Bundesbank gegen grüne Investitionen

Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret. [PROSalzburg Global Seminar/Flickr]

Die Bundesbank kritisiert Pläne der EU-Kommission, Öko-Investitionen in den Bilanzen von Geldhäusern bevorzugt zu behandeln.

Nachhaltigkeit gehe nicht automatisch mit verminderten Risiken einher, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret auf einer Veranstaltung in Frankfurt laut Redetext. „Und deshalb sollte die Berechnung der Eigenkapitalanforderungen auch nur von einem Kriterium abhängen: vom Risikogehalt der entsprechenden Forderungen.“ Die Bankenaufsicht müsse sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren.

Dabei hatte die Kommission weniger das Finanzrisiko als viel mehr das Klimarisiko im Blick, als sie die Bevorzugung von Öko-Investitionen vorschlug. Eine Expertengruppe, die der Kommission zuarbeitet, sieht hier auch den Finanzsektor in der Pflicht. Christian Thimann von AXA, der der Expertengruppe vorsitzt, erklärte: „Unser Wirtschaftsmodell funktioniert nicht so, wie es funktionieren sollte.“ Gegenüber Journalisten machte er deutlich: „Der Finanzsektor spielt eine wesentliche Rolle.“ In dem im Dezember 2015 unterzeichneten Klimaabkommen von Paris wurde zum ersten Mal diese „wesentliche Rolle“ unterstrichen, die der Finanzsektor bei der Bekämpfung des Klimawandels spielen kann.

Expertengruppe empfiehlt EU-Standards für grüne Anleihen

Unter anderem schlagen die Finanzexperten klare Klassifizierungen und offizielle EU-Nachhaltigkeitsstandards für grüne Anleihen vor.

Da die Nachfrage nach grünen Investitionsprodukten in Europa wächst, müsse die Kommission offizielle europäische Nachhaltigkeitsstandards und -zertifikate entwickeln, um sicherzustellen, dass die getätigten Investitionen tatsächlich zu den formulierten Umweltzielen beitragen, fordert die Expertengruppe.

Um ein entsprechendes Zertifikat oder Label für grüne Anleihen zu erhalten, dürften die bereitgestellten Gelder „ausschließlich“ zur Finanzierung oder Refinanzierung von grünen Projekten im Sinne einer neuen europäischen Nachhaltigkeits-Taxonomie verwendet werden. Darüber hinaus sollten Standards für grüne Anleihen geschaffen werden, die von einer „unabhängigen und anerkannten“ externen Prüfinstitution überwacht werden.

Dass Finanzinstitute und -behörden selbst wenig begeistert von der ihnen zugedachten Rolle im Kampf gegen den Klimawandel sind, zeigen auch die Einlassungen von Europas oberster Bankenabwicklerin, Elke König, die Exekutivdirektorin der Abwicklungsbehörde, dei sich jüngst ähnlich äußerte wie die Bundesbank.

Die Pläne zur Förderung von grünen Investitionen hatte EU-Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis im Dezember vorgestellt. Der Vorstoß soll das EU-Ziel unterstützen, den Treibhausgasausstoß bis 2030 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Die EU-Kommission erhofft sich dadurch unter anderem mehr Investitionen von Banken in erneuerbare Energien.

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