Trotz ehrgeiziger Forderungen, noch weiter zu gehen, konnten sich die EU- Staats- und Regierungschefs, die in Brüssel zum Europäischen Rat zusammenkamen, sich nur auf einige kleinere Maßnahmen zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Aufsicht von Banken einigen. Das Fehlen einer solch transnationalen Aufsicht wird weitgehend als einer der Gründe für die derzeitige Finanzkrise angesehen.
Die abschließende Erklärung des Gipfels bleibt vage und fordert lediglich „die Koordinierung der Aufsicht auf europäischer Ebene zu verbessern“. Diejenigen, die sich mehr erhofft hatten, wurden enttäuscht.
Andeutungen der Europäischen Kommission zufolge habe der Vorschlag zu einer gemeinsamen Aufsichtsbehörde während des zweitägigen Rats (EURACTIV vom 15. Oktober 2008) im Raume gestanden. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy, derzeitiger EU-Ratsvorsitzender, hob die „sehr ehrgeizigen“ Ideen einiger Mitgliedstaaten zu einer europäischen Finanzaufsicht hervor, die am ersten Tag des Gipfels (15. Oktober 2008) vorgebracht wurden.
Letzendlich beendeten die Staats- und Regierungschefs den Gipfel ohne sich jedoch in ihren beschlossenen Schlussfolgerungen auf eine gemeinsame Aufsichtsbehörde zu beziehen und erwähnten nicht einmal das weniger ehrgeizige Konzept der ‚Gruppenaufsicht’. Letztere hätte die Einrichtung von Ad-hoc-Gruppen nationaler Aufsichtsbehörden vorgesehen, die grenzüberschreitend tätige Konzerne, wie Fortis oder Santander, überwachen sollten.
Bei einem solchen System hätte die Aufsichtsbehörde des Ursprungslandes, in dem das multinationale Unternehmen seinen Hauptsitz hat (Belgien bei Fortis, Spanien bei Santander), klare vorrangige Befugnisse vor den anderen nationalen Aufsichtsbehörden, um einen klaren Entscheidungsfindungsprozess zu gewährleisten. Dieses Modell findet besonders in der derzeitigen Reform der europäischen Versicherungsbranche (Solvabilität II) Anwendung.
Stattdessen haben sich die Staats- und Regierungschefs allerdings für den Ansatz eines ‚Aufsichtskollegiums’ entschieden, der von Kommissionspräsident José Manuel Barroso als „minimalistisch“ bezeichnet wird. Während die Aufsicht durch ein Kollegium auch auf Ad-hoc-Teams basiert, unterscheidet sie sich von der Gruppenaufsicht, da sie bezüglich der Aufteilungen von Zuständigkeiten zwischen nationalen Aufsichtsbehörden unklar bleibt. Viele befürchten, dass ein solches Modell Entscheidungen praktisch unmöglich machen wird. Für viele Staaten, die befürchteten, die wichtige Kontrollzuständigkeit für die Bilanzen der größten Banken zu verlieren, bevorzugen diese Lösung jedoch auch weiterhin deutlich.
Der einzige offensichtliche Fortschritt, der in der Abschlusserklärung des Rates enthalten ist, ist eine Aufforderung an die nationalen Aufsichtsbehörden, sich mindestens einmal im Monat zu treffen und Informationen auszutauschen. Dieser Schritt hat allerdings überwiegend symbolischen Charakter, da sich die EU-Aufsichtsbehörden bereits regelmäßig treffen. „Sie organisieren vier offizielle Treffen pro Jahr, aber zu speziellen Anlässen treffen sie sich öfter. Allein im letzten Monat haben sie fünf Telefonkonferenzen abgehalten“, sagte ein Sprecher des Ausschusses der europäischen Bankaufsichtsbehörden (CEBS) EURACTIV.

