Die Ratifizierung des Vertrags von Lissabon wird wohl eine schwierige Angelegenheit im Vereinigten Königreich werden. Daher hat der britische Premierminister Gordon Brown in einer Rede vor Wirtschaftsführern in London die Notwendigkeit eines stärkeren europäischen Engagements unterstrichen, um Handel, Wirtschaft und Arbeitsplätze zu sichern.
Brown sagte in seiner Rede am 14. Januar 2008, Europa sei der Schlüssel zum Erfolg für die Wirtschaft im Vereinigten Königreich. Somit machte er im Vorfeld des politischen Ringens um die Ratifizierung des Vertrags von Lissabon eine sehr pro-europäische Anmerkung. Die oppositionelle Konservative Partei (Tories) fordern, dass der Vertrag einer öffentlichen Abstimmung unterzogen wird.
Das britische Parlament wird den neuen EU-Vertrag im Februar und im März diskutieren. In ihm sind wichtige institutionelle Reformen festgelegt.
Brown sagte, der Abschluss des Lissabon-Vertrags bedeute, dass es nun die Möglichkeit gebe, die Herausforderungen anzugehen, die für die europäischen Bürger am wichtigsten seien: Stabilität, Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung.
Die Regierung Browns hat entschieden, kein Referendum über den Vertrag von Lissabon abzuhalten. David Cameron, Vorsitzender der Tories, hat jedoch angekündigt, dass er den Text einer Volksabstimmung unterziehen würde, wenn seine Partei an die Macht käme, bevor der Vertrag von allen 27 EU-Mitgliedstaaten ratifiziert worden sei.
Der britische Premierminister warnte davor, die britische EU-Mitgliedschaft in Frage zu stellen, da dies Handel, Wirtschaft und Arbeitsplätze gefährden könne. Er fügte hinzu, er glaube stark daran, dass das Vereinigte Königreich weiterhin vollständig in Europa Engagement zeigen müsse, so dass man die Reformen vorantreiben könne, die für die europäische als auch die britische wirtschaftliche Zukunft von enormer Bedeutung seien.
Brown sagte, die jüngsten finanziellen Turbulenzen seien ein „Wachruf“ gewesen. Er forderte die EU auf, zusammenzuarbeiten, um umgehend die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, und eine langfristige Stärkung der internationalen Kapazitäten anzuführen, um höhere finanzielle Stabilität zu gewährleisten. Brown wird noch im Januar 2008 die Bundeskanzlerin Angela Merkel, den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und den italienischen Premierminister Romano Prodi treffen, um die Reaktionen auf die Kreditkrise zu diskutieren.
Im Mai 2008 wird eine Nachbereitung der EU-Finanzminister zu den Themen Finanzaufsicht und Stabilitätsvorkehrungen in der EU, ebenso wie zur Situation der Finanzmärkte erfolgen.

