Deutsche Bank begräbt ihre globale Ambitionen

Das größte deutsche Geldhaus will sich radikal umbauen. [Bild: Jorg Hackemann / Shutterstock.com]

Aus der Traum: Die Deutsche Bank verabschiedet sich unter dem neuen Chef Christian Sewing vom Anspruch, mit den großen Wall-Street-Häusern in einer Liga zu spielen. Das Investment-Banking wird radikal zurechtgestutzt.

Nach einem Gewinneinbruch um 80 Prozent zu Jahresbeginn soll im schwächelnden Investment-Banking kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Das lange schon unter Druck stehende US-Geschäft sowie das Engagement auf dem asiatischen Markt sollen massiv zurückgefahren werden. Stattdessen wird das Europageschäft ausgebaut. “Wir schrauben ganz klar unsere Ambitionen zurück”, sagte Finanzchef James von Moltke in Frankfurt. Sewing machte klar: “Die Ergebnisse im ersten Quartal zeigen die Notwendigkeit sofort zu handeln.”

Die Maßnahmen sind nicht billig: In diesem Jahr steigen die Ausgaben für den Umbau um 300 Millionen auf rund 800 Millionen Euro. Einen Gutteil der Kosten verursachen Abfindungen für Mitarbeiter, die nicht mehr gebraucht werden. Wie viele genau gehen müssen, wollte Sewing nicht sagen, betonte aber, es werde eine “signifikante” Zahl sein. In den USA wurden angeblich bereits 300 Investmentbanker entlassen. Dass die üblichen Abfindungen in dieser Branche eher mit dem Lebenseinkommen als mit dem Jahreseinkommen Normalsterblicher vergleichbar sind, ist nicht neu.

Deutsche Bank im Ausnahmezustand

Der Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan, schreibt, dass er bleiben will. In die Debatte um seinen Posten bringt das keine Ruhe, sondern allenfalls eine Atempause.

In Europa will die Bank allerdings nicht schrumpfen, sondern wachsen. “Unsere Wurzeln liegen in Europa – hier wollen wir Unternehmen und institutionellen Kunden weltweite Finanzierungslösungen anbieten. Darauf werden wir uns künftig noch viel stärker konzentrieren”, sagte Sewing, den der Aufsichtsrat der Bank in einer Krisensitzung am 8. April zum Nachfolger von John Cryan ernannt hatte. Dem seit Mitte 2015 amtierenden Briten hatten viele vorgeworfen, er treffe zu zögerlich die nötigen Entscheidungen, um das Institut wieder auf Kurs zu bringen.

Sein Nachfolger legt nun nach nicht einmal drei Wochen im Amt einen Turbostart hin. Investoren unterstützen den neuen Kurs. “Es ist gut, dass Sewing Gas gibt. Allerdings muss sich das dann natürlich auch im Ergebnis niederschlagen”, hieß es im Umfeld eines der größten Anteilseigner der Bank. Von einem anderem Investor kamen deutlich skeptischere Töne: “Bislang sieht das noch nach einem Schnellschuss aus.” Auch stelle sich die Frage, ob die nun angekündigten Maßnahmen, die teilweise noch sehr vage seien, auch genügten. An der Börse reichte es für die Aktie nach drei Verlustjahren in Folge und wegen des schwachen Jahresauftakts nur zu einem kleinen Plus.

Dabei sagte Sewing am Donnerstag eigentlich genau dass, was Aktionäre normalerweise hören möchten. So will der neue Chef auch bei den Kosten die Axt anlegen: Der Vorstand habe sich nach drei Abgängen – Ex-Vorstandschef Cryan, IT-Chefin Kim Hammonds und der bisherige Co-Leiter der Investmentbank Marcus Schenck – bereits erheblich verkleinert. “Doppelspitzen in den Geschäftsbereichen werden abgeschafft. Auf allen Ebenen sollen schlankere Führungsstrukturen zu geringeren Kosten und schnelleren Entscheidungen führen.”

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Während die Investmentbanker bluten müssen, sieht Sewing die Zukunft der Bank im klassischen Privat- und Firmenkundengeschäft und in der Vermögensverwaltung. Neben dem Heimatmarkt Deutschland wolle er sich auf wachsende Märkte wie Italien und Spanien konzentrieren sowie auf das Geschäft mit vermögenden Kunden, das in Deutschland und international ausgebaut werden soll. “

Wird so am Ende einer jahrzehntelangen Skandalgeschichte die von der Unterstützung von Diktatoren über Nahrungsmittelspekulation und Kursmanipulation bis hin zu massiver Beeinflussung der Politik nichts aussparte, aus der 1870 gegründeten Deutschen Bank doch wieder ganz normales, ehrenwertes Geldhaus? Diese Hoffnung wäre wohl übertrieben. Aber einiges wird sich auf jeden Fall ändern. Wie nachhaltig, dass wird sich zeigen.

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