Aufseher nehmen 48 europäische Banken genauer unter die Lupe

Der italienische EBA-Präsident Andrea Enria. [EPA/OLIVIER HOSLET]

Die europäische Bankenaufsicht EBA will in den kommenden Monaten insgesamt 48 europäische Großbanken auf Herz und Nieren prüfen.

Der Stresstest, dem sich auch 33 Institute unterziehen müssen, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) beaufsichtigt werden, ist eine Neuauflage von den bereits 2014 und 2016 durchgeführten Belastungsproben, wie die EBA am gestrigen Mittwoch in London mitteilte. Auch acht deutsche Banken sind betroffen, darunter Deutsche Bank und Commerzbank. Die Ergebnisse sollen Anfang November publik gemacht werden.

Dem Test liegen zwei Szenarien zugrunde, die auch krisenhafte folgen eines Brexit im kommenden Jahr beinhalten. Konkret müssen die Institute im schlimmsten Fall unter Beweis stellen, dass sie auch noch mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um bis zu 8,3 Prozent, einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um bis zu 3,3 Prozent, einem Rückgang des Preisniveaus und einem Einbruch der Immobilienmärkte zurecht kommen und noch ausreichend Kapital haben.

Es ist die dritte Übung dieser Art für die Banken in Europa – und laut EBA mit Abstand die strengste. 2014 hatten EBA und EZB einen umfassenden Stresstest vorgenommen, als die Aufsicht über die größten Banken von den nationalen Kontrollbehörden zur EZB wechselte. 2016 folgte dann ein weiterer Stresstest. Im ersten Anlauf fielen 25 der damals 130 untersuchten Banken durch, darunter die Münchener Hypothekenbank. Da sie und einige andere Banken aber während des Tests ihr Eigenkapital aufgebessert hatten, galten am Ende nur 13 Banken als gefährdet.

Jens Weidmann: Der Anti-Draghi?

Nächstes Jahr wird der EZB-Chefsessel frei. Die Spekulationen über die Draghi-Nachfolge beginnen. Ein streitbarer Name taucht häfiger auf: Jens Weidmann.

Dieses Mal gibt es nach Angaben der EBA keinen festen Punkt, ab dem eine Bank durchgefallen ist oder den Test bestanden hat. Die Ergebnisse werden aber von den Aufsehern verwendet werden, um einzelnen Häusern individuelle Vorgaben zu machen. Bei dem Test werden neue Rechnungslegungsvorschriften berücksichtigt, die bei den Banken dazu führen, dass sie früher als bislang Vorsorge für ausfallgefährdete Kredite treffen müssen – was den Test härter macht. Laut EBA ist der Test strenger als eine vergleichbare Belastungsprobe der US-Notenbank Federal Reserve bei amerikanischen Geldhäusern.

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