Mindestens 90 Prozent der EU-Großbanken in Geldwäsche verstrickt

18 von 20 der größten europäischen Banken sind in den vergangenen zehn Jahren wegen Geldwäsche bestraft worden. [Mike Dotta/Shutterstock]

Laut einem britischen Report wurden in den vergangenen zehn Jahren 18 der 20 größten europäischen Banken für Geldwäscheaktivitäten bestraft. EURACTIVs Medienpartner La Tribune berichtet.

Der Skandal, der kürzlich die Danske Bank erschütterte, hatte die Mängel bei Geldwäschekontrollen deutlich gemacht. Das Problem Geldwäsche ist aber nicht nur im Fall der dänischen Bank von Bedeutung, sondern betrifft den gesamten europäischen Bankensektor auf verschiedenen Ebenen.

Dementsprechend wurden 18 der 20 größten europäischen Banken (anders ausgedrückt: 90 Prozent) bereits wegen Verstößen gegen die Anti-Geldwäschesysteme bestraft, so eine Studie des britischen Unternehmens Fortytwo Data. Die Firma vermarktet Lösungen zur Geldwäsche-Bekämpfung auf der Grundlage von künstlicher Intelligenz.

„Viele dieser Sanktionen wurden erst in den vergangenen Jahren verhängt – was darauf hindeutet, dass Geldwäsche inzwischen zur absolut gängigen Praxis geworden ist,“ erklärte das Unternehmen in einer Pressemitteilung. „Die jüngsten Skandale, von denen die ING, die Danske Bank und die Deutsche Bank betroffen waren, haben diesen Eindruck nur verstärkt. Sie zeigen aber auch, dass keine Bank, unabhängig von ihrer Größe, gegen Sanktionen immun ist.“

EU gibt zu: Anti-Geldwäsche-Maßnahmen sind ineffizient

Die jüngsten Skandale haben gezeigt, dass die Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche nicht ausreichen.

Allerdings könnte die Häufung der aufgedeckten Fälle ebenso gut beweisen, dass die Regulierungsbehörden strenger geworden sind oder häufiger Kontrollen anhand der etablierten Verifikations- oder Warnmechanismen durchführen.

Zu den größten europäischen Banken, die in den letzten zehn Jahren bereits wegen Mängeln bei der Bekämpfung von Geldwäsche bestraft wurden, werden in der Studie auch die spanische Santander sowie die britischen Geldhäuser HSBC, Barclays, Lloyds und RBS genannt.

Im Vereinigten Königreich hat die Geldwäsche laut von der National Crime Agency (NCA) erhobenen Daten inzwischen ein Volumen von 171,6 Milliarden Euro pro Jahr erreicht.

Problem auch in Frankreich deutlich sichtbar

Auch in Frankreich ist das Problem deutlich sichtbar: Bestraft wurden bereits die BNP Paribas, die Crédit Agricole, die Société Générale und die Banque Populaire Caisse d’Epargne.

So verhängte die französische Bankenaufsichtsbehörde (Autorité de contrôle prudential et de resolution, ACPR) im Jahr 2017 eine Strafe von 10 Millionen Euro gegen die BNP Paribas wegen erheblicher Mängel in ihrem System zur Bekämpfung der Geldwäsche und der Finanzierung des internationalen Terrorismus. Die Société Générale wurde aus den gleichen Gründen mit einer Geldstrafe von 5 Millionen Euro belegt.

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Tracfin – die vom französischen Finanzministerium unterstützte Task Force zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung – erklärte in ihrem Jahresbericht, sie sei 2017 verstärkt aufgerufen worden, Geldwäschevorgänge zu bekämpfen: Es seien fast 70.000 Verdachtsmeldungen eingegangen. Dies ist eine Zunahme von zehn Prozent in nur einem Jahr bzw. von 50 Prozent gegenüber 2015.

Die Abteilung „Finanzanalyse“ hatte bereits 2016 einen beispiellosen Anstieg verzeichnet.

Für eine europäische Geldwäsche-Polizei

Viele der Geldwäsche-Skandale sind erst seit Anfang des vergangenen Jahres bekannt geworden, beispielsweise der ING-Skandal oder der bereits erwähnte Skandal um die Danske Bank. In letzterem wurden zwischen 2007 und 2015 über eine estnische Tochtergesellschaft verdächtige Transaktionen in Höhe von rund 200 Milliarden Euro durchgeführt.

Anfang Oktober beschlossen die Finanzminister der Europäischen Union daher, die Maßnahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche zu verstärken, indem sie der Europäischen Bankaufsichtsbehörde die Rolle einer „europäischen Polizei“ zur Bekämpfung der Geldwäsche übertragen.

Diese Behörde war 2010 gegründet worden und wird aufgrund des Brexits demnächst von London nach Paris umziehen. Die EU-weite Harmonisierung der Vorschriften zur Geldwäschebekämpfung im Finanzsektor wird aktuell allerdings von keiner Behörde beaufsichtigt.

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