Defizit und IWF: Sarkozy umwirbt EU-Finanzminister [DE]

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Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat die anderen Staaten in der Eurozone davon überzeugt, dass sein Land die Möglichkeit haben sollte, gegen ein Abkommen zwischen den 27 Unionsmitgliedern zur Beseitigung der Haushaltsdefizite verstoßen darf, um das Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern. Außerdem hat er Unterstützung für seinen Kandidaten für den Direktorposten des Internationalen Währungsfonds (IWF) erhalten.

  • Stabilitäts- und Wachstumspakt

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy kündigte am 9. Juli 2007 an, dass er, obwohl er sich an das Versprechen seines Vorgänger Jacques Chirac halten wolle, das französische Haushaltsdefizit bis 2010 zu beseitigen, aufgrund des langsamen Wirtschaftswachstums in Frankreich nicht garantieren könne, das Versprechen vor 2012 einzulösen.

Die Finanzminister aller 27 EU-Mitgliedstaaten hatten bei einem Treffen in Berlin im April 2007 versprochen, den gegenwärtigen Wirtschaftsaufschwung zum Ausgleich ihrer Budgets bis 2010 zu nutzen.

Sarkozy jedoch, der im Mai 2007 gewählt wurde, möchte dieses Abkommen neu diskutieren. Er weist darauf hin, dass er Frankreich einen „Steuerschock“ versetzen müsse, um die Wirtschaft anzukurbeln und die hohen Arbeitslosenzahlen zu bekämpfen.

Die von ihm geplanten weitreichenden Steuersenkungen würden Frankreich daran hindern, sein Defizit in diesem Jahr um 0,5%, wie in der Berliner Einigung vorgesehen, zu senken. Stattdessen sagt Sarkozy, dass er das Defizit von 2,5% im Jahr 2006 in diesem Jahr auf 2,4% senken werde.

Während die Länder der Eurozone keinen Einfluss auf die Ausgaben des französischen Staates haben, so lange das Defizit unter der Begrenzung von 3% des BIPs bleibt, wird dieser Schritt bereits als Stich in den Rücken einiger Länder empfunden, die bereits schmerzhafte Reformen ausgeführt haben, um die europäischen Haushaltsregeln einzuhalten.

Es gibt auch Sorgen, dass die Einstellung Frankreichs andere Nationen inspirieren könnte, den Stabilitätspakt zu untergraben, nur zwei Jahre nachdem er auseinandergenommen und neu aufgebaut wurde, weil Frankreich und Deutschland mehr Flexibilität gefordert hatten.

  • IWF

Die 27 Finanzminister der EU haben auch den ehemaligen französischen Finanzminister als europäischen Kandidaten für den Vorsitz des Internationalen Währungsfonds unterstützt, da der Spanier Rodrigo Rato im Oktober 2007 seine Amtszeit beenden wird.

Der Ecofin-Rat habe sich geeinigt, Dominique Strauss-Kahn für den IWF-Direktorposten zu unterstützen, kündigte die portugiesische Präsidentschaft am 10. Juli 2007 an. Sarkozy hatte sich deutlich für seinen Kandidaten für das höchste Amt beim IWF eingesetzt.

Eine Reihe von Staaten ist jedoch besorgt darüber, dass Frankreich den IWF leiten könnte, da drei Franzosen bereits für 30 der 61 Jahre des IWF-Bestehens diese Funktion ausgeübt haben. Außerdem werden auch die Europäische Zentralbank, die Welthandelsorganisation und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung von Franzosen geleitet.

Der britische Finanzminister Alistair Darling betonte, dass es keine formelle Übereinkunft gegeben habe und dass die britische Regierung abwarte, welche weiteren Kandidaten aus anderen Teilen des IWF vorgeschlagen würden, auch wenn Strauss-Kahn ein geeigneter Kandidat sei.

Aufgrund eines umstrittenen internationalen Abkommens stammt der Chef des IWF traditionell aus Europa, während ein Amerikaner für die Weltbank zuständig ist, aber Darling wies darauf hin, dass der am ehesten geeignete Kandidat, unabhängig von seiner Herkunft, ernannt werden solle.

Während die portugiesische Präsidentschaft die Kandidaten anderer Länder oder Regionen ausschloss, betonte er, dass Strauss-Kahn der EU-Kandidat sei und wies darauf hin, dass die EU aufgrund Dringlichkeit der Ernennung kein „ideales Verfahren“ in dieser Frage anwenden könne.

