Bankenumsiedlung nach dem Brexit: Paris vor Frankfurt

Für viele Banken scheint Paris nach dem Brexit der attraktivste neue Standort zu sein, gefolgt von Frankfurt, Dublin und Luxemburg. [Kotkoa/Shutterstock]

Während die Banken der Londoner City inzwischen schätzen, dass die nötige Verlagerung von Stellen nach dem Brexit doch drastisch geringer ausfallen wird, bevorzugen sie als neuen Standort eher Frankreich als Deutschland. Ein Bericht von EURACTIVs Medienpartner La Tribune.

Laut der Reuters-Umfrage unter 119 Unternehmen schätzt der Finanzsektor nun, dass bis März 2019 aufgrund des Brexits fast 5.000 Stellen außerhalb Großbritanniens verlagert oder international neu geschaffen werden dürften. Das entspricht lediglich der Hälfte der angedachten Stellenverlagerungen im Vergleich zu einer Umfrage, die die Nachrichtenagentur sechs Monate zuvor durchgeführt hatte.

Paris erscheint vor Frankfurt als beliebtester Finanzplatz für diese Umsiedlungen. Für die französische Regierung und die Region Ile-de-France ist dies eine gute Nachricht: Sie hatten weitreichende Initiativen versprochen und einige Reisen nach London unternommen, um Unternehmen nach Paris zu locken.

Französische Regierung will ihre Banken aus London locken

Die französische Regierung macht Druck auf die französischen Großbanken, ihre Brexit-Planungen voranzutreiben und Jobs nach Paris zu verlagern.

Mehr als die Hälfte der befragten Finanzinstitute gaben an, dass sie aufgrund des Brexits Mitarbeiter umsiedeln oder ihr Geschäft umstrukturieren müssen. Ein Viertel glaubte, dass Brexit keine Auswirkungen haben würde, während die restlichen 25 Prozent angaben, sie seien sich in Bezug auf die möglichen Auswirkungen des Brexits auf ihre Geschäftsoperationen noch nicht sicher bzw. müssten noch über Maßnahmen beraten.

Mehr als 2000 Stellen in Paris

Mehrere Banken haben ihre Umzugs-Schätzungen zurückgeschraubt: Die Deutsche Bank, die ursprünglich 4.000 Menschen aus London abziehen wollte, wird nun weniger als 200 Arbeitsplätze verlagern. UBS wird 200 Positionen nach Frankfurt transferieren, verglichen mit den zuvor genannten 1.500 Stellen. Goldman Sachs will 500 statt der ursprünglich 1.000 Mitarbeiter umsiedeln. Insgesamt könnten 4.798 Stellen im Londoner Bankensektor betroffen sein.

Brexit: Europäische Bankaufsicht zieht von London nach Paris

Im Zuge des Brexits wird die Europäische Arzneimittelagentur von London nach Amsterdam und die Europäische Bankenaufsichtsbehörde nach Paris umziehen.

Paris würde laut der Umfrage 2.280 Stellen dazugewinnen; darin nicht eingeschlossen ist der Umzug der Europäischen Bankaufsichtsbehörde (EBA) mit ihren rund 200 Mitarbeitern nach Paris. Ein Großteil der verlagerten Stellen würde von der Bank HSBC kommen, die plant, rund eintausend Kollegen aus der Londoner City abzuziehen. Auch Goldman Sachs, die Bank of America und Citigroup wollen einen Teil ihrer Belegschaft nach Paris verlegen. Laut Les Échos könnte Morgan Stanley 80 neue Arbeitsplätze in Paris schaffen.

In Frankfurt hingegen könnten rund 1.420 Stellen geschaffen oder verlagert werden. Gefolgt werden Paris und Frankfurt von Dublin (612 Stellen) und Luxemburg (407).

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