. 75 Milliarden Euro einleiten.

EZB-Chef Jean-Claude Trichet äußerte sich vielsagend über den Anstieg des Euros auf ein noch höheres Rekordlevel gegenüber dem Dollar. Vergangene Woche hatte die Währung mit knapp über 1,47 US-Dollar ein neues Hoch erreicht. Dies hatte Trichet dazu veranlasst zu mahnen, dass „brutale Bewegungen nie willkommen“ seien.

Trotz dieser Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum hat die EZB die Zinssätze im fünften Monat in Folge unverändert gelassen. Laut EZB-Quellen seien Aufwärtsrisiken (Hausse-Risiken) für die Preisstabilität ‚vollständig bestätigt’ geworden, da die Inflation aufgrund von steigenden Lebensmittel- und Ölpreisen im Oktober auf 2,6% angestiegen war. Er äußerte sich jedoch optimistisch, dass die Steigerung ‚vorübergehend’ sei.  

Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) bestand jedoch darauf, dass die EZB die Zinssätze ‚sofort’ senken solle. Die Wachstumsdynamiken würden bereits schwächer und seien nicht stark genug, um dem ‚Dreifach-Schock’ der Gesamtnachfrage der kommenden Quartale standzuhalten. Wenn die EZB sich nicht an die Spitze der Wirtschaftskurve stelle, laufe sie Gefahr, negative Wachstumserwartungen zu etablieren und die düstere Wachstumsleistung der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts zu wiederholen.

In ihrem eigenen Wirtschaftsausblick für die EU bemerkte die Arbeitgeberorganisation BusinessEurope, während sie die Währungspolitik der EZB unterstütze, fürchte sie, dass die Bank nicht genügend Gewicht auf Wechselkursentwicklungen und Abwärtsrisiken (Baisse-Risiken) für das Wachstum lege. Andererseits glaube die Organisation, dass der Inflationsdruck in Grenzen gehalten scheine. Hausse-Risiken für die mittelfristige Preisstabilität würden größtenteils von Abwärtsrisiken für das Wachstum ausgeglichen werden. In diesem Zusammenhang erscheine keine weitere Verschärfung der Währungssituation in naher Zukunft garantiert, so BusinessEurope.  

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