  • Ausweitung der Eurozone

Die Finanzminister haben ihre endgültige Zustimmung gegeben, dass Zypern und Malta der Eurozone im kommenden Jahr beitreten dürfen (EURACTIV vom 22. Juni 2007).

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy erklärte, dass er nicht beabsichtige, eine Verzögerung herbeizuführen oder gegen EU-Regelungen zu verstoßen, aber dass es notwendig sei, dass der Stabilitäts- und Wachstumspakt in einer ‚intelligenten und dynamischen Art’ angewandt werde. Er glaube an den Pakt und dessen Notwendigkeit. Er wolle natürlich nach den Grundprinzipien des Paktes handeln, betonte Sarkozy. Wenn man mehr Wachstum verzeichne als man erwarte, werde man sich der Konsolidierung widmen und das Ziel von 2010 erreichen.

Aber die Bemühungen Frankreichs seien ohne Präzedenzfall, so Sarkozy, und wenn man das erwartete Wachstum nicht erreiche, werde man 2012 als Ziel festlegen müssen. Es sei nur einer Frage der Ehrlichkeit. Wenn man 2010 nicht erreiche, sei er der erste, der dies bedaure, aber 2012 sei kein ‚lächerliches’ Datum.

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde sagte gegenüber Journalisten, dass Sarkozy von anderen Staaten ‚erhört, verstanden und ermutigt’ worden sei.

Der Kommissar für Wirtschaft und Währung, Joaquín Almunia, sagte, es sei sehr positiv, dass der französische Präsident in einer so ‚enthusiastischen’ Art von strukturellen Reformen spreche, und den Stabilitätspakt stärken wolle.

Dennoch erinnerte er Sakrozy, "dass Strukturreformen und Haushaltsdisziplin kein Widerspruch sind, sondern einander ergänzen".

Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück sagte, dass mehrere Minister ihre Bedenken geäußert hätten hinsichtlich der Auswirkungen, die es nach sich ziehen könnte, wenn eines der größten Länder der Eurozone von den EU-Budgetregelungen abweiche, auch wenn Frankreich sich an das ‚Wesen’ des Gesetzes halte, indem es weiterhin Schulden in einem langsameren Tempo kürze.

Dies habe automatisch Auswirkungen auf die anderen Mitgliedstaaten und deren innenpolitischen Debatten, so Steinbrück. Es unterstütze nicht die Glaubwürdigkeit des Stabilitäts- und Wachstumspakts.

Nichtsdestotrotz verlasse er das Treffen mit Zufriedenheit darüber, dass Frankreich die Ziele, auf die man sich geeinigt habe, bis 2010 erreichen könne.

Der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker, der den Vorsitz der Eurogruppe innehat, zeigte sich zufrieden mit dem Vorhaben. Die Botschaft sei ‚Ja’ zu Reformen sowie ‚Ja’ zu den Absichten des Präsidenten Sarkozys, da diese den Wünschen entsprächen, das mittelfristige Ziel [eines ausgewogenen Budgets] bis 2010 zu erreichen, so Juncker.

Der niederländische Finanzminister Wouter Bos zeigte sich skeptischer: Er ist der Meinung, Sarkozy habe zu wenig Details offen gelegt. Was die Entscheidungen erschwerte, war, dass er sein Programm nicht vorgelegt habe. Man habe befürchtet, dass es negative Auswirkungen habe werde auf die Möglichkeit, ein ausgewogenes Budget zu erreichen, aber niemand war sich sicher, da man die Details nicht kannte.

Die EU-Finanzminister haben am 10. Juli 2007 ihr erstes Treffen unter der portugiesischen Ratspräsidentschaft abgehalten, um die Prioritäten für die nächsten sechs Monate zu diskutieren.

Wie üblich ging dem Treffen am 9. Juli 2007 ein Treffen der 13 Finanzminister der Staaten der Eurozonen voran.

Ungewöhnlicher war jedoch die Anwesenheit des neu gewählten französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy bei dem Treffen. Der energische neue Staatschef hatte sich selbst zu der Veranstaltung eingeladen, um seine Pläne zu verteidigen, das französische Haushaltsdefizit zu verlängern - entgegen der Regeln der Eurozone und trotz der Kritik der anderen EU-Mitgliedstaaten.

  • September 2007: Sarkozys Haushaltspläne für die kommenden fünf Jahre werden von den Mitgliedern der Eurozone untersucht werden.

